Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1869)
- Date
- 1869-09-28
- Page
- Seite 788 (sequence 12)
- Language
- German
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788 während sie doch das zweifelhafte Unternehmen einer Ackerbauschule in Palästina zu dem ihrigen gemacht und sie aus der elsässischen Ackerbauschule die besten Lehrer für Palästina in Zukunft ziehen könnte? Die Presse fragt, ob die Alliance so verfahre, weil die eine im Orient, die andere aber nur in Frankreich bestehen solle? Diese Frage scheint uns nicht ungerechtfertigt. Das Unternehmen des Herrn Werth ist ein durchaus gesundes, und schon die geringe Betheiligung an demselben macht in der christlichen Welt im Elsaß einen bösen Eindruck, was jedenfalls beweist, daß man auf dieser Seite das dringende Bedürfniß einer solchen Anstalt einsieht. Spanien. Madrid, im Juni. Während die spanische Berfassung von den Cortes berathen wurde, machte der in dieser Versammlung nicht unbedeutend vertretene Klerus die letzten Anstrengungen, um das Prinzip der religiösen Unduldsamkeit in das durch die Septemberrevolution befreite Spanien hinüberzuretten. Der klerikale Abgeordnete und katholische Priester Manie - rola hatte in den Cortes mit allen Künsten jesuitischer Sophistik die katholische Kirche als Staatskirche, neben welcher andere Religionen höchstens „geduldet" werden sollten, vertheidigt. Da antwortete ihm der Republikaner Castelar aus dem Stegreife. Wir setzen die Hauptstellen der Rede, welcher der Sieg der Religionsfreiheit in Spanien zu verdanken ist, hierher: „Sennor Manterola begeht den schwersten der Jrrthümer, wenn er im Namen der moralischen und religiösen Ideen in dieser Kammer die zwingende Gewalt und die materielle Hilfe des Staates fordert. Wer an die Religion glaubt, der befolgt ihre Gebote auf das Geheiß seines Gewissens. Wer nicht an sie glaubt, den macht auch das Geheiß des Staates nicht an sie glauben, sondern es übt die überaus schädliche Wirkung aus, daß er mit den Lippen Bekenntnisse ablegt, die er nicht im Herzen trägt. „Es giebt zwei Joecn, die noch nie bleibenden Erfolg in der Welt hatten: eine Religion für Alle und eine Nation für Alle. Verschiedene berühmte Päpste versuchten die erste dieser zwei Ideen durchzuführen, aber vergeblich. Alexander, Cäsar, Karl der Große, Karl V und Napoleon suchte die zweite Idee durchzuführen und scheiterten ebenfalls. Die Idee der Mannigfaltigkeit besiegte die Sieger. Die Mannigfaltigkeit der Gewissen besiegte die Priester und die Mannigfaltigkeit der Völker besiegte die Krieger. „Sennor Manterola fragte, wann die katholische Kirche die Juden schlecht behandelt habe. Nun — sie hat die Juden wie Sklaven, ja wie Lastthiere behandelt. Ich habe hier das Inventar des Mönchklofters San Cosme und San Damian von 978. Wissen die Deputirten, wie jene Mönche ihr Eigenthum verzeichneten? Hier ist das Verzeichniß : 50Stuten, 20 Maurinnen und Jüdinnen, 30 Juden ditto! Eigentlich begann jedoch die religiöse Intoleranz in Spanien erst um die Mitte des 14. Jahrhunderts und im fünfzehnten. Damals hielt San Vicente Serrer in der Kathedrale zu Toledo jene Predigt, welche zur schrecklichen Abschlachtung der 3000 Juden in jener Stadt führte. Sennor Manterola sagte höhnisch, die Juden hätten nur Schlappschuhe zu machen verstanden; und er forderte mich auf, ich sollte angeben, welche berühmten Männer aus dem spanischen Judenthum seit seiner Vertreibung aus Spanien hervorgegangen seien. Ich könnte Viele nennen, doch ich nenne nur Wenige. Da ist Spinoza, der erste der modernen Philosophen; wäre Eure Inquisition nicht gewesen, so hätte Spinoza auf Spaniens Boden das Licht der Welt erblickt und sein Ruhm unseren Horizont vergoldet; denn er stammte von spanischen Juden. Ihr könnt seinen Ideen widersprechen, aber Ihr könnt sein Genie nicht leugnen. Eure Intoleranz hat uns seines Ruhmes beraubt. Disraeli — er ist mein politischer Feind, ein Tory, ein Konservativer, aber er ist ein großer Novellist, ein großer Redner, ein großer Staatsmann und das Haupt der britischen Aristokratie; er stammt von spanischen Juden und wäre Eure verbrecherische Intoleranz nicht gewesen, so würde sein Ruhm Spanien gehören. Daniel Manin, der edle italienische Patriot und einstige Diktator Venedigs, stammte ebenfalls von spanischen Juden. Indem Ihr uns der Juden beraubtet, habt Ihr uns eine lange Reihe von Namen geraubt, welche der Glanz und Ruhm unseres Landes gewesen wären. „Sennor Manterola's knabenhafte Behauptung, daß nicht die Kirche die Ketzer tödtete, sondern daß dies die staatliche Gewalt that, gleicht der Behauptung des Meuchelmörders, der sagt, nicht er habe sein Opfer getödtet, sondern sein Dolch habe es gethan. Die Juquisition war der Dolch der Kirche. Die Verfolgungs-