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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-10-05 · Heft 40 (5.10.1869) · p. Seite 807

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 40 (5.10.1869)
Date
1869-10-05
Page
Seite 807 (sequence 11)
Language
German
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807 Pest, 22. Sept. (PrivatmittH.) Die neue Organisation des ungarischen Schulwesens beschäftigt in diesem Augenblicke alle Gemächer und erlebten wir das seltene Schauspiel, daß die Orthodoxie für Simultanschulen, die Fortschrittspartei für confessionelle Schulen agitirk. Daß wir diese Begriffsverwirrung dem Congreß zu verdanken haben, wird ein Jeder, der mit den Verhältnissen bekannt ist, zugeben. So bezeichnet die äußerste Orthodoxie in ihrer Eingabe an den Cultusminister die confessionelle Schule als mittelalterliches Institut, während die Congreßstatuten in 8. 2 festfetzen: Jede selbständige israelitische Cultusgemeinde, die als solche constituirt ist, ist verpflichtet eine israelitische Elementarschule zu errichten und zu erhalten. Es ist selbstverständlich, daß der Staat und seine Organe, trotz der Genehmigung dieser Statuten, sich an das Landesschulgesetz, vom Landtage genehmigt, hält, welches im Gegensatz zu den Congreßbeschlüssen die Simultanschulen begünstigt und alles daran setzt, die Confessionsschulen in Simultanlehranstalten umzugestalten, oder dort, wo die Confession keine öffentlichen Schulen besitzt, solche für Simultanschulen zu gewinnen. — Bor uns liegt ein ausführlicher Rechenschaftsbericht der gemäßigten Orthodoxen, herausgegeben von Dr. Jsr. Hildesheimer. Selbiger stellt sich zur Aufgabe, die Neuorthodoxie Ungarns zu verherrlichen und in jeder Richtung in den Vordergrund zu stellen. Wie wenig disciplinirt aber die Partei während des Congresses sein mußte, beweist der Umstand, daß.der Verfasser des Buches beim Abfassen desselben noch nicht wußte, ob er zwei hervorragende orthodoxe Mitglieder des Congresses zu seiner Partei rechnen sollte oder nicht, da auf der Rückseite des Umschlages selbige als vergessen bezeichnet werden. Aehnliches Material zur Zeitgeschichte liefern: Photographien aus dem ungarisch-israelitischen Congresse. Gezeichnet von Dr. Friedrich Liebig. Wien bei Herzfeld und Bauer 1869. Man sieht es dem Buche an, daß der Verfasser sich bei allen Parteigruppirungen umgesehen, doch hätten wir es gerne gesehen, wenn bei der Photographie des Direktors Heinr. Deutsch die gehässigen Verleumdungen boshafter Scribler mit Stillschweigen wären übergangen worden nnd die Fabel vom Hunde ganz weggeblieben wäre. Auch hätten wir gewünscht, daß der Verfasser der Photographien des I. Lövh aus Groß Kanizsa, des Primararztes vr. Jos. Rözsay aus Pest, des Dr. Mezei M6r und des Dr. Popper aus Miskolcz mehr Aufmerksamkeit bei der Zeichnung gescheut hätte, nachdem die beiden ersten zu aphoristisch gezeichnet sind, Mezei aber bei all seiner juridischen Begabung mit Rieffer nicht zu vergleichen, noch weniger aber zum Souffleur hervorragender Persönlichkeiten herabgedrückt werden kann, Dr. Popper unseres Wissen zum Schulinspektor vonBorsod nicht befördert ward. Desgleichen mußte uns die parteiische Zeichnung der gelehrten Oberrabbinen Jeremias Löv aus S. a. Ujhelh und Eisenstädter aus UnghvLr auffallen, die zu den größten Thalmudisten des Landes gehören. Daß Sigmund Kraus, der Vertreter der Orthodoxie im Congresse, durch die Redaction des „Magyar Zsidö" in einem Jahre für die Verbreitung der magyarischen Sprache mehr gethan habe, als der ungarisch-israelitische Verein während zwanzig Jahren, überlassen wir der Phantasie des Photographen. Trotz dieser Ausstellung bieten diese Photographien künftigen Geschichtsforschern eine vorzügliche Ausbeute, enthalten ein reichhaltiges Material, um sich aus dem Labyrinth des ersten ungarisch-israelitischen Congresses zu winden, und Wahrheiten, wenn auch zuweilen derbe, um derenwillen sie die weiteste Verbreitung veroienen. Z. Aus Ungarn, im Septbr. (PrivatmittH.) Die biblischen Geschichten von Rosenmeyer, die seiner Zeit in Schulkreisen sehr freundlich ausgenommen wurden, sind so eben auch für Elementarschulen in einer deutsch-ungarischen Ausgabe erschienen. Auch erscheint von demselben Verfasser bei Lövy Sohn in Pest: Erstes hebräisches Lesebuch nach der Schreiblesemethode, bearbeitet für ungarische Volksschulen. Rumänien. Jassy, im Sept. Ein Moldauer Blatt, die „Dreptatea," theilt ein Umlaufsschreiben des Ministers des Innern an die Präfecten mit, in welchem diese angewiesen werden, auf den Secretär der pariser „Alliance Jsraslite", Herrn Armand Levy, ein wachsames Auge zu haben, weil dieser die Moldau bereise, um von den Ortsvorstehern der Dörfer Zeugnisse zu er-

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