Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1869)
- Date
- 1869-10-05
- Page
- Seite 813 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung des Zudenthnms. Feuilleton-Leilage M Ar. 40. Leipzig, den 5. October 1869. Die Falascha's oder abyssimsche» Juden. (Fortsetzung.) Die Falascha haben Priester, wie sie auch noch Opfercultus haben. Worin sich aber die Nachrichten beider Autoren gänzlich unterscheiden, ist, daß Fl ad auch von jüdischen Mönchen spricht, in deren Orden einzutreten nur denen gestattet sei, die sich castriren lassen; sie unterziehen sich den größten Entbehrungen. Halovy berichtet hierüber gar nichts. Was die Kleidung betrifft, so beschreibt sie Flad folgendermaßen. Die Mönche tragen tragen weite , weiße Hosen (Sanafil), die von den Hüften bis an die Knöchel reichen; ein weißes, weites bis an die Kniee reichendes Hemd; ein 9 — 10 Ellen langes und 5—6 Ellen breites doppeltes Baumwollentuch (Schamma), das am Ende einen schmälern oder breitern rothen Streifen hat. Ferner eine weiße Kappe, und darum wickeln sie ein Stück weißes Baumwollenzeug von 6—10 Ellen, das dann einem Ungeheuern Turban gleich sieht und Matemtemia (Umwickelung) heißt. Ein jeder Mönch ist im Besitz dreier vollständiger Anzüge. Der eine Anzug, heilige Kleidung genannt, wird nur während des Dienstes in der Mesgid (Synagoge) getragen und wird nie aus derselben herausgenommen. Den zweiten tragen sie in ihren eigenen Häusern und den dritten, wenn sie mit anderen Leuten in Berührung kommen. Auch trägt jeder Mönch das Büchlein „Ardid" als Schutzmittel gegen böse Einflüsse und als Zeichen der Heiligkeit bei sich. Bart haben sie natürlich keinen. Die Kleidung der Kühen (Priester) ist ähnlich der der Mönche; Beinkleider und Hemd sind etwas enger; sie tragen keine Kappe, sondern nur einen Turban. Die Kleidung der Laien besteht aus einem Paar langen, weiten Hosen und einem Ueberwurf. Bei den Vermögenden ist dieser ein Schamma, im Werth von 3—6 Thalern, bei den Armern ein Gabi 1—2 Thaler Werth. Die Kleidung der Frauen besteht aus einem sehr weiten baumwollenen Hemd von doppeltem Stoff, das um die Lenden mit einem 5 Ellen langen Streifen von demselben Zeug fest gegürtet wird; wenn sie nicht unbemittelt sind, so haben sie darüber ein Gabi oder Schamma. Reiche Frauen haben mehr oder weniger kostbar gestickte Kleider; silberne Halsketten, silberne Finger- und Ohrringe, desgleichen Arm- und Fußspangen rc. Die Frauen sind trotz der Einfachheit ihrer Tracht ebenso zur Eitelkeit geneigt, als die übrigen ihres Geschlechts. Besonders wenn sie einen Ausgang machen, treiben sie gerne Staat und sind froh, wenn sie sich nur mit fremden Federn schmücken können, d. h. wenn eine selbst kein Schamma, gesticktes Kleid, Silberschmuck u. s. f. besitzt, so wird sie sich bemühen, solches von einer reichern Nachbarin zu entlehnen. Besonders bei Festen ist dies der Fall. — Sie tragen auch kleine rothe Glasperlen in einer Schnur um den Hals — anders gefärbte Perlen zu tragen ist ihnen von den Mönchen verboten. Ebenfalls ist es ihnen von den Mönchen und Priestern verboten, „Kitab" (Amulette) zu tragen. Aber trotz dieses Verbotes tragen viele dieselben in's Geheim gegen Krankheiten — sie sind meistens von Christen geschrieben. Die Falaschafrauen verschleiern sich nicht. Ihr kräuseliges Haar tragen sie meist kurz geschnitten, doch kommt auch zuweilen völliges Rasiren vor, was seine guten Gründe hat. Nie aber hat eine Falaschafrau das Haar geflochten, was natürlich auch aus Reinlichkeitsrücksichten unterlassen wird. Die abyssinische Frisur ist eben eine complicirte und zeitraubende Sache. Es vergeht beinahe ein ganzer Tag, ehe das feine Geflecht von 1—2 Monat Datum auseinander gemacht und die neue Frisur vollendet ist. Deshalb geschieht^ nur alle 6—8 Wochen, ja noch länger läßt man's anstehen. Damit sie aber nicht mit Ungeziefer geplagt werden, schmieren sie sich häufig mit Butter ein; was aber allerlei Uebelstände mit sich führt. Die Butter fließt in ihre Kleider und verursacht eine widerliche Ausdünstung. Männer und Frauen gehen ohne Fußbekleidung. Man kann mit Recht behaupten, daß die Falascha unter der verschiedenartigsten Bevölkerung des weiten Habesch zu den betriebsamsten und gewerbfleißigsten Leuten gehören. Es giebt unter ihnen Maurer, Zimmerleute, Schmiede, Weber, Ackersleute, — Kaufleute giebt es auch, aber seltener. Die Falaschafrauen sind fast die alleini-