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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-09-07 · Heft 36 (7.9.1869) · p. Seite 719

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 36 (7.9.1869)
Date
1869-09-07
Page
Seite 719 (sequence 7)
Language
German
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719 ziemlich ausführliche Besprechung der beiden dramatischen Arbeiten Lessings „Die Juden" und „Nathan der Weise." Der Vers, bringt manches gute Ape, u, namentlich über die Zwecke, die Lessing vvrgeschwebt. Der Styl ist hier und da noch ungelenk. — Wir können nicht umhin, auf die Fortschritte hinzuweisen, welche die in Chicago erscheinende Monatsschrift „Zeichen der Zeit," von vr. Chronik herausgegeben, macht, die immer inhaltreicher an bedeutsamen Abhandlungen und Mittheilungen wird. — Das 36. Heft der prur von M. E. Stern (Wien, 1869) ist uns zugekommen und bringt an prosaischen Abhandlungen und metrischen Versuchen viel Lesenswerthes. — Die Uebersetzung von Dante's „Hölle" ins Hebräische von Di-. Formiggini in Triest ist in schöner Ausstattung erschienen. Wir sprechen gern aus, daß der Vers, sein großes Talent an dieser schwierigen Arbeit erhärtet hat, ohne unsere früher geäußerte Meinung über deren Zweckmäßigkeit ändern zu können. — „Thalmudische Terminologie zusammengestellt und alphabetarisch geordnet von A. Stein, Rabbiner. Prag, Freund's Wittwe und Comp. 1869." Diese werthvolle Abhandlung ist dem zweiten Bericht über die Thalmud-Thora-Schule zu Prag vorangestellt. Der Vers, spricht sich in dem Vorwort über den Zweck und die Grenzen eines solchen Proseminars, in der Einleitung über den Mangel gründlicher thalmudischer Lexikographie in verständigster Weise ans und giebt dann eine alphabetarische Behandlung der thalmudische» tsrmini technici, nämlich der Partikel und aller der Wörter, welche rein logische Begriffe ausdrücken. Wir verweisen auf das Schriftchen selbst, das neben vielem Bekannten manches Neue, wie es uns scheint, theils wohl Begründetes, theils auch Gewagtes enthält. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 25. August. Durch ein für Lauenburg gegebenes Gesetz vom 6. d. Nt. ist das Preußische Gesetz über die Eide der Juden „nach erfolgter Communication mit Unserer getreuen Ritter- und Landschaft des Herzogthums Lauenburg" auch für das Letztere in Kraft gesetzt tvordcn. Die „Boss. Zeit, berichtet: Das von Frau Lina Morgenstern im Frühling dieses Jahres vor dem Halleschen Thore gegründete Säuglingsashl hatte, nach der „Zuk", sich wegen Mangels an geschickten Kinderwärterinnen an die hiesigen Ursulinerinnen gewendet. Der Schritt erweckte von Anfang an starke Bedenken, sowohl wegen der aus dem Gelübde der Nonnen selbst nothwendig hervorgehenden Unbekanntschaft mit den Pflichten der Mutter, deren Herz sie bewähren sollten, als auch wegen der confesssonellen Beziehungen, deren Einmischung erfahrungsgemäß zu befürchten stand. Unter Erfüllung mancher lästigen Bedingungen deputirte die Oberin oes Ursulinerinnenstifts mehrere graue Schwestern dahin, welche ihre Pflicht zwar getreu, aber mit Widerwillen erfüllten. Die Schwestern erklärten, in einer confessionslosen Anstalt nur auf besonderen Wunsch des geistlichen Raths Müller Dienstleistungen zu thun. Schon seit einiger Zeit wurden die Ursulinerinnen widersetzlich, sie beanspruchten die Leitung der Anstalt für sich, tvas natürlich nicht zugestanden werden konnte. Dem fügten sie sich, angeblich ans den Trost des geistlichen Rathes Müller: „Ich glaube, daß es Ihnen schwer wird, unter dem Befehl von Juden stehen zu sollen (Frau Morgenstern ist Jüdin), allein wir haben schon längst danach gestrebt, ein solches Institut zu begründen und können hier auf eine gute Manier zu solchem kommen; harren Sie nur noch aus." — Unter solchen Umständen war ein ferneres Zusanunenwirken der Vorstandsdamen mit den Schwestern nicht mehr möglich und am Sonntag wurde denn das bisherige Berhältniß gelöst. l Es ist dies derselbe geistliche Rath Müller, welcher die provocirende Rede bei der Einweihung des Dominikanerklosters zu Moabit gehalten, die wiederum zum größten Theile die bekannten Excesse gegen das Kloster hervorrief. In der Thal ist es zu bedauern, daß überall bei solchen kirchlichen Sendlingen nicht sowohl die seelsorgerische als die proselhtenmachende Thatigkeit vorwaltet, und hiermit zwar Einzelne fängt, aber der Mehrheit desto tiefere und gerechtfertigtere Abneigung einflößt. Der Mensch fürchtet einmal eine im Dunkeln schleichende Macht, und sei sie noch so schwach, mehr als den stärksten Gegner, der offen und im Lichte des Tages auftritt. Hierbei ist nicht zu übersehen, daß die Deutschen nun einmal am kitzlichsten in religiösen Dingen sind, und in solchen sich am hesi

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