Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1869)
- Date
- 1869-09-28
- Page
- Seite 784 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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784 diese Frage erörtert und 25 Gemeinden haben schon in zustimmenden Adressen ihm die Ausarbeitung einer Denkschrift in dieser Angelegenheit übertragen, die gewiß den Standpunkt klar macht. Eigenthümlich ist es, daß die Mainzer Partei mit den Indifferenten fraternisirt und wie in der deutschen Frage Republicaner und Ultramontanen Kartel geschlossen haben, so treiben es auch die würtembergischen Mainzer-Israeliten. Einer ihrer Wortführer, ein Advokat, sagte im Schwäbischen Merkur mit nackten Worten, die Gewissensfreiheit erheische, daß gar Niemand um seinen coufessionellen Standpunkt im staatlichen Leben befragt werde. Um einen Minhag :$u retten, würden diese Württemberger -Mainzer-Israeliten das Judenthum opfern, darum auch das Zelotcngesckrei gegen die, die nicht in ihr Horn blasen. Wir werden erfahren, daß ihnen beiden vor der gegenseitigen Allianz bange werden wird. Fürth, 19. September. (Privatmitth.) Die Abstimmung über Einführung der Communalschule ergab folgendes, für die Bevölkerung hiesiger Stadt ehrende Resultat. Dafür stimmten 1057 Prostestanten dagegen 60 Prot- . 283 Katholiken - 130Kath. - 27 Dissidenten - — - 411 Israeliten - — Herr Rabbiner Dr. Löwh hatte von der Kanzel aus aufgefordert, sich zahlreich zu betheiligen, und bemerkt, daß er auch für die Communalschule freudigst sein „Ja" in die Wahlurne werfe. Somit hätte das Menschenbewußtsein einen glänzenden Sieg trotz der Agitation der hiesigen Geistlichkeit erfochten, dessen Folgen auch für die von Segen und Bedeutung sein werden, die für freien Geist unzugänglich waren. Der ebenso freudigen wie festlichen Stimmung wurde durch ein großes Bankett Ausdruck gegeben. Auch im Herzen Deutschlands treibt die ultramontane Presse ihr wildes Spiel. Lese man nur Münchner Volksbote und Consorten und man kann sich täglich überzeugen, wie das Judenthum förmlich als Jagd-Object hervorgeholt wird, gegen welches man der gemeinsten Waffen, Schimpfen, Schmähen, Verketzern — von Bildung, Gewissen, Vernunftgründen keine Spur — sich bedient. Mau beklagt sich oft, daß der Rischus unsterblich sei, und bei allem Fortschritt der Zeit nie erlösche, im Gegentheile, daß dieser Dämon, wenn in irgend einer Gestalt nicht grell genzig, in irgend einem andern Specificum sich darzustellen weiß, wie z. B. die Schlachtfrage in der Schweiz ein solch' neues war. Zu wundern brauchen wir uns darüber nicht, denn die Intoleranz wird systematisch von jenen Seiten gepflegt, die auf das Bolk den großen und meisten Einfluß üben, von der Kanzel, dem Beichtstühle, einem Theil der Presse, und zur Abwechslung auch einmal in fulminanten Reden, und was hierin in intoleranter Frechheit geleistet wird, das zeigt die von Professor vr. Hepp aus München in der Versammlung des katholischen Vereins in Düsseldorf gehaltene Rede, ein Erguß maßloser Leidenschaft und absichtlicher Lüge, in welcher er seine giftigen Pfeile auf das Judenthum wirft. Nachdem Hepp die sociale Frage auf die Tribüne gebracht, und den Fortschritt der Cultur in unsrer Zeit als einzig und allein von der Thätigkeit des Adelst!) abhängig gemacht hatte, sagte er, daß die Arbeiter durch den „Judenjüngling"Lassalle aufgehetzt worden seien gegen den Besitz, und die das große Wort führen, seine Abeitermessias, seien seiner Nationalität angehörig, ob sie Schweizer, Schlesinger, Jork rc. hießen. Die Juden seien es, die gegen die Katholiken hetzten, und doch könnten sie den Arbeitern durch Gaben helfen, da sie das Geld allein besäßen, sie möchten eingedenk sein, daß sie das Geld den Armen abgenommen und nicht die Arbeiter gegen die Unschuldigen Hetzen, die nicht mehr leisten können. Zur Charakterisirung Hepp's wollen wir ein originelles Geschichtchen dem Leser vor Augen führen, worin Hepp schon früher seinem eingesaugten Judenhasse Luft macht. Hepp wurde in einer gegen ihn anhängigen Klagsache vor Gericht geladen, woselbst auch Advokat und Hofrath vr. Hänle als Vertreter des Klägers erschien. Letzterer, ein vorzüglicher Redner, mag nun Hepp energisch zurechtgewiesen haben, was diesen zu der parlamentarischen Aeußerung veranlaßte, daß die Vertheidignng stark nach Knoblauch und Zwiebel rieche, für welches Compliment vr. H. dem Hepp beim Weggehen eine Ohrfeige applicirte. Hepp, dies sofort dem Richter meldend, erwiederte sodann auf dessen Anfrage, ob er denn Zeugen hätte: Sie selbst müssen Zeuge sein, Sie. müssen doch die Ohrfeige klatschen gehört haben, so stark war sie. Der weitere Verlauf ist für uns Nebensache, Factum ist obige Aeußerung, sowie ferner, daß derselbe Hepp vor einigen