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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-09-14 · Heft 37 (14.9.1869) · p. Seite 742

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 37 (14.9.1869)
Date
1869-09-14
Page
Seite 742 (sequence 10)
Language
German
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742 den Sätzen der Petition ergiebt sich die Forderung nach einer Ministerial-Abtheilung für jüdischen Cnltus als einfache Folge, und den Petenten und ihren Ge nosfen fehlt es weder an logischer Consequenz, noch an anspruchsvoller Zuversichtlichkeit, um aus einer Concession, die sie erlangen, sofort das Recht auf mehr zu begründen. Satt und stille wird man sie schwerlich machen." Die „Kreuzzeitung" meint, daß die Liberalen die Sache unterstützen werden. Darin hat sie nur zum Theil Recht. Die „Nationalzeitung" vom 2. Septbr. sagt darüber: „Die finanziellen und disciplinaren Folgen einer Gewährung des Gesuchs der jüdischen Bittsteller für die höheren Lehranstalten giebt die „Krcuzztg." ganz richtig an und sie hat auch Recht, wenn sie meint, daß der Liberalismus diese Forderungen der Petition unterstützen werde. Tie sind eben einfache Folgen der durch die Verfassung gewährleisteten Gleichberechtigung aller Eonfessionen im Staat, also auch an den höheren Lehranstalten innerhalb desselben. Dagegen kann gar nicht die Rede davon sein, und wir haben die jüdische Petition auch nicht dahin verstanden, als verlangte sie, daß an jeder höheren Lehranstalt auch für jüdischen Religionsunterricht in allen Fällen ein Lehrer angestcllt werde. Es geschieht das bekanntlich nicht einmal für jede christliche Confession. Die Religion der Mehrheit der Schüler einer Anstalt entscheidet vielmehr der Regel nach, und muß der Natur der Sache nach entscheiden, welcher Konfession der Religionslehrer der Anstalt anzugehöreu hat. Nur eine sehr starke Minorität darf verlangen, daß auch für ihren Religionsunterricht von Amtswegen in der Schule gesorgt werde. Sache des Unterrichtsgesetzes, dessen bisherige Entwürfe bereits alle Bestimmungen in dieser Richtung ausgenommen hatten, wird es sein, dieserhalb die näheren Anordnungen zu treffen. Wo aber die Mehrheit der Schüler einer Anstalt der jüdischen Eonfession angehört, wird gegen die Anstellung auch eines jüdischen Religionslehrers gewiß wenig zu erinnern sein. Es gilt eben, auch den Juden die Gerechtigkeit, auf welche sie nach der Verfassung Anspruch haben, zu Theil werden zu lassen - mehr, wenn es etwa gefordert werden sollte, werden auch die liberalen Parteien sicher nicht zugestehen »vollen." Gerade im entgegengesetzten Sinne aber äußern sich die Organe der Fortschrittspartei. Die „Volkszeitung" will darum von der Petition nichts wissen, weil dadurch der jüdische Religionsunterricht und das Judenthum überhaupt in Abhängigkeit von der Regierung käme und die Unabhängigkeit verlöre, um welche andere Religionsgenossenschaften die Juden zu beneiden hätten. Noch heftiger läßt sich „die Zukunft" aus, und es ist dabei nicht außer Augen zu lassen, daß bekanntlich auf die beiden angeführten Blätter Juden bestimmten Einfluß üben. Die „Breslauer Zeitung" berichtet geradezu, daß in gewissen jüdischen Kreisen auf Gegenvorstellungen Bedacht genommen werde. Letztere werden allerdings überflüssig sein, da der gegenwärtige Cnltusminister auf die Wünsche der Petition sicher nicht eingeht. Bonn, l. Septbr. In Breslau hat sich aus namhaften Mäilnern ein „Humboldt-Verein f ü r Volksbildung" bei Veranlassung des 100jährigen Geburtstages Alexander's v. Humboldt gebildet, und hat auch uns mit der Bitte um Abdruck seine Aufforderung zum Beitritt zugesandt. Zu Ehren des großen Gelehrten, der zugleich einer der bedeutendsten Träger der Humanität zu seiner Zeit war, sowie des Zweckes selbst willen, thu» wir dies mit Vergnügen, und empfehlen die Aufforderung unseren Lesern zur Berücksichtigung. Der Aufruf lautet: In keinem Jahrhundert hat der menschliche Geist so riesenmäßigc Fortschritte gemacht, als in dein unsrigen; der geistige Aufschwung der Culturvölker in der Gegenwart ist ein ganz außerordentlicher, Bildung und Gesittung dehnen immer weiter, immer mächtiger sich aus. Aber nicht alle Kreise der Gesellschaft schreiten in der Bildung gleichmäßig fort, ja es sind umfangreiche Bolköklassen von dem allgemeinen Fortschritt fast nockganz unberührt geblieben, so daß sie noch jetzt auf einem Standpunkte der Anschauung und Gesittung stehen, der uns an hinter uns liegende Jahrhunderte erinnert. Zn beklagen ist hierbei hauptsächlich, daß von verschiedenen Seiten her der weiteren und schnelleren Ausbreitung der Volksbildung mit großer Kraft und mit bedeutenden Mitteln entgegengewirkt wird, so daß die Kluft zwischen den in der Bildung fortschreitenden und den rückständigen Bolksklasscn immer breiter und tiefer wird. Solchen Bestrebungen mit aller Macht entgegenzu-

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