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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-09-14 · Heft 37 (14.9.1869) · p. Seite 735

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 37 (14.9.1869)
Date
1869-09-14
Page
Seite 735 (sequence 3)
Language
German
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735 Bild Napoleons als ein vielfarbiges entgegen, wo neben dunklen Schatten auch die Lichter nicht fehlen. Ein. Anderes ist es mit Joseph II. Er hat auch für die jüdischen Unterthanen seines Staates Großes gethan. Er war der erste Fürst, der auf gesetzgeberischem Wege die ersten und nächsten Schranken beseitigte, das Wort „§en übrigen Bürgern gleich," trotz vieler Beschränkungen, die noch bestehen blieben, aussprach, und ihnen den Weg zum öffentlichen Leben erschloß. Um dies hinlänglich zu würdigen, muß man auf die damaligen Verhältnisse zurückgehen und außer Acht lassen, daß wenige Jahre später die französische Revolution mit einem Male den ganzen Boden des feudalen Staates zerschlug. Man blicke nur auf die Behandlung, welche Friedrich II. von Preußen seinen jüdischen Unterthanen angedeihen ließ. Sein General-Privilegium von 1750 wollte durchaus die Vermehrung der Juden verhindern, ließ das Privilegium einer Familie nur auf einen Leibeserben übergehen, falls er 1000 Thaler baares Vermögen hatte, die andern Kinder sollten das Land verlassen; alle zünftigen Handwerke wurden ihnen durchaus verboten, der Grundbesitz auf wenige Häuser in den Städten beschränkt; ebenso der Handel auf einige Zweige; ungeheure Lasten wurden ihnen auferlegt, Ersatzgeld für Militärdienst, Gebühren für zahllose Ereignisse, z. B. bei jedem Feuerlärm in Berlin, Ankauf von Manufakturen und Porzellan bei den königlichen Fabriken u. s. w. von ihnen gefordert. Solchen erdrückenden Bürden und dabei schmählichen Beschränkungen gegenüber hatte allerdings das Toleranzedikt Joseph II. (1782) einen außerordentlichen Werth und erweckteeinen Enthusiasmus, den man mit Unrecht jetzt als Ueberschätzung stempeln will. Das Edikt unterscheidet zwischen Tolerirten und Fremden; jene erhalten Schutzbriefe auf Lebenszeit, sind im Rechte allen Bürgern gleich, dürfen in jeder Stadt wohnen, nach Befinden auch auf dem Lande; sie sind militärpflichtig, können Barone werden, Degen und Dekorationen tragen, freies Handwerk treiben, aber in keine Innung eintreten, Groß - und Kleinhandel treiben, Aerzte und Advokaten werden. Ganz besonders aber wirkte Joseph auf die Errichtung zeitgemäßer Normalschnlen für die Juden, verbot die Zwangslaufen und ließ die Taufe erst nach dem vierzehnjährigen Alter zu. Freilich versagte er ihnen noch den Grundbesitz und legte ihnen eine Toleranzsteuer auf. Welche Bedeutung dieses Edikt für die Juden hatte, ersieht man daraus, daß auch dieser Theil der josephinischen Gesetzgebung späterhin in vielen Punkten wieder aufgehoben und verkümmert wurde. Erst die neueste Zeit erhob sich in Oesterreich wieder auf den josephinischen Standpunkt, und stieg daun schnell die höheren Stufen der Gleichberechtigung hinan. Als Oesterreicher und Juden können sich daher unsre Glaubensgenossen der Gedächtnißfeier Joseph. II. von ganzem Herzen anschließen. Wie sehr übrigens sich schon damals der ganze Geist in Deutschland zu Gunsten des Rechts und der Freiheit geändert hatte, das erweist jene berühmte Ode Klopstock's, die dieser Dichter dem Kaiser nach dem Erlaß des Toleranzediktes widmete, und die mit allgemeiner Zustimmung in Deutschland ausgenommen wurde. So ist der Tag bereits angebrochen, an welchem der Glanz der Kriegshelden erlischt und der Ruhm der Helden des Rechts und der Freiheit um so höher gefeiert wird. „Das Zudenthum im Staate unin der Gesellschaft." i. Richard Wagner's Broschüre ist Vielen eine erwünschte Erscheinung gewesen; sie hat ihnen die Zunge gelöst; sie hat ihnen den Alp vom Herzen genommen, der lange Zeit auf ihnen gelastet, und sie wußten nicht wie sie ihn los werden könnten. Sie vermögen jetzt sich in's Zeug zu werfen, und indem sie zugestehen, daß er in seinen Motiven ungerecht, in seinen Schilderungen und Folgerungen übertrieben sei, glauben sie, den Weg der Gerechtigkeit zu gehen, wenn sie behaupten, daß er doch in Vielem, ja in der Hauptsache, Recht habe. Diese Wirkung des Wagner'schen Pamphlets, unsre Leser werden sich erinnern, haben wir vorausgeseheu und bedauert. Uns sind immer die Wölfe, die mit offenem Rachen und mit gefletschten Zähnen auf uns losfahren, viel lieber, als die sich in Schafpelze hüllen und langsam heranschleichen. j Schon der Titel der Wagner'schen Broschüre läßt - sich so fein moduliren; statt „Judenthum in der Musik" j kann man leicht „Judenthum in der Mathematik", „in > den bildenden Künsten", in der Industrie", „in Staat 61*

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