Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1869)
- Date
- 1869-09-28
- Page
- Seite 786 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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786 somit der Staat das Recht jene Individuen aus seiner Mitte zu entfernen, welche weder in derselben geboren wurden, noch irgendeine Garantie bieten, daß sie arbeitsame und taugliche Kräfte der Gesellschaft sind. Allein hier stellt sich uns eine Schwierigkeit entgegen. Die benachbarten Staaten weigern sich nämlich in vielen Fällen, ihre verjagten Landstreicher zurückzunehmen. Wir müssen daher ein Mittel finden, diesem Uebel abzuhelfen. Ein solches Mittel wäre, meiner Ansicht nach, die Errichtung von Ackerbau-Colonien. An den Mündungen der Donau und an den Gesta den des Schwarzen Meeres besitzen wir einen ansehn lichen Ländercomplex von fruchtbarem Boden; jedoch unbewohnt. Dorthin könnten wir jene große Anzahl von Landstreichern schicken, die uns jetzt plagen und unsere Bevölkerung demoralisiren. Dort könnten diese Landstreicher durch ihrer Hände Arbeit sich und ihre Familien redlich ernähren; sollten sie sich aber weigern dem Pflug ihre Nahrung abzugewinnen, d. h. zu arbeiten wie unsere Rumänen arbeiten: dann können sie natürlich kein Mitleid mehr beanspruchen, weder hier noch anderswo. Dies, Herr Präfekt, ist natürlich nur meine persönliche Ansicht. Um dieselbe durchzuführen, bedarf es zuerst der Aeußerung der öffentlichen Meinung; alsdann muß sie der Regierung und schließlich den gesetzgebenden Körpern vorgelegt werden. Um jedoch dieses letztere thun zu können, bedarf ich einiger speziellen örtlichen Studien. Ich ersuche Sie deshalb, Herr Präfekt, sich sofort nach den oben erwähnten Staatsgütern zu begeben und persönlich zwei oder drei Orte auszuwählen, wo man solche Landstreicher - Colonien errichten könnte. Doch wollen Sie berücksichtigen, daß jede dieser Colonien so ausgedehnt sein muß, nm mindestens 500 Jndididuen aufnehmen zu können. Ihrem Bericht entgegensehend rc. Gez. Cogalnitscheano. Frankreich. Paris, 20. Ang. (Privatmitth.) Viele wahrhafte Freunde des Judenthums und die das aufrichtige Bedürfniß der jetzigen und zukünftigen Generation kennen und in's Auge fassen, diskutiren jetzt die Frage, ob das französische Rabbinat und die französische Laienwelt sich an der nächsten Shnodalversammlung betheiligen werden? Am meisten zur richtigen Kenntniß und Beurtheilung der ersten Synode hat das neue, auch von Ihnen schon mehrere Male citirte Blatt „la Presse israelite" beigetragen. Während andere jüdische Blätte der Aufforderung zur Synode entweder nur leichthin gedachten oder feindlich entgegentraten, drang die Presse israelite auf die Betheiligung an derselben vor deren Beginn und theilte die Anträge und Vorlagen ausführlich mit, gab während derselben genügende Berichte und beurtheilte ihre Erfolge und Beschlüsse nach dem Schluß der Synode mit Wärme, ja zeigte, daß die vor einigen Jahren unter dem Vorsitze des sel. Großrabbinen Ullmann abgehaltenen Couferenzen der französischen Rabbinen hinsichtlich des Gottesdienstes zu einem großen Theile dieselben Beschlüsse gefaßt wie die Synode. Wenn man nun begreiflich findet, daß die französischen Großrabbinen unv Consistorien bei ihrer staatlichen Stellung Anstand nahmen, der ersten Synode, bevor diese sich äußerlich und innerlich bewährt habe, anzuwohnen, und bei unserer hierarchischen Verfassung die Gemeinderabbinen es darum von selbst unterlassen mußten, *) wenn mau es bedauert, daß unter den französischen Laien, um mich einmal dieses gangbaren Ausdrucks zu bedienen. Niemand sich fand, den der Eifer für das Judenthum nach Leipzig geführt hätte: so verhehlt man es sich nicht, daß eine Wiederholung dieses Faktums für die ganze französische Judenhcit eine wahrhafte Unehre wäre und dazu auch nicht der geringste Grund gefunden werden könnte. Die erste Synode hat gezeigt, und dies ist ihr eigentliches Verdienst, daß eine solche Versammlung wirklich der Mittelpunkt aller religiösen Richtungen des Judenthums werden könne; sie selbst vertrat die große Mittelpartei, welche sich von beibeit Extremen fern zu halten sucht, und gerade deshalb können auch die Vertreter der beiden Extreme ruhig auf ihr erscheinen, um ihre Ansichten geltend zu machen. *i Bei dieser Gelegenheit fühlen wir die Verpflichtung, dem Herrn Großrabbiner von Paris Zadoc Kahn für sein ausgezeichnetes Schreiben, welches er an uns vor dem Beginn der Synode richtete, und in welchem er es bedauerte, dies Mal durch augenblickliche Verhinderungen der Synode beizuwohnen nicht ermöglichen zu können, herzlichst zu danken. Die Redaktion