Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1869)
- Date
- 1869-09-21
- Page
- Seite 767 (sequence 11)
- Language
- German
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767 Aussicht genommen, such soll ein Bataillon der neuen Landwehr von der Stadt aus seine Herbstübungen machen. Der Ultramontanismus hat hier eine Bande Gamins groß gezogen, die unter dem Vorwände der Religion zu allerlei Brigantenstreichen fähig sind. Oestcrreichischungarische Monarchie. Neu-Verbaß, im Septemb. (Privatmitth.) Bei den echt constitutionellen Zuständen, die gegenwärtig hierzulande herrschen, ist es eine, jeden wahrhaft Freisinnigen tief betrübende Anomalie, wahrzunehmen, wie trotzdem politisch gleichberechtigte Landesbürger wegen ihrer religiösen Ueberzeugnng noch immer Verfolgungen ausgcseht sind. So die Sabbathianer in Siebenbürgen, für die der „hochfromme" Bischof Fogaras sh — weil sie den katholischen Glauben, welchen sie bisher äußerlich bekannten, verlassen und sich offen für's Judenthum erklärt haben — gerne ein Autodafe veranstaltet hätte und die jedenfalls in jüngster Zeit große Bexationen zu erdulden hatten. Infolge der mittels Erlasses des Cultusministeriums an die Sabbathianer ergangenen Aufforderung zum Christenthume wieder zurückzukehren, eilte der in meinem ausführlichen Berichte über die Sabbathianer mehrcrwähnte Salomon Wolfinger nach Siebenbürgen zurück, wohin er, wie mir mitgetheilt wurde, das Versprechen des hochwürdigen Oberrabbiners Löw in Szegedin mitnahm, sich beim Cultusminister für die Sabbathianer verwenden zu wollen. Weiteres über diese, allgemeine Sensation erregende Angelegenheit drang bisher nicht in die Oeffentlichkeit. *) Auch die christliche Secte der Nazarener genießt noch keines gesetzlichen Schutzes. In Tiß a - F ö ld v äx, wenige Stunden von hier, haben sich seit ungefähr fünf Jahren nach und nach Nazarener angesiedelt, deren Zahl trotz des geübten klerikalen Druckes jetzt auf achtzig gestiegen ist. Der dortige Ortspfarrer, welcher sehr wohl weiß, daß es wieder die Glaubensgesetze der Nazarener verstößt, die Kinder taufen zu lassen, findet sich berechtigt, von dem Ortsrichter As¬ *) Im 2. Theile unseres Berichtes über die Sabbathianer <Nr. 30, S. 603, 2. Spalte) muß es statt: 469 vor der jetzigen Zeitrechnung — 469 der jetzigen Zeitrechnung — heißen. sistenz zu fordern und in deren Begleitung neugeborene Kinder mit Gewalt ihren Eltern zu entreißen, die Kinder durch einen Kleinrichter in die Kirche tragen zu lassen und selbe mit Gewalt zu taufen. Der „Ungar. Lloyd" fügt dem Folgendes hinzu: „Im Namen der Gerechtigkeit und des Gesetzes appelliren wir an die Regierung, daß sie diesen freventlichen Akten Einhalt thue. Wegen des einen Mortara gerieth die ganze gebildete Welt in Zorn, und in Ungarn häufen sich die Mortarafälle zu Dutzenden." Und wir fühlen uns gedrungen, auszurufcn: Religionsfreiheit, bald komme dein Reich! Vom Gebiete des Schulwesens ist dieses Mal als das interessanteste Ereigniß zu melden, daß der Ausschuß der A l t o f e n c r i s r a e l i t i s ch e n G e m e i n d e in seiner jüngsten Sitzung beschlossen hat, die dortige israelitische Musterschnle mit 1. Oktober aufzuheben, respective dieselbe mit den städtischen confessionslosen Volksschulen zu verschmelzen. Ob dieses Beispiel der Altofener Jsraetitengemeinde, bei dem jetzigen Stande der Dinge, schon in naher Zukunft von zahlreichen jüdischen Gemeinden nachgeahmt werden wird, ist sehr fraglich. — Die Stadt Altofen eröffnet am 1. Oct. eine höhere confessionslose Bürgerschule und hat bereits den Concurs für Lehrer ohne Unterschied der Confessioii ausgeschrieben. Die Jsraelitengemeinden zu Veßprim und Thur6cz-St. M-lrton suchen dagegen für ihre confcssionelle Schule eine Jndustrielehrerin ohne Unterschied der Confess ion. Die Errichtung confessionsloser Schulen haben ferner viele einzelne Städte beschlossen. Der Cultus- und Unterrichtsminister Baron Eötvös ernannte die beiden jüdischen Aerzte vr. L. Groß und Dr. Adolph Hermann zu Docenten an der Pester Landesuniversität. Den Ur. pliil. Moritz Kleinmann, bisher Religionsprofessor der israelitischen Studierenden an Mittelschulen Pest's, sandte Sr. Excellenz auf ein Jahr, u. z. auf Staatskosten, an das Lehrerseminar nach Leipzig. Nach Ablauf dieses Jahres erhält derselbe eine definitive Anstellung als Professor an einer confessionslosen Staatspräparandie. — Von den vom Reichstage für jüdisch-kirchliche Zwecke pro 1869 votirten 5000 fl. erhielten die Cultusgemeinden Jolcsva im Zempliner und Bogsan im Krassöer 38*