Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-09-28 · Heft 39 (28.9.1869) · p. Seite 789

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 39 (28.9.1869)
Date
1869-09-28
Page
Seite 789 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226690-3226730--27630-3263218
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

789 sucht der katholischen Kirche läßt sich auf jeder Seite der Kirchengeschichte lesen. Will Sennor Manterola, daß ich die Encyclica citire, in welcher Papst Jnnocenz III, die Juven zu ewiger Sklaverei verdammte? Soll ich ihm den Brief weisen, in welchem Papst Pius V. dem König Philipp II. befahl, einen Meuchelmörder zur Ermordung der Königin Elisabeth von England zu suchen? „Sennor Manterola sagt, ich sei nie in Rom gewesen. Nein, — ich war in Rom. Ich habe Roms Ruinen besucht und seine dreihundert Dome betrachtet; ich wohnte den Ceremonien der heiligen Weihe bei; ich bewunderte die gigantischen Sybillen Michel Angelos, welche ewige Flüche zu schleudern scheinen; ich sah die Sonne in die Basilica St. Petrus dringen; ich suchte in der Asche dort nach einem Atom religiösen Glaubens und stieß nur auf Betrug und Zweifel. Ja ich war in Rom und sah im Vatikan von der Hand Bessaris ein Wandbild des Sendboten des Königs von Frankreich, der dem Papst den Kopf Coliguhs sandte; ich sah die Apotheose und den großen Kirchenruhm der Henker, der Meuchelmörder der Bartholomäusnacht. „Sennor Manterola, der Domherr von Vittoria, sagt uns hier, die Juden gehörten nach Palästina zurück. Wie? Glaubt er denn an das schreckliche Dogma, daß die Kinder für die Sünden ihrer Väter verantwortlich sind? „Groß ist die Religion der Macht, aber größer ist die Religion der Liebe. Groß ist die Religion der unversöhnlichen Gerechtigkeit, aber größer ist die Religion der verzeihenden Barmherzigkeit. 3m Namen dieser Religion stehe ich hier und bitte Sie: schreiben Sie voran in Ihr Grundgesetzbuch: Freiheit, Gleichheit und Verbrüderung unter allen Menschen l“ Italien. Ans Oberitalien, 6. Juli. (Privatmitth.) Während achtbare Männer aus eigenem Antriebe, oder auf Anregung ihrer Gemeinden gegenwärtig auf der Synode in Leipzig tagen, um wo möglich Ordnung und Einheit im Bestreben die Grenze zwischen Religion und Leben zu bestimmen, herzustellen — erfahren wir zuletzt definitiv, daß von den italienischen Gemeinden keine einzige jene ehrwürdige Versammlung beschicken werde. Nicht etwa daß das Bedürfniß, woraus der Aufruf an Gemeinden und Gelehrte geflossen ist, an der Synode Theil zu nehmen, in Italien minder fühlbar wäre als in Deutschland, Belgien, Frankreich oder Amerika — nein, mir ist keine Stimme bekannt geworden, welche sich gegen die Berufung der Synode hier geäußert hätte; allein cs fehlte an gehöriger Energie. In Triest hatte sich der Obberrabbiner, welcher von der betreffenden .Gemcindeconsulta hierüber vernommen wurde, zustimmend geäußert; auch weiß ich von Gemeinden Oberitaliens, wo die Beschickung beinahe officiell verhandelt wurde, und bereits die Person designirt war, um dieselben auf der Synode zu vertreten; und doch ist es unterblieben. Der Hauptgrund, woran hier die Beschickung scheiterte, besteht darin, daß die Persönlichkeit, welche bei ähnlichen Angelegenheiten die Initiative bei den Gemeinden ergreift, diesmal daran verhindert war. Dieser Tage wurde vom Comite für das italienische Rabbiner-Collegium, bestehend aus Baron Giuseppe Treves de' Bonfili und andern drei vornehmen Israeliten Padua's ein „Aufruf" an die Israeliten Italiens verbreitet, und in jeder Gemeinde besondere Beförderer für das Zustandekommen von freiwilligen Zeichnungen, um den Fortbestand der Paduaner Schule zu sichern. Der Aufruf ist warm, und zweckmäßig gehalten. Hoffen wir, daß er seine Wirkung nicht verfehlen werde. Jüngst wurde die nahe Veröffentlichung eines Werkes angezeigt, welches sowohl des Inhaltes als des Verfassers halber eine gute Aufnahme zu erhalten verspricht. Professor Salvador Debenedetti, an der Universität zu Pisa, welcher mit der gründlichen Kenntniß des Hebräischen meisterhafte Handhabung des italienischen Ausdruckes verbindet, gibt die bis nun herausgegebenen religiösen Gedichte R. Jehuda Halcvi's ins Italienische übersetzt heraus. Das Werk wird auch Anmerkungen, Erläuterungen und eine Vorrede enthalten. Es ist hohe Zeit, daß der erhabene Dichter auch in die italienische Literatur eingeführt werde. Das Werk ist schwierig, und des Unternehmers würdig. Es trägt den Titel: II Canzoniere sacro di Giuda Levita. Die hebräische Uebersetzung der Hölle von Dante, ist bereits erschienen. Von Luzzatto's Bibelübersetzung ist der dritte Band (a-'ii-im o'sra:) bereits vollständig veröffentlicht;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.