Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1869)
- Date
- 1869-09-14
- Page
- Seite 743 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226690-3226728--27582-3263168- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
74B treten und die Bildung und Gesittung der Gegenwart in immer weitere Kreise des Volkes verbreiten zu Helsen, sollte deshalb Jeder für seine ernste und heilige Pflicht halten, dem das Wohl und das Gedeihen seines Volkes am Herzen liegt; denn Volkslvohlfahrt und Volksgedeihen haben ihre Wurzeln lediglich in der Volksbildung. In Anerkennung dieser Pflicht sind in Breslau eine Anzahl freidenkender Männer zu einem Vereine zusammengetreten, der es sich zur Aufgabe machen will, „durch Veröffentlichung und Verbreitung von Schriften, durch Vorträge, durch Gewährung von Lehrmitteln und in jeder sonst geeigneten Weise für Volksbildung zu wirken". Insbesondere wird sein Streben darauf gerichtet sein, „die Ideen der Humanität auszustreuen und zur Geltung zu bringen." Um das Andenken Alexander von Humboldt' s zu ehren, nennt sich der Verein „H u m b o l d t - Verein." Jedermann, welcher das 24. Lebensjahr erreicht und im Vollbesitz der bürgerlichen Rechte ist, kann als Mitglied ausgenommen werden. Das aufgenommene Mitglied hat einen jährliche!! Beitrag von mindestens 20 Sgr. zu zahlen. Außerdem wird der Verein für seine Bcreinszwecke Humboldt -Pfennige sammeln. Wer einen laufenden oder einmaligen Beitrag als Humboldt-Pfennig zur Vereinskasse zahlt, ohne Mitglied des Vereins zu sein, gilt als Gönner des Humboldt-Vereins. Der Verein wird selbstverständlich um so mehr ivirken können, je mehr er Mitglieder und Gönner erwirbt. Er richtet hierdurch an alle freidenkenden Männer unserer Stadt, sowie der Provinz, ja des ganzen deutschen Volkes die Aufforderung, die Ztvecke des Vereins, sei es als Mitglieder, sei es als Gönner, fördern zu helfen. Aber auch die deutschen Frauen mögen nicht zurückbleiben, Ivo es die höchsten Interessen des Volkes gilt, sondern mögen als Spenderinnen und Sammlerinnen von Humboldt-Pfennigen an unseren Bestrebungen wcrkfordernden Antheil nehmen! Schon sind dem Verein auch von Auswärtigen Beitritts-Anmeldungen zugegangen. Der Verein hofft daß die Zahl derselben sich stetig mehren wird. Erwünscht wird es dem Vereine sein, wenn sich die ausivärtigen Mitglieder bemühen, ihm neue Mitglieder und Gönner znzuführen, noch erwünschter, wenn sich auch an anderen Orten Vereine mit gleicher Tendenz zu gleichen Bestrebungen constituiren. Es gilt dem Licht! Es gilt, den Bestrebungen jener flüstern Mächte eutgegenzuarbeiten, die das Licht nicht kommen lassen wollen, die daraus ausgehen, uns in die Nacht mittelalterlicher Unwissenheit, mittelalterlichen Aberglanbens zuriickznführen. Es gilt der Humanität! Es gilt, einen mächtigkll Schutzwall auszurichtcn gegen die Wiederkehr der Rohheit, der Unsitte und des Fanatismus früherer Jahrhunderte und das Un sere zu thun zur fortschreitenden Veredlung und Bervollkommnng des rnenschlichen Geschlechts. Breslau, den 21. Juli 1869. Der Vorstand und der Ausschuß des Humboldt- Vereins für Volksbildung. sFolgen die Unterschriften) Breslau, 3. Sept. (Privatmitth.i Dieconfessionelle Sch ul frage hat in der gestrigen Stadtverordnetenversammlung ihre Erledigung gefunden, und auch wir wollen dieselbe, solange der sterbliche Wühler am Ruder ist, nicht mehr znm Mahlen aufschütten. — Der Vorsitzende eröffnet die Versammlung mit der Mittheilnng, daß der Magistrat der Versammlung zur Kenntnißnahme Abschrift des in Folge Beschlusses derselben vom 26. April dem königlichen Provinzialschulcollegium erstatteten Berichts in der confessionellen Schulfrage sowie Abschrift der bereits mitgetheilten Verfügung der letztgenannten Behörde vom 6. Ang. zusende, welche zugleich den Bescheid des Cultusministers in derselben Angelegenheit enthalte, und bemerkt: „Wir beklagen diese Entscheidung aufrichtig, und wenn wir uns auch auf einen Sieg in diesem Principienkampfe keine große Hoffnung gemacht haben, so haben wir doch am wenigsten erwartet, daß man uns vorwerfen werde, wir hätten ein leeres Spiel mit Worten getrieben, welches dem Ernste des zur Verhandlung stehenden Gegenstandes nicht entspreche. Je mehr wir uns gerade des Gegentheils bewußt sind, desto näher liegt die Aufforderung einen solchen Vorwurf entschieden znrückzuweisen. Allein wir haben beschlossen, dies nicht zu thun, und uns auf eine 37*