Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1869)
- Date
- 1869-09-07
- Page
- Seite 722 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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722 Frankreich. Paris, im August. Wenn in irgend einer jüdischen Anstalt ein Vorgang sich ereignet hätte, wie die bekannte Klostergeschichte in Krakau, welch' ein Geschrei, welche furchtbaren Beschuldigungen würden die klerikalen katholischen, wie protestantischen Blätter erhoben haben! Die jüdischen Journale verfahren anders. Die allgemeinen Angelegenheiten der politischen Tagespresse überlassend, kümmern sie sich um Katholiken und Protestanten und deren konfessionelle Angelegenheiten niemals, es sei denn, daß sie Judenthum und Juden zum Gegenstand ihrer Angriffe machen. Die jüdische Presse hat sich daher mit der Krakauer Klostergeschichte gar nicht beschäftigt. Was thun aber die Ultramontancn? Mit einer Frechheit, die nur dieser Coterie eigen ist, erklären sie Alles, tvas selbst die gerichtliche Untersuchung bekundet hat, für Erdichtung und Lüge, und beschuldigen besonders die Juden, ein Lügengewebe hervorgebracht zu haben, um die katholische Kirche zu schädigen. Am meisten leistet hierin das hiesige Univers, seine desfallsigcn Artikel speien Flammen, und einer seiner Leitartikel endet mit den Worten: „Unsre Krakauer Schwestern sind schuldlos und wir sehen in ihnen nur die Opfer einer niederträchtigen Machination, die von den Juden, den Protestanten und den Freidenkern mit der Mitschuld und auf Anstiften der österreichischen Minister angezettelt worden ist." Wir brauchen in der That über solches Gebahren kein Wort zu verlieren. Die Untersuchungen und Entscheidungen der Gerichte und die Kundgebungen des ganzen österreichischen Volkes sind so vollgültige Zeugnisse, daß die Lügenhaftigkeit des Univers nicht erst konstatirt zu werden braucht. Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit, diese ersten Stützen aller Religiosität und Sittlichkeit sind dieser Partei so abhanden gekommen, daß Niemand mehr sie bei ihnen sucht- Norwegen und Schweden. Norrköping, im August. (Privatmitth.) Das Stockholmer Abendblatt vom 3. d. Akts, meldet, daß die nur aus 12 Personen bestehende israelitische Gemeinde in Kristiania, welche bisher keinen Begräbnis platz harte und ihre Leichen nach Gothenburg senden mußte, jetzt von der Commune in Kristiania ein Stück vom Kirchhofe, »velcher auf dem Wege nach Drontheim liegt, für die Summe von löst Speziell zu kaufen erhalten hat und sonach diesem Uebel abgeholfen ist. Ein später Reisender wird daher auch in Norwegen, dem Lande, das so lange am Verbote festhielt, daß kein Jude seine Erde betreten darf, einst israelitische Gräber finden. Nur wäre zu tvünschc», daß man nicht nur für Todte, sondern insbesondere für die Lebenden Sorge tragen möge, daß man der Schule und dem Unterrichte der Jugend große Aufmerksamkeit schenke, denn darin liegt der Bestand und die Zukunft des Judenthums. — Schönthal. Correspondenz. Monatsberichte ans Angarn. Neue Folge. IV. «Schluß.) Eine weitere Consequenz der Gleichberechtigung ist die jüngsthin erfolgte Betheilung auch jüdischer Künstler mit Stipendien aus Laudesmitteln, welche ebenfalls Baron Evtvös ausführte, u. z. erhielt der renommirte Bildhauer Josef Engel 1200 fl. zur Anfertigung der Büste einer vaterländischen Persönlichkeit und der Componist Karl Goldmark 800 fl. zur Vollendung seiner großen Oper „Sakuntala". Auch eine Auszeichnung, der einer unserer vielverdienten Glaubensgenoffen seitens der Regierung theilhaft wurde, verdient Erwähnung. Dein pester Primarius Dr. Josef Rözsai, hon. Physikus des pester Comitats, Mitglied des Landessanitätsrathes und Akademiker, wurde nämlich von Sr. Majestät der Titel eines k. Rath es taxfrei verliehen. Der erste ungarisch-jüdische kön. Rath! Im Barser Comitat kam vor kurzem der erste Fall vor, daß ein Jude zum Comitatsbeamten gewählt wurde. Es ist dies der zum hon. Oberphysikus acclamirte vr. David Szikrah. . In der Stadt Groß-Kanizsa fand eine Reichstags-Nachwahl statt. Der Candidat der oppositionellen Wähler war unser berühmter Glaubensgenosse Eduard