Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1869)
- Date
- 1869-09-28
- Page
- Seite 787 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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78? Wir kennen nun die Wortführer der Stabilen zn gut,! um nicht zu wissen, daß sie alle Hebel in Bewegung setzen werden, um ihre Anhänger auch von der zweiten Synode zurück zu halten. Dies wird ihnen auch noch das eine und das andere Mal gelingen, auf die Lange wohl aber schwerlich. Dagegen werden sich solche, die noch etwas weiter rechts stehen als die Majorität der ersten Synode, und dahin rechne ich das französische Rabbinat, der zweiten Synode anschließen, und diese so zu größerem Anwachs und zu weiterer Allgemeinheit bringen. Dazu muß allerdings die französisch-jüdische Presse das Ihrige beitragen, und sie würde nach meiner und Vieler Ansicht ihren Zweck ganz verfehlen, wenn sie es nicht thäte. Niemand hat durch die Synode in Frankreich mehr an Achtung gewonnen als der Großrabbiner Astruc von Brüssel, das belgische Consistorium und dessen ehrenwerthcr Präsident, Herr Lassen. Das sind Männer, die sich durch kein Parteigeschrei beirren lassen, und ihren wohlerwogenen Weg mit Festigkeit gehen. Dabei hat es sich glücklicher Weise in der ersten Synode erwiesen, daß die Sprachverschiedenheit kein Hinderniß bildet, da die französische und englische Sprache von der Mehrheit der deutschen Mitglieder verstanden wird, und ebenso wahrscheinlich die deutsche Sprache von der Mehrheit französischer und englischer Mitglieder verstanden werden würde, und da im Schoße der Versammlung sich immer Männer finden, welche die Verdolmetschung leicht übernehmen. Unter diesen Umständen hegen wir in der That die Hoffnung, daß die französische Judenheit in der zweiten Synodalversammlung sich in hinlänglicher Vertretung einfinden werde. Hierzu vorzubereiten, so weit es an ihnen ist, fordern wir die französisch-jüdischen Journale auf. Diese haben die Pflicht, eine genügende Kenntniß nnd Beurtheilung der ersten Shnodalversammlung immer mehr zu verbreiten und in kräftiger Weise die Beschickung der ztveiten zu befürworten. Es ist natürlich nicht der Anspruch zu erheben, daß die zweite Synode in Frankreich, also in Paris abgehalten werde; sie kann nicht anders als wiederum in Deutschlanv sein. Man kann eine zweite Versammlung nicht nach einem Orte verlegen, von welchem sich Niemand in der ersten eingefunden hatte; man kann nicht fordern, daß die überwiegende Mehrheit, welche Deutschland gestellt hat, nach Frankreich reise, das sich so abgeschlossen erwiesen hatte. Gehen unsere Wünsche in Erfüllung, so können wir allerdings die dritte Versammlung in Paris sehen. — Bei Gelegenheit des 15. August befindet sich unter den Verleihungen der Ehrenlegion die Ernennung des Professors Franck zum Grad des Commandeurs und anderer acht Israeliten zll Rittern; unter den letzteren befindet sich Herr Joseph Derenbourg, dessen Verdienste diese Ehre längst erwarten ließen. Einen Gegenstand vieler Diskussionen bildet seit längerer Zeit das Projekt des Herrn Werth zu Colmar, eine Ackerbauschule für Israeliten im Elsaß zu errichten. Während besonders durch die Arbeitsschulen zu Straßburg und Mühlhausen eine sehr große Zahl jüdischer junger Leute des Elsaß zll Handwerkern und Künstlern erzogen wurde und wird, hat der Landbau unter den elsässischen Juden kaum nennenslverthe Anhänger gefunden. Herr Werth schlägt daher nach einem wohlerwogenen Plane die Gründung einer Ackerbauschule vor, für welche er nur 20,000 Frcs. beansprucht. Jndeß stieß sein Unternehmen sofort auf eine starke Opposition uno zwar eine solche, die nicht gegen seinen Entwurf und dessen Einzelheiten, sondern gegen den ganzen Gedanken plaidirte, »veil sie für die aus dieser Schule hervorgeheudeil Zöglinge keinen genügenden Spielraum des Erwerbes voraussetzt u. dgl. m. Wir brauchen hier nicht die Schwäche dieser Einwände und alle die Argumente auseinanderzusetzen, welche sich für diesen Plan wie von selbst bieten. Herr Werth hat dies in mehreren Aufsätzen und Broschüren gethan, und seine Gegner ziemlich zum Schweigen gebracht. Welcher Gedanke käme auch in unserer Zeit auf, ohne sofort auf Widerstand zu stoßen, mag dieser noch so schwächliche Gründe aufzuführen haben! Dennoch verhmderte die Opposition den raschen Fortgang der Subskriptionen, die sich bis jetzt nur langsam zur Höhe von 10,000 Frcs. erhoben haben, worunter 1000 Frcs. von I. Albert, 1000 Frcs. von Jos. Halphen, 500 Frcs. von Fould, 300 Frcs. von Lazard freres zu Paris sich befinden. Bemerkenswerth ist, daß von christlicher Seite der Plan mit großem Enthusiasmus ausgenommen worden, daß z. B. Schlummberger, Maire von Guebviller 500 Frcs., Herzog, ein Jndu strieller zu Colmar, Herfelu in Mühlhausen 500 Frcs., Anhopt in Colmar 500 Frcs. und andere Christen ansehnliche Beiträge gezeichnet haben. Die krasse isruelite wirft die Frage auf, warum die Alliance israelite sich dieser Sache durchaus nicht annimmt,