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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-09-28 · Heft 39 (28.9.1869) · p. Seite 782

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 39 (28.9.1869)
Date
1869-09-28
Page
Seite 782 (sequence 6)
Language
German
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782 Mitgliedern in hiesiger Stadt abgehalten wird, hat bereits am vergangenen Donnerstag ihren Anfang genommen und wird in den nächsten Tagen beendet sein. Nach dem jetzigen Ueberschtage werden >vir ca. ILO Thtr. zusammen collektiren und demnächst an das betr. Eomits in Memel absenden. — Es ist mir ausgefallen, daß nicht auch von andern jüdischen Gemeinden die Genehmigung einer Eollekte bei unfern christlichen Mitbürgern nachgesucht ist, welche ohne Zweifel ertheilt worden wäre. Die Aufforderung in einer Zeitung zur Unterstützung hat bekanntlich lange nicht den Erfolg, als eine Hauscollckte. Der Aufruf zur Unterstützung hat auch in dein hier erscheinenden Westphälischen Anzeiger gestanden und es sind daselbst ca. 19 Thlr. eingegangen. Würde in allen jüdischen Gemeinden ebenso wie hier eine Hauscollekte bei der christlichen Bevölkerung abgehalten, so müßte eine sehr erhebliche Summe für unsre unglücklichen Glaubensgenossen aufgebracht werden, und deshalb werden Ew. Hochehrwürden es vielleicht ebenso wie ich für zweckmäßig halten, wenn in Ihrem geehrter! Blatte die jüdischen Gemeinden darauf aufmerksam gemacht würden, geeigneten Ortes eine solche Eollekte nachzusuchen und demnächst abzuhalten. A. Lilienfeld. Ans der Provinz Posen, im Sept. (Privatmitth., Nachdem ein Sohn des jüdischeu Banquier L. Jasfe in Rawicz nach der Rückkehr von den Schlachtfeldern Böhmens zum Offizier ernannt worden war, ist in diesen Tagen auch für den jüngeren Sohn, der den Feldzug bei der Maiuarmee mitgemacht hat, das Patent als Lieutenant aus dem Kabiuet Sr. Majestät cingcgangen. In ihrem Leitartikel „Bolkswirthschaftliche Briefe von S. H." in dem Abschnitte: „Der Volksunterricht und seine Ergebnisse in der Provinz Posen" weist die „P. Z." nach, daß gerade in unserer Provinz das Gewicht der Intelligenz im Gegensatz zu der Unwissenheit und Geistesstumpfheit ein so deutlich fühlbares sei; im Stande der eigentlichen Arbeiter, rvie in dem der Unternehmer trage das größere oder geringere Blaß der Schulbildung nicht wenig aus. Nachdem nun dargethan, daß auf dem Lande die Intelligenz des Besitzers ein wesentlicher Maßstab für die Prosperität der Wirthschaft und ebenso wichtig als die Verfügung über flüssiges Kapital für den Gutsbesitzer und Bauern die Benutzung intelligenter Diener und Gehilfen wäre; nachdem ferner unter Handwerkern und deren Handlangern Anfangs der fünfziger Jahre beim Posener Festungsbau constatirt worden, daß, wenn ein gänzlich ohne Schulbildung dastehender posener Arbeiter neben einem solchen, der die Schulbildung eines kleinen posener Dorfes, neben einem solchen, der die Bildung eines großen und gut unterhaltenen posener Schuldorfes, neben einem solchen, der den Unterricht in den Volksschulen der Stadt Posen genossen hatte und neben einem in Berlin erzogenen Berliner Kinde mit gleicher Arbeit aus dem Zimmermanns- oder Maurerfach beschäftigt wurde, die Leistungen der fünf Arbeitertypen sich ihrem Werth und ihrer Quantität nach in längeren Zeiträumen verhielten wie 100:112:137:168:191, fährt der Artikel fort: Wie sehr aber in allen Sphären der Wirthschaft unserer Provinz das Maß der Schulbildung von Bedeutsamkeit ist, das erhellt aus dem vergleichsweise bedeutenden Wohlstände, dessen sich die Einwohner jüdischer Confession gegenüber den anderen Klassen der posener Bevölkerung erfreuen. Seitdem wir statistische Angaben über diesen Punkt besitzen, seit 1793 nämlich, sind unter den posener Juden bei Weitem rveniger Unwissende zu zählen, als unter den posener Evangelischen, und ganz unverhältnißmäßig weit rveniger als unter den posener Katholiken. Wem also die Kapitalanhäufung in den Händen der posener Juden nicht recht ist, der ärgere sich vor Allem auch einmal übep die Ausbreitung der Elementar- und sonstigen Kenntnisse unter diesem Theil seiner Mitbürger! Aus der Provinz Posen, im Sept. (Privatmitth.) Durch Gesetz vom 24. Mai d. I., das am 1. Juni publizirt wurde, ist bekanntlich die Ablösung von den Schulden der jüdischen Gemeinden (Korporationen) in unserer Provinz neu geregelt worden. Dieses Gesetz hat eine sehr schnelle, im Interesse der Freizügigkeit heilsame Wirkung gehabt. Der Grund liegt tvohl darin, daß nur für die Kapitalschulden der Korporation die Verpflichtung zur Ablösung bestimmt wird, weshalb auch das Gesetz verlangt, daß die Beiträge der Gemeindemitglieder zur Verzinsung und Tilgung der in den noch zu erlassenden Tilgnngsplan aufgenommenen Kapitalschulden getrennt von den übrigenKorporations-Bei-

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