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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-09-21 · Heft 38 (21.9.1869) · p. Seite 766

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 38 (21.9.1869)
Date
1869-09-21
Page
Seite 766 (sequence 10)
Language
German
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766 rnhrung zu kommen Gelegenheit hatten. Dieser Hochachtung entsprechend war auch die Theilnahme, welche sich bei dein unabsehbaren Lcichenzuge kund gab, der heute die irdische Hülle des theuern Todten nach dem jüdischen Gottesacker geleitete und in tvelchem sich nicht allein fast sämmtliche Mitglieder der israelitischen Gemeinde, deren Vorsteher er viele Jahre hindurch gewesen, sondern auch der Senior des evangelischen Stadtministerii, viele Mitglieder des Magistrats und des Bürgervorstehercollegiums wie auch viele andere Notabilitäten unserer Stadt befanden. Zufolge einer letztwilligen Bestimmung des Verstorbenen, der auch während seines Lebens jeder Uebertreibung und jedem Schaugcprange abhold war, durfte in der Leichenrede, in welcher der Ausdruck: .,die Krone ist von unserem Haupte genommen" eine Wahrheit gewesen wäre, seiner Verdienste nur ganz allgemein gedacht werden; indessen wird das Andenken des Mannes, dessen Hans und Herz stets offen war, wenn es galt, einen: Armen oder Leidenden zu helfen, der noch während seiner Krankheit zur Linderung der Noch unserer darbenden Glaubensgenossen in Rußland mehrmals so ansehnliche Summen gespendet und der jede gemeinnützige Institution in unserer Gemeinde wie in unserer Stadt nach Kräften förderte, stets in uns lebendig bleiben und in Ehren gehalten werden. Möchte sein Verlust nur nicht gar zu tief empfunden werden! München, im September. tPrivatmitth.) Die alte Erfahrung, daß die Verfolger Israels, diejenigen, welche aus regellosem Hasse durch Wort und That die Juden zu unterdrücken, in den Staub zu treten und zu dem Spotte der Menschen zu machen suchen, kurz vor ihrem Sturze stehen, dem sie bald anheimfalleu, hat sich auch an Richard Wagner bewahrt. Wenn irgend jemals die Juden schuldlos an einem gegen sie gehegten Hasse waren, so ist es bei Wagner der Fall. Denn daß zwei aus ihrem Stamme hervorgegangene Meister von der ganzen civilisirten Welt mit Anerkennung und Verehrung geschmückt wurden, das kann doch als kein von den Juden ausgeübter Frevel angesehen werden. Daß Wagner sich von dem Ruhme jener beiden Componisten das Herz abdrücken ließ, das war abermals.keiil Vergehen unserer Glaubensgenossen. Und hieraus allein schöpfte der epcentrische Musiker seinen Haß gegen die Juden. Er bildete sich ein oder gab vor es zu glauben, daß die Juden die Urheber seiner Mißerfolge seien, während es feststeht, daß gerade unter den Juden Wagner einen ziemlichen Bruchtheil seiner verhältnißmäßig allerdings geringen Zahl von Anhängern gefunden, die anderen Juden sich aber um Richard Wagner gar nicht kümmerten. Jndeß wir wollen auf diese bekannte Affaire nicht weiter eingehen, und machen nur aufmerksam, wie schnell auf jenes Pamphlet Richard Wagner auch an unserem Platze von seiner Höhe heruntergefallen. Der König will ihn nicht mehr sehen, seine Stücke sollen nicht mehr aufgeführt und die dadurch verursachten ungeheuren Kosten nicht mehr vergeudet werden, und die Bürgerschaft ist so empört gegen ihn, daß man bei seiner jüngsten Anwesenheit Unruhen wie zur Zeit der Lola Montez befürchtete. Nun, ist dieser Sturz auch durch verschworene Juden bewirkt worden? Haben die Juden die Frau von Bülow für Herrn Wagner eutführt? Haben die Juden es gemacht, daß am Tage der Aufführung von Wagner's „Rheingold" diese abbestellt worden, weil es am Ende doch als eine Unmöglichkeit erschien, dieses Non plus ultra von musikalischem, dichterischem und sprachlichem Unsinn aufzuführen? Man ist nicht sicher davor, daß Richard Wagner zuletzt doch so Erwas vorschützt, um sich und seine abermals verringerten Freunde zu trösten. So ist wieder ein Mal erwiesen, daß Jeder nur ruhig seines Weges gehe; wer den richtigen beschrittcn, zeigt sich endlich doch. Niemand kann mit der einen Hand Haß, mit der andern Liebe säen, und Jeder crndtet die Frucht seiner Saat. Würzburg, im Sept. Von hier meldet man eine große Aufregung, welche dadurch entstand, daß seit 14 Tagen zahlreiche Drohbriefe mit Hinrichtungs-Illustrationen an die angesehensten Mitgliederder jüdischen Gemeinde, namentlich an den Rabbiner, versendet werden. Wenn die Würzburger Garnison ins Schweinfurter Lager abgezogen sei, dann werde es losgehen, und das Wuchervolk mit Gottes und Marias Hilfe aus Würzburg verjagt werden. Die Angst der also Bedrohten ist groß, sie riefen den Schutz der Regierung an, und bereits verkündet ein offiziöser Artikel in den Würzburger Blättern, daß die nachhaltigsten Verkehrungen gegen etwaige Ruhestörungen getroffen seien. Vom Artillerieregiment bleiben 300 Mann hier, desgleichen 10 Mann von jeder Jnfanteriekompagnie. Die alte städtische Landwehrist für gewisse Fälle in

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