Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1869)
- Date
- 1869-09-21
- Page
- Seite 774 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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ersten so ähnlich waren, daß er selbst, der doch den Auftrag gegeben, den rechten kaum zu erkennen wußte. Als er auf dem Todtbette lag, gab er heimlich jedem der Söhne einen von den Ringen. Nach des Vaters Tode nahm ein Jeder Erbschaft und Vorrang für sich in Anspruch, und da Einer dem Andern das Recht dazu bestritt, zeigte der Eine, wie die Anderen, um die Forderung zu begründen, den Ring, den er erhalten hatte, vor. Da sich nun ergab, daß die Ringe einander so ähnlich waren, daß Niemand, welcher der ächte sei, erkennen konnte, blieb die Frage, welcher von ihnen des Vaters wahrer Erbe sei, unentschieden, und bleibt es heute noch. So sage ich Euch denn mein Gebieter, auch von den drei Gesetzen, die Gott der Vater den drei Völkern gegeben, und über die Ihr mich befragtet. Jedes der Völker glaubt seine Erbschaft, sein wahres Gesetz und seine Gebote zu haben, damit es sie befolge. Wer es aber wirklich hat, darüber ist, wie über die Ringe, die Frage noch unentschieden." Als Saladin erkannte, wie geschickt der Jude den Schlingen entgangen sei, die er ihm in den Weg gelegt hatte, entschloß er sich, ihm geradezu sein Bedürfniß zu gestehen. Dabei verschwieg er ihm nicht, was er zu thun gedacht habe, wenn jener ihm nicht mit so viel Geistesgegenwart geantwortet hätte. Der Jude diente Saladin mit Allem, was dieser von ihm verlangte, und Saladin erstattete jenem nicht nur das Darlehen vollkommen, sondern überhäufte ihn noch mit Geschenken, gab ihm Ehre und Ansehen in seiner Nähe und behandelte ihn immerdar als seinen Freund.- (Schluß folgt.) Znr Charakteristik des vi-. Spitzer. Wir hoffen den vielen Verehrern des Dr. Spitzer in Wien einen angenehmen Dienst zu erweisen, wenn wir folgenden Charakterzug, der den ganzen Mann zeichnet, aus einer der neuesten Nummern der „Gartenlaube" auch in diesen Blättern mittheilen. Als in den fünfziger Jahren eine weitverzweigte und sehr bedrohliche Verschwörung der Alttürkenpariei, in welcher selbst Mitglieder des kaiserlichen Hauses verflochten gewesen sind, in Konstantinopel im Anzuge war, brachten die Wiener Zeitungen als Correspondenznachrichten von dorther die alarmirende Kunde, daß der Padischah vergiftet und seine reformatorische Regierung in einer Nacht gestürzt worden sei. Zum Glücke bestätigte sich diese Nachricht nicht, aber nach Zusammenstellung der in diesen Nachrichten enthaltenen Specialitäten mit den späteren aus den Untersuchungen erhaltenen Daten konnte man inne werden, wie fest diese Verschwörung stand und wie sicher sie des Erfolges war, da man keinen Anstand nahm, sie als eine vollbrachte Thatsache der Welt anzuzeigen, bevor sie überhaupt zum Ausbruche gekommen. Sie wurde nicht ausgeführt. Sie scheiterte, und sie scheiterte an der Biederkeit unseres deutschen Landsmannes und — fügen wir hinzu — unseres edlen Glaubensgenossen, des kaiserlich türkischen Leibarztes llr. Spitzer in Wien. Neben anderen bedeutenden Beneficien wurden ihm drei Millionen angeboten, damit er den Padischah vergifte, — damit er das Vertrauen in der Menschheit morde. Nur wer die Verhältnisse in Konstantinopel kennt, wird die Lage, in der sich vr. Spitzer befand, gehörig zu würdigen wissen. Ob er die That vollbringe oder nicht, es war gleich gefährlich, vr. Spitzer war aber nicht einen Augenblick über die zu ergreifende Partei unschlüssig: er rettete den Sultan und mit ihm die künftige Civilisation des Orients. Abdul Medschid ließ seinem Retter die diesem von den Verschworenen gemachten Versprechungen realisiren, sorgte aber mit väterlicher Hast, ihn nach Wien zu schicken, da er selbst seiner kaiserlichen Machtvollkommenheit nicht zutraute, ihn in Konstantinopel vor geheimer Rache erfolgreich schützen zu können. In Wien bekam vr. Spitzer als Gesandtschaftsrath die Leitung der dortigen türkischen Ambassade, welchen Posten er auch annahm, nachdem er alles Uebrige entschieden zurückgewiesen hatte. Ich habe diesen Herrn in Wien gekannt, er lebte dort im Schooße seiner Familie. Bon kleiner schmächtiger Statur, einfach in seiner ganzen Erscheinung, hatte er beim ersten Anblick kein besonders einnehmendes Wesen, aber in seinem Antlitz lag der Ausdruck einer unerschütterlichen Ruhe, eines tiefinnersten Friedens, und sein seelenvolles Auge leuchtete zuweilen in einem ganz eigentümlich wohlthuenden Lichte. Er sprach leise und er sprach wenig, aber wenn er sprach, hatte die Bewegung seiner Lippen etwas sehr Anmuthiges und Gewinnendes, und man mußte ihm gut sein, hätte man ihn auch nicht näher gekannt. Er war die Seele, der Leiter der türkischen Gesandtschaft, obwohl er nicht als deren Repräsentant figurirte. Die liberale Partei in Wien, mit der er verkehrte, hielt große Stücke auf ihn. In diesem Manne vorzüglich wird die Nachwelt den deutschen Einfluß im Oriente segnen. Ein Bild der Synode. Die „Deutschen Blätter", Beilage zur „Gartenlaube", entwerfen folgendes Bild von der Synode: „Die erste israelitische Synode, welche vom 29. Juni bis zum 4. Juni in Leipzig ihre öffentlichen Sitzungen gehalten, erwies sich als eine kulturgeschichtlich nach verschiedenen Seiten hin so bedeutsame Lebensäußerung, daß eine gewissenhafte Chronik der Zeitbewegung nicht mit Stillschweigen über dieses auch in rein socialer Hinsicht