Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-10-05 · Heft 40 (5.10.1869) · p. Seite 806

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 40 (5.10.1869)
Date
1869-10-05
Page
Seite 806 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3226690-3226731--27648-3263237
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

806 Aus dem Tokayergebirge, im September. (Privatmitth.) Trotz der Königlichen Verordnung in An gelegenheit der vom Congresse genehmigten Schulstatuten, die bekanntlich konfessionelle Schulen bevorzugen, beeilen sich viele Gemeinden des Gebirges, Nagymihälh an der Spitze, zu Gunsten der Simultanschulen. Der Mahnruf vom „Glaubenswächter" in Pest dürste, trotz Anschluß von Bodrogköz, kaum eine Verzögerung der Jnslebenrufung der Congreßbeschlüsse nach sich ziehen und soll, wie wir vernehmen, die erste constituirende Versammlung, vom Herrn vr. med. Samuel Unger einberufen, im Oktober in Ujhelh stattfinden. Die Herbstferien führten mich vor Kurzem in zwei Comitate, nach Abanj und Säros, und waren die Wahrnehmungen solch interessanter Natur, daß wir selbige der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten können. Während fast in allen Städten Oberungarns die Wunden, welche die Congreßwahlen geschlagen, kaum vernarbt sind, hat sich die Kaschauer Jsraelitengemeinde, noch vor zehn Jahren kaum nennenswerth, zur Mustergemeinde emporgeschwungen, an deren Spitze vr. meä. Kain steht. Obwohl die Stadt sich für Eröffnung von Simultanschulen ausgesprochen hat, konnte man sich nicht dazu verstehen, die blühende Gemeindeschule aufzugeben. Die Gemeinde besitzt einen Chortempel, wenn auch vorläufig keinen Nabbi, da man erst Erstarkung der confessionellen Schule will, bevor man die Predigt in der Synagoge einführt. In Eperies war es uns vergönnt mehrere Tage zu verweilen und durch die Güte des dortigen Obercantors Herrn Lippissohn Einblick in die Gemeindeinstitutionen zu erlangen. Und in der That besitzt die Gemeinde Chortempel, Prediger, geregelten Gottesdienst und eine wohlorganisirte Volksschule. Wenn auch die Emancipation die israelitischen Vereine, bekannt unter dem Namen „Jzraelita maghar Eghlet" größtentheils verdrängte, so können wir doch unsere Freude darüber aussprechen, daß sich durch die Bemühungen eines vr. Munk, Adler, Lippissohn, Rosenberg u. a. dieser Verein nicht nur erhalten, sondern auch durch jüdische Zeitschriften wie „Allgemeine Zeitung des Judenthums", „die Schriften des Literaturvereins" so recht zum Mittelpunkt wissenschaftlicher Bestrebungen für Säros gemacht hat.*) Daß die Gemeindeschule unter diesen Umständen trotz des Nagymihalher Conciliums und des hiesigen Rebb Hilel, sich allmälig auf die Höhe der Zeit stellt, brauche ich wohl nicht erst hervorzuheben. Was wir der Gemeinde wünschen, und wozu durch ihr vorzügliches Collegium, welches von mehr als 80 israelitischen Zöglingen besucht ist, ein Boden vorhanden, wäre die Eröffnung einer Thalmud thoraschule, aus Mitteln des Schulfonds. Im Interesse der guten Sache und bei dem Umstande, daß Eperies der vorzüglichen Kräfte so viele besitzt und ein Jakob Ungar, ein Adler im Verein mit Sr. Hochwürden dem Herrn Rabbiner vr. Austerlitz so recht befähigt sind ein derartiges Institut zu leiten und gehörig zu beaufsichtigen, glauben wir nicht unbescheiden zu sein, wenn wir die Aufmerksamkeit der intelligenten Eperieser Gemeinde und die demnächst sich bildende höhere israelitische Schulbehörde dieses Bezirkes ganz insbesondere auf diesen Gegenstand lenken. Im Säroser und Zipser Comitat hat Herr Leo Holländer seine Thätigkeit als israelitischer Distriktscommissär bereits begonnen, und wenn es auch ohne Opposition nicht abgehen wird, so ist doch die Fortschrittspartei auch in diesem Bezirke so zahlreich vertreten, daß immerhin eine Jnslebenrufung der Congreßbeschlüsse in Bälde bevvrsteht. So eben erfahren wir, daß in Folge der Aufforderung des königlichen Jnspectors Herrn Jos. Arvai ein Comitk behufs der Jnslebentretung von Simultanschulen in S. a. Ujhelh sich gebildet hat. Nachdem nun laut Congreßbeschluß bezüglich der Auflassung der israel. Mustcrhauptschule die Lehrer an die confessionelle Gemeindeschule gewiesen sind, die Gemeinde aber laut §. 3 desselben Statutes sich für Simultanschulen erklären kann, so fragen wir, wo bleiben da die privatrechtlichen Verhältnisse der ehemaligen Musterlehrer? und wie gedenkt die Fortschrittspartei diesen Widerspruch zu lösen? Oberlehrer I. I. Rosenmeyer. schon vor zehn Jahren von Leo Holländer, dem wackeren Kämpen für die Emancipation seiner Glaubensbrüder, gefördert ward, kann ich als bekannt voraussetzen. *) Daß der geistige Fortschritt in diesem Comitate Der Correspondent.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.