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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-10-05 · Heft 40 (5.10.1869) · p. Seite 814

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 40 (5.10.1869)
Date
1869-10-05
Page
Seite 814 (sequence 18)
Language
German
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814 gen Töpferinnen für alle Eingeborenen. Alles Geschirr wird von ihnen aus freier Hand bereitet; sie bringen es dann auf den Markt zum Verkauf. Sehr reiche Leute giebt es keine unter den Falascha, aber dem ungeachtet trifft man viele wohlhabende und bemittelte Leute unter ihnen. Es könnte mit den Vermögensnmständen Vieler besser stehen, wenn sie etwas ökonomischer mit ihrem Verdienst umzugehen verständen. Das Gebot 2 Mos. 13, 2: „Heilige mir alle Erstgeburt, die allerlei Mutter bricht bei den Kindern Israel, beides, unter den Menschen, wie unter dem Vieh, denn sie sind mein," wird von den Falascha sehr genau beobachtet. Die Erstgeburt von Menschen wird bei dem Priester mit Geld oder Vieh, je nach Vermögensumständen, ausgelöst. Nicht selten wird, wenn das Erstgeborene ein Sohn ist, derselbe von seinen Eltern zum Mönch bestimmt und denselben im 8.—10. Jahre übergeben. Die männliche Erstgeburt beim Vieh wird erst, wenn es ein Jahr alt ist, dem Priester dargebracht, — in directem Widerspruch mit 2 Mos. 22, 30. Von dem Fleisch dürfen nur die Priester esien, und zwar nur an demselben Tage, da das Vieh geschlachtet wurde, das Uebrige wird noch vor Sonnenuntergang verbrannt. Die weibliche Erstgeburt beim Vieh behält der Eigenthümer; die Butter aber, die von seiner Milch gewonnen wird, gehört dein Priester. — Die Erstgeburt eines Esels wird mit einem Schaaf gelöst ivergl. 2 Mos. 34, 10. 20). Kühen oder Priester findet man m jedem Dorfe. 'Als Bedingung der Tauglichkeit zu diesem Amt gilt, daß nur solche Leute es bekleiden können, denen man nichts Strafbares nachsagen kann, d. h. von mönchischem Standpunkte aus: deren Ahnen sich in keinerlei Weise mit andern Religivnsgenosscn durch Essen und Trinken verunreinigt haben. Der Sohn und Sohnes Sohn eines Mannes, der Christenbrod gegessen oder Wasser bei denselben getrunken hat, kann nie zu der Würde eines Kühen gelangen. Die Kühen sind alle verheiraihet, wenn aber ihre Frau stirbt, müssen sie ledig bleiben. Neben ihrem Priesteramt unterrichten sie Knaben und treiben dabei noch die Weberei, die sie alle erlernen. Als großartigen Lohn erhalten sie — wenn ein Knabe den ganzen Psalter auswendig gelernt hat — 1 Thaler. Wenn Einer jedoch eine Anzahl Knaben zum Unterricht hat, ist der Verdienst nicht so schlecht. Die Kühen sind auch die Schlächter unter den Falascha, sie bekommen von jedem Stück Vieh den Hals als Lohn. Bei einem Opfer jedoch bekommen sie den Borderfuß und die Brust. Außerdem giebt es „Debtera" (Gelehrte) und Zauberer, d. i. Geisterbanner, Wahrsager und Hagel- und Regenbeschwörer. Die Falascha wohnen meistens in abgesonderten Dörfern. Wo sie aber ihres Gewerbes wegen unter den Christen ansässig sind, wählen sie gewöhnlich einen Theil außerhalb des Dorfes oder der Stadt, wo sie sich durch Gehege und Hecken gegen Verunreinigungen schützen, die durch das bloße Betreten eines Christen oder Muhammedaners geschehen können. Die Häuser der Falascha sind alle rund, haben einen Durchmesser von 12—20 Fuß und eine entsprechende Höhe. Je nach Vermögensumständen sind die Häuser kleiner oder größer. Reichere haben eine Steinmauer, die Aermeren bloß eine Wand von Reisern und Aesten, die 1/2 Fuß tief in die Erde eingegraben und etwa 6 Fuß hoch ist. Drei bis vier Reifen werden um die ganze Runde mit Lederriemen oder Bast stark zusammen gebunden. Diese Wand, „Kitkita" genannt, wird inwendig mit Lehm ausgeworfen, um das Haus gegen Eindrang von Wind und Kälte zu schützen. Die häuslichen Möbel oder bessern Geräthschaften der Falascha sind, wie die der eingebornen Christen, ziemlich wenige. Es gehört dazu eine hölzerne Bettstelle mit Lederriemen geflochten, „Alga" genannt. Ein oder mehrere Stühle (mit Riemen geflochten), ein aus Rohr geflochtener Tisch, der außer den Mahlzeiten zusammengelegt an der Wand hängt. Einige thönerne Krüge, Kochtöpfe, Schüsseln (hölzerne und thönerne), ein Backapparat (Mogogo), eine Mühle zum Fruchtmahlen, eine Feuerstelle, wo gebacken und gekocht wird. Von Stroh geflochtene Brvdkörbe, Kleider- und Schmuckkörbchen, Siebe und Getraidemaaße. Giebt es Hausgenossen, die lesen können, so sieht man auch wohl ein oder mehrere in Ledertaschen auf Pergament geschriebene Bücher an der Wand hängen. Ferner ein oder mehrere aus Lehm und T'effstroh bereitete, an der Sonne getrocknete große Behälter zum Aufbewahren des Getraides. — Unangenehm wird jeder Europäer berührt durch die Finsteruiß, die einen beim Eintritt in die Häuser der Eingebonen umhüllt; denn die einzige Oeffnung ist in den allermeisten Fällen nur die Thür, höchstens einige kleine runde Löcher; Fenster sind ihnen geradezu verhaßt. Müssen sie durchaus Helle haben zu irgend welcher schwierigen Arbeit, als Schreiben, Sticken rc., so wollen sie es aus der Quelle, sie setzen sich da nie in den Schatten, sondern in das blendendste Sonnenlicht und das mit entblößtem Haupt und Nacken. Irgendwelche Arbeiten, die sich auf die Zubereitung der Nahrung beziehen, werden aber von der Hausfrau im geheimnißvollen Dunkel des Innern verrichtet. Das hat seinen Grund in ihrer Furcht vor dem „Schatten der Menschen". Wenn nämlich ein Fremder (der nicht Hausgenoffe ist) unangemeldet in's Haus tritt (welches schon als eine große Ungezogenheit angesehen wird), so wird gewiß die Hausfrau oder Magd irgend einen kleinen oder größer» Uebelstand oder Nichtgelingen ihres Geschäfts (die Bereitung des Oels, Weins oder des Biers), dem „Schatten" oder bösen Auge zuschreiben. Der „Schatten" ist ganz gleichbedeutend mit dem „bösen Auge" der Araber. So tragen auch die Abhssinier niemals etwas, das zum Essen, Trinken oder zur Medicin bestimmt ist, unbedeckt

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