Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1869)
- Date
- 1869-09-14
- Page
- Seite 745 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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745 mit dein Erlasse des Königs, sondern nur im Widerspruch mit der Auslegung, welche diesem Erlasse von den Unterrichtsbehörden gegeben ist/ Wir stellen nur noch eine Frage. In den Statuten der Realschule zu Cassel, welche von Herrn v. Wühler im Februar dieses Jahres genehmigt ist, heißt es in §. 5: „Die Realschule ist nach ihrem religiösen Charakter in Rücksicht auf die bedeutende Mehrheit der Bewohner hiesiger Stadt eine evangelische. Dieser evangelische Charakter schließt jedoch nicht aus, daß in geeigneten Fällen Lehrer, die der katholischen Confcssion oder israelitischen Religion angehören, gewählt werden können." In Kassel giebt es, im Unterschiede von Breslau, außerordentlich wenig Katholiken oder Juden; gleichwohl hat die Stadt sich das Recht der freien Wahl Vorbehalten; denn nur sie entscheidet darüber, ob bei einer eingetrctenen Vakanz die Wahl eines Katholiken oder Juden ihr „geeignet" erscheint. Mehr als dies hat auch die Stadt Breslau nicht verlangt. Und doch ist Breslau abgewiesen, während man in Kassel eine Verständigung gesucht hat. So interpretirt man im Ressort des Herrn v. Wühler das Kuum cuique. Fürth, 27. August. (Privatmittb.) Den soeben veröffentlichten Rechnungsergebnissen der israel. Cultusgemcinde entnehmen wir folgende, von dem günstigen Vermögensstande derselben zeugende Posten: Einnahme vom I. August 1868 bis 31 .Juli 1869 fl. 45525 59 */. kr. Ausgaben 47146 fl. 45 >A kr.; sonach Mehrausgaben 1626 fl. 45 >/r kr. Dagegen Vermögen -.entirend 102297 fl. 46 kr. nichtrentirend 113050 fl. U'A kr.; worunter84649fl. 46 kr.Eigenthum bestimmier Stiftungen und Fonde sind; Schulden 59823 fl. 13 kr.; so daß das Nettovermögen 155,525 fl. 144/4 kr. beträgt. — S. M. der König von Bayern hat dem hiesigen Rabbiner Dr. Löwy das Ritterkreuz 1. Klasse ees Verdienstordens vom hlg. Michael verliehen. Der ireundl. Leser wird sich noch des Gespräches erinnern, oas der König bei dessen gelegentlich der Anwesenheit in hiesiger Stadt im December 1866 der Hauptsyna- Me abgestatteten Besuch mit Dr. L. gepflogen hat, seit welcher Zeit, was die damals vom Könige gemachte Aeußerung „Welch' angenehme und liebenswürdige Peron ist dieser Greis" deutlich bekundet, Dr. L. bei dem Könige in großer Gunst steht, und worin erhöht durch die Uebersendung mehrerer Predigten, wie die auf das Ableben des Königs Vaters, rc. diese Auszeichnung wohl ihren Ursprung findet. Dr. 8. ist der zweite Rabbiner in Bayern, der einen Orden bekam, nachdem Rabbiner Aub in München schon vor einigen Jahren sich dieser Auszeichnung erfreute. — Dem Magistrat hiesiger Stadt gebührt das Verdienst, die Vereinigung der Volksschule in eine confessionell gemischte im diesseitigen Bayern zuerst angeregt zu haben. Bisher war nur die jüdische und protestantische Schule vereinigt, während die katholische für sich allein bestand. Bei den nun von verschiedenen Parteien veranstalteten Versammlungen stimmten sämmtliche zahlreiche Anwesende einstimmig für Communalschulen. Bon Interesse in dieser Beziehung war die Versammlung der Fortschrittspartei, in welcher alle Confessionen vertreten waren, und von jeder jeein Redner zu Gunsten der Communalschule sprach. Die protestantische Confession war durch Lehrer und nunmehrigen Professor Dr. Bischoff, die katholische durch Lehrer Däubler vertreten, vom Standpunkte des Judenthums aus sprach Schreiber dieses, besonders betonend, daß durch frühzeitiges Zusammenleben Freundschaft, Liebe und Frieden erzeugt, konfessionelle Vorurtheile bekämpft und edlere Begriffe in dieser Beziehung beigebracht werden, und die Communalschule das probateste Mittel hiezu sei; diejenigen, welche unter dem Drucke des konfessionellen Parteitreibens gestanden und alle Qualen selbst gefühlt haben, werden wohl nicht für Erhaltung, wohl aber für Beseitigung alter Schranken stimmen. Wir behalten uns vor, über das Ergebniß der Abstimmung zu berichten und sind gewiß der Ueberzeugung, daß die richtige Erkenntniß der geistigen Interessen der Abstimmung aller Confessionen ein Resultat verleihen werde, wie wir es im Interesse wahrer Freiheit und Gleichheit herzlich und aufrichtig wünschen. Sigmund Heumann. Oesterreicfoischer Kaiserstaal. Pest, 30. August. Das Amtsblatt veröffentlicht heute ein a. h. Rescript, womit die Sr. Majestät zur Sanktion unterbreiteten Beschlüsse des Jsraeliten-Con- „ gresses in Pest: 1. in Betreff der Organisirung der Cultusgcmeinden; 2. Wahlordnung für die Synode; 3. Regulativ für die Volksschulen und im Zusammen-