Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1869)
- Date
- 1869-09-28
- Page
- Seite 785 (sequence 9)
- Language
- German
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785 Jahren wegen des von den Universitätsbehörden mißbilligten Wechselprocesses gegen seinen bedrängten Kollegen Professor Recht seiner Professur an der Universität München enthoben wurde. Zum Ruhme der kath. Vereine muß gesagt werden, daß Hepp bei seinen Auslassungen vielfach durch den Ruf „Schluß" unterbrochen wurde, was dann auch mit Hilfe des Präsidenten und der Versammlung gelang. Erwägt man nun, wie tolerant das Judenthum gegen Andersgläubige verfährt, wie sorgfältig dasselbe jederi Angriff auf Andersgläubige vermeidet, und wie die jüdischen Journale, die allgemeinen Angelegenheiten der politischen Tagespresse überlassend, sich nicht um Katholiken und Protestanten und deren konfessionelle Angelegenheiten kümmern, wenn diese nicht Juden und Judenthum zum Angriffsobject machen, so bildet dies freilich einen schroffen Gegensatz und bekundet eben einfach, daß das, was ungerechte Beschuldigung gegen uns war, unzweifelhafte Thatsache auf der andern Seite ist. Sigmund Heumann. Österreichischungarische Monarchie. Lemberg, 8. Sept. (N. Fr. Pr.) In der hiesigen Vorstadt Lyczakow ist es neulich zu unliebsamen Reibungen zwischen der christlichen und jüdischen Bevölkerung gekommen. In jener Vorstadt nämlich, deren Bevölkerung sich mehr mit-Ackerbau und Gärtnerei als mit Gewerbebetrieb beschäftigt, siedelten sich mehrere jüdische Familien an, gleichfalls in der Absicht, um ihre Thätigkeit dem Ackerbau zu widmen. Run ist bei uns in der periodischen Presse und in Vereinen der israelitischen Bevölkerung oft der Vorwurf gemacht worden, daß sie sich zu wenig mit Ackerbau beschäftige, und man sollte daher meinen, die in solcher Absicht erfolgte Ansiedelung der jüdischen Familien müsse von ihren christlichen Rachbarn recht freudig begrüßt werden. Hier trat aber der Zwiespalt zwischen Theorie und Praxis recht grell zu Tage, und statt der Aufmunterung ivurden jenen israelitischen Familien nichts als Chicanen und Feindseligkeiten zu Theil, bis sie eines schönen Morgens von den über ihre Concurrenz erbitterten christlichen Nachbarn überfallen, jämmerlich geprügelt und alle ihre Haus- und Wirthschaftsgeräthe zertrümmert wurden. Wie ungerechtfertigt sonst der Schluß vom Besonderen auf das Allgemeine wäre, hier trifft er, wie die Erfahrung lehrt, vollkommen zu, und es ist daher kein Wunder, daß die in unserem Lande wohnenden Israeliten nichts mehr fürchten, als den völligen Uebergang der Legislative und Executive in polnische Hände. Brünn, 13. September. Der Gemeindevorstand von R e m c i c bei K o j e t e i n erklärte in einem Inserat der Mor. Orlice, daß das Gemeindewirthshaus an keinen Juden und Deutschen verpachtet wird, weil sie politische Gegner der Slaven seien. Vorgestern legte ein großer Brand in Gewitsch 54 Häuser in Asche. In der Christen- und Judenstadt sind 124 Familien obdachlos; ein altes jüdisches Ehepaar ist verbrannt. Der Schaden beträgt 228,000 Gulden. Donaufürstenthümer. Aus Bukarest, 29. August, wird der „Allgem. Augsb. Ztg." geschrieben: Der Minister des Innern scheint die rumänische Judenfrage sehr ernsthaft in die Hand nehmen zu wollen, und richtete deshalb gestern an den Präfekten von Belgrad nachstehende Verordnung, welche das Amtsblatt von heute veröffentlicht. Der Minister spricht in diesem Schreiben niemals von Israeliten, um die Sache nicht zu einer Religionsfrage zu machen, sondern immer nur von Landstreichern. Alle Welt aber weiß, daß Cogalnitscheano damit die vielen erwerblosen Juden meint, welche seine jüngste Judenzählung in der Moldau nachgewiesen hat. Das Schreiben lautet in der Uebersetzung: „Herr Präfekt! Das Land ist in den letzten Jahren von einer Unzahl Landstreicher überschwemmt worden, welche — da sie in den Städten keinen Platz mehr finden — auch schon das flache Land, und besonders die Dörfer der Moldau, als eine wahre Geißel heimsuchen. Dieses Nebel, dieses Unglück für unsere rumänische Einwohnerschaft nimmt von Tag zu Tag zu. Es ist demnach eine heilige Pflicht der Verwaltung , diesem Uebel energisch entgegenzutreten. Keine Macht der Welt kann Rumänien zwingen, entlaufenen oder aus den benachbarten Staaten verjagten Landstreichern eine Zufluchtstätte zu getvähren; es hat 39