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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-09-07 · Heft 36 (7.9.1869) · p. Seite 721

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 36 (7.9.1869)
Date
1869-09-07
Page
Seite 721 (sequence 9)
Language
German
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721 Redner nach dem einleitenden Gesänge der Schüler des Jubilars über die Bedeutung des Lehrerberufes in religiöser, politischer und socialer Beziehung, und beleuchtete die segensreiche Wirksamkeit des Gefeierten nach diesen verschiedenen Richtungen hin.*) Der Festrede unmittelbar reihten sich die Beglückwünschungen der verschiedenen Deputationen und die dankbare Erwiderung des Jubilars an, worauf ein Schlußgesang diese ernste, die ganze Zuhörerschaft erhebende Feier beendigte, um der bevorstehenden heitern Platz zu machen. Das darauf folgende Festmahl, an welchem sich die Notabeln des Ortes ohne confessionellen Unterschied in erfreulicher Weise betheiligtcn, vereinigte die Festgesellschaft bis lange nach Mitternacht in der heitersten Stimmung, welche durch zahl- und sinnreiche Toaste und Festlieder wesentlich gehoben wurde. Sicherlich wird der erhebende Eindruck, den diese Feier in ihrer Gesammtheit wie in ihren Einzelheiten bei allen Betheiligten hervorgerufen, noch lange in der Erinnerung derselben fortdauern. Oesterreichischer Kaiserstaat. Marienbad, 3. August. «Privatmitth.» Es dürfte den Lesern Ihres weitverbreiteten Blattes nicht uninteressant sein, Einiges über das Streben, Leben und Wirken der hier aus allen Weltgegenden zusammentreffenden Israeliten zu hören, die, so verschieden auch in ihren religiösen Ansichten, dennoch, beseelt und getragen von der ewigen, allen Streit überdauernden Idee des Judenthums, im Wohlthun Eins sind, sich als Brüder lieben, des Glückes derselben sich freuen und beim Unglück derselben den Schmerzensschrei nicht unterdrücken können und augenblicklich zur Abhilfe durch Wort und That eilen. Es genügt da dem braven einzelnen Israeliten nicht, nur sein eigenes Schärflein beizutragen, nein, im Verein mit Gleichgesinnten — Ausnahmen, die es hier wie überall giebt, werden dabei nicht nur zum Schweigen, sondern oft selbst zum Geben noch veranlaßt, denn das jüdische Gefühl läßt keine Ruhe — werden Sammlungen veranstaltet, die *) Wie - wir hören, wird die Festrede demnächst zum Besten der Hinterbliebenen der im Plauen'schen Grunde Verunglückten im Druck erscheinen. Ein christl. Theilnehmer. Anregenden gehen mit ihrem schönen Beispiele voran, ja, sie gehen, d. h. sie sammeln selbst und ihre Mühe wird immer vom schönsten Erfolge gekrönt u. z. um so schöner, je bedeutender die Männer sind, die sich der herrlichen Pflicht der Menschenliebe unterziehen. So gelang es auch hier, außer 200 fl. für hiesige Arme, bis heute 1400 fl. ö. W. für die Nothleidenden in Rußland zusammen zu bringen. Wenn auch die jüdischen Badegäste hier qualitativ eine solche Sammlung möglich machen, so bleibt doch quantitativ immer ein charakteristisches Moment, da sie hier wie überhaupt im Verhältniß zu Nichtjuden eine große Minorität sind. Noch ein Zug jüdischen Charakters: Ein hiesiger jüdischer Badearzt, Herr Schindler, der jährlich ein bedeutendes Honorar von einem Ungar. Baron Pranaszy für curärztliche Behandlung erhält, miethete, beauftragt von demselben, ein schönes großes Logis für ihn im Hotel de New-Iork für 150 fl. wöchentlich, auf 2 Wochen. Angekommen, freute sich die ganze Baronsche Familie über die schöne Wohnung und dankten Herrn Dr. Sch. dafür recht herzlich. Doch, nach kaum 24 Stunden wurde Dr. Sch. zur Rede gestellt, wie er ihr eine solche Wohnung habe miethen können! Erstaunt überden so plötzlichen Gesinnungswechsel , hörte er die Frau Baronin sagen: Sie hätten wohl wissen können, wie es mir zuwider ist, im Hause eines Juden zu logiren. Auf die Entgegnung des Herrn Sch-, daß die Wohnung auf 14 Tage fest gemiethet sei, erklärte sie: sie sei gern bereit die 300 fl. sofort zu zahlen, um nicht länger in diesem Hause zu logiren. Im Innersten empört sagte er: Wenn Sie eine solche Abneigung gegen Juden haben, muß ich Sie ersuchen, so bedeutend Ihr Honorar auch ist, sich an einen andern Arzt zu wenden, da auch ich Jude bin und eine Ehre darin finde, es zu sein, und empfahl sich. So denken, so reden, so handeln Juden! Im Interesse der Einheit Israels ist vor Allem nur die Einigkeit in Israel zu wünschen, um das Judenthum selbst ist mir nicht bange. — I. Korn, Hauptlehrer aus Jarocin. 36

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