Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1869)
- Date
- 1869-09-07
- Page
- Seite 723 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Szeged 1× ep/1048127
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Horn, gegenwärtig Redacteur des oppositionellen Journals „Neuer freier Lloyd." Von 1,901 Stimmen erhielt er 870 gegen Csengeri, eine der ersten Capacitäten der Deukpartei. Hervorzuheben ist nun, daß die dortigen israelitischen Wähler, 400 an der Zahl, die durch ihre Stimmen den Ausschlag für den Glaubensgenossen Horn hätten geben können, nur ihrer politischen Ueberzeugung folgten und dem deukistischen Candidaten Csengeri zum Siege verhalfen. Auch dieses Mal sind wir in der Lage mitzutheilen, daß eine größere Anzahl Comitate und Städte Israeliten in den Sch ulr ath wählten, deren Aufführung zu vielen Raum einnehmen würde. Die beiden Landeshauptstädte Pest-Ofen ließen sich in dieser Hinsicht von den Provinzstädten an Freisinnigkeit übertreffen. Dem vom Redacteur dieser Blätter bei der 1. israelitischen Synode gestellten und von derselben einstimmig zum Beschlüsse erhobenen Anträge, welcher unter anderen erhabenen Principien des Judenthums auch die Förderung des friedlichen Zusammenlebens mit den übrigen Confessionen betonte, verlieh die Synode dadurch die entsprechende Folie, indem sie auch ihre Sympathie aussprack für das gegenwärtig immer intensiver werdende Bestreben: die Jnterconfessionalität der Volksschule zu begründen. Die diesbezügliche Strömung nimmt hier zu Lande immer größere Dimensionen an und würde bereits in noch bedeutenderem Grade gewachsen sein, wenn die vollkommene Religionsfreiheit schon proklamirt und garantirt wäre, da namentlich die Protestanten aus diesem Grunde an ihren confessionellen Schulen noch festhalten. Wir können heute abermals eine größere Anzahl Stadt- und Landgemeinden namhaft machen, die ihre Schulen zu confessionslosen gestalten. Es sind dies die Städte: Altofen, Szegedin, Kaschau, Komorn, Großwardein, Wieselburg, Csongrüd, Mohnes; ferner die katholischen Gemeinden zu Bonyhud, Szegvür, Va r gy as (Temescher Com.), Neufeld lOedenburger C.), Malom (Baranyaer C.> und noch 14 Gemeinden dieses Comitats, M u r t o u v ä s ür lStuhlweißenburger C.h Szerdahely, Czük und noch zwei Gemeinden des Eifenburger Com. — In dem Städtchen Adony stimmten unter 99 für die Simultanschule 80. Auch wird die eines schönen Rufes genießende Lehrerpräparandie der Evaugel. H. C. zu Sür ospatak ihres bisherigen confessionellen Charakters entkleidet und in Csurg6 (Somogy) ebenfalls mit 1. October d. I. seitens der Regierung eine confessionslose Lehrerbildungsanstalt eröffnet. Es ist nur eine Consequenz dieses Systems, wenn für solche Schulen Lehrer ohne Unterschied der Confession angestellt werden, wie dies auch z. B. bezüglich des für die Stuhlweißenburger Simultan-Bewahranstalt jüngsthin ausgeschriebenen Concurses der Fall 'ist. Aber auch israelitische Gemeinden gehen in dieser Hinsicht mit dem Beispiele voran. An der israel. Hauptschule zu Neustadtl an d. Waag ist vor kurzem ein kathol. Lehrer angestellt worden. Für die Arader israelitische Haupt- und Unterrealschule, sowie für die israel. Hauptschule zu Thurdossin wird ein Lehrer ohne Unterschied der Confession aufzunehmen gesucht, ebenso für die israel. Schule zu Tapolcza eine Lehrerin. In der k. Freistadt Stuhlweißenburg, wo gegenwärtig darüber berathen wird, ob die dortigen Schulen in confessionslose umgewandelt werden sollen, wurde vom Magistrate das alte, die schreiendste Ungerechtigkeit involvirende System der Besteuerung der verschiedenen Confessionen zu Gunsten der katholischen Schulen nunmehr fallen gelassen und durch eine am 8. d. M. zusammengetretene Commission die Gesammtschulsteuer folgender Maßen repartirt: für die katholischen Schulen entfallen nach Berhältniß der dortigen katholischen Population 33,000 fl., für die israelitische Fortschrittsgemeinde 2,000 fl., für die helvet. Conf. 1,900 fl., für die israel. Orthodoxengemeinde 900 fl., für die lutherische C. 700 fl., welche Gelder früher blos für die katholischen Schulen verwendet wurden. Daß die cleriealen Kreise über einen solchen Stand der Dinge in Hellen Jammer ausbrechen, ist natürlich. Sal. Blum. A n z e i gen. Die erste Lehrerstelle an der hiesigen israelitischen Elementarschule, mit welcher ein Gehalt von 250 Thlrn. nebst freier Wohnung verbunden, ist vacant und Aussicht, daß das Einkommen erhöht werden wird. Für hebräischen Unterricht sind 50 Thlr. ausgesetzt. Bewerbungen sind an Unterzeichneten Schulvorstand zu richten. Meseritz, den 20. August 1869. Seelig Kupfer. 36*