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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-09-07 · Heft 36 (7.9.1869) · p. Seite 720

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 36 (7.9.1869)
Date
1869-09-07
Page
Seite 720 (sequence 8)
Language
German
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720 tigsten aufregen lassen. Man schreibt uns aus Berlin, daß selbst in der Confliktzeit das Volk bei Weitem nicht so aufgeregt war als durch die Moabiter Kloster- Geschichte; die gesetzliche Macht hält zwar weitere Excesse ab, aber die katholischen Geistlichen mögen sich in Acht nehmen, irgendwie zu provociren. Niemand kann solche Aufläufe und Pöbelangriffe mehr verurtheilen und ihr Vorhandensein wegwünschen, als wir Juden, die so oft darunter gelitten und mehr durch sie ver-! loren als zerbrochene Fenster und Thüren, und nicht selten waren diejenigen die sichtbaren oder intellectuellen Anführer, gegen welche jene gegenwärtig gerichtet sind. Aber noch mehr haben wir den religiösen Frieden und die religiöse Freiheit zu erwünschen, beide aber können nur bestehen, wenn alle Confessionen ruhig für sich und ihre Bekenner arbeiten, nicht aber das Gebiet Anderer zu erobern streben, und mit allerlei Listen und Künsten in dasselbe einzudringen suchen. Nun, auch die protestantische Kirche ist nicht frei hiervon, und ihre Missionäre haben schon mehr als einen blutigen Zusammenstoß herbeigeführt. Redakt. d. A. Z. d. I.) Berlin, 25. Aug. (Privatmitth.) Der bisherige Eisenstädter Rabbiner, Di'. Hildesheimer aus Halberstadt , einer der Wortführer der Neuorthodoxie, kommt am 1. September als Rabbiner am hies. Beth- Hamidrasch an. Wahrscheinlich wird sich auch sür ihn eine Gemeinde hier bilden, in welcher sich viele ehemalige Anhänger des sel. Dr. Sachs einfinden werden. Denn bei der überaus verschiedenartigen Schattirung in der hiesigen, fast 30,000 Seelen fassenden und aus allen Gegenden rekrutirten Gemeinde findet sich für jede Richtung hinlängliches Element. Man erkennt übrigens auch aus dieser Anstellung, daß die leitenden Persönlichkeiten in der hiesigen Gemeinde durchaus von dem Wunsche beseelt sind, allen irgend erheblichen Richtungen Genüge zu schaffen, dadurch Gerechtigkeit zu üben und den Frieden zu erhalten. Mögen nun auch die Führer der verschiedenen Parteien dies einsehen, redlich ihre Pflicht erfüllen, lehren und lernen, und den Frieden wahren. Wer das Judenthum nicht blos von einem einseitigen Parteistandpunkte anschaut und die verschiedenartige Entwickelung, welche die Neuzeit mit sich gebracht hat, überblickt, wird jeder Richtung ihre Stelle und ihre Berechtigung anweisen, aber um so mehr jeden, über das gemessene Wort der Forschung, der Lehre und der Bertheidigung hinaus-" gehenden Streit verurtheilen. Mögen die Orthodoxen und Neuorthodoxen das Schmähen und Hetzen, die Herrschsucht und die Verketzerungssucht ablegen, und Niemand wird sie stören und beeinträchtigen, sondern auch ihnen und ihrem ehrlichen Streben Achtung zollen. Aus -er Provinz Pose», im Aug. (Privatmitth.) Seit länger als einem Jahre besteht unter den Israeliten unserer Nachbarprovinz Preußen ein Verein „der Israelitische Studien-Beförderungsverein für Ost- und Westpreußen", der die doppelte Aufgabe sich gestellt: mittellosen jüdischen Studirenden die Mittel zur sorgenfreien Betreibung ihrer Studien zu verschaffen und für die Ausbildung jüdischer Lehrer Sorge zu tragen. Durch die Ausführung dieser beiden Aufgaben werden zwei gewaltig große Mängel beseitigt, die bis jetzt um so stärker hervorgetreten sind, als dem unbemittelten jüdischen Studenten nur äußerst wenig Universitätsbencfizien zugänglich sind und die geringen Privatuntcrstützungen nicht genügen können, andererseits der Mangel an zeitgemäß gebildeten Lehrkräften eine Lebensfrage geworden ist. Dürfte es nicht an der Zeit sein auch für unsere Provinz, in der namentlich in neuester Zeit der Mangel an jüdischen Lehrern außerordentlich fühlbar wird, einen ähnlichen Verein zu gründen? An Männern, welche diese hochwichtige Angelegenheit in die Wege leiten könnten, fehlt es auch in hiesiger Provinz sicherlich nicht. .r. Sobernheim, 19. Aug. (Privatmitth.) Gestern feierte der Lehrer der jüdischen Gemeinde, Herr Alexander Cohn, unter allgemeiner Betheiligung der hiesigen Bürgerschaft, sowie seiner aus Nah und Fern herbeigeeilten Freunde und Gönner das 25-jährige Jubiläum seiner lehramtlichen Thätigkeit. Mit einer am Vorabend des Festes vor der Rufini'schen Kapelle dem Jubilar dargebrachten Serenade und der Illumination des von Letzterem bewohnten, der Feier des Tages entsprechend geschmückten Hauses, eingeleitet, erfolgte, nach einem noch vorangegangenen Frühständchen, um 10 Uhr Vormittags der von dem Prediger der israelitischen Gemeinde zu Neuß Herrn Dr. I. Hulisch vollzogene Hauptact der Tagesfeier. In beredter und überzeugungsvoller Weise sprach der

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