Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1869)
- Date
- 1869-09-07
- Page
- Seite 718 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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718 Der Beitritt einzelner Glaubensgenossen ist dringend wünschenswert!), und ihre Anmeldungen sind willkommen. Geschehen im August 1869. Der Geschäftsführende Ausschuß des deutsch-israel. Gemeindetages. Moritz Kohuer, Vorsitzender (Leipzig). Emil Lehman», Adv., Schriftführer (Dresden). Georg Feigl (Prag). vr. D. Houigmaun (Breslau). Josephthal, Adv. (Nürnberg). P. Wertheim, Secretär (Berlin). Literarischer Wochenbericht. Bonn, 20. August. Jetzt erscheint abermals eine „Jüdische Pester Zeitung" in dentscher Sprache mit hebräischen Lettern, wöchentlich ein halber Bogen. Sie giebt auch Berichte über Weltbegebenheiteu uub gewerbliche Geschäftsangelegenheiten. — Auch für dieses Jahr hat L. Blum in Paris einen französischen Luach, nett und zweckmäßig eingerichtet, und mit Angaben sämmtlicher französisch-jüdischer Behörden und Institute versehen, herausgegeben. — „Photographien aus dem umgarisch-israelitischen Congresse. Treu gezeichnet von Dr. Friedr. Liebig. Herzfeld u. Bauer. Wien, 1869." Wir hatten biographische Mittheilungen über die Persönlichkeiten, welche im ungarisch-jüdischen Congresse gesessen, erwartet; aber es sind nur ironische Streiflichter auf die Stellung, die Tendenz und den Bildungsgrad der Congreßmitglieder, welche zwar im Lande bekannte Leute, nicht aber auswärtige interessiren können, denen sie nicht einmal Fingerzeige bieten, um sich durch das Gewirre durchzusinden. — „Kritik des christlichen Missionswesens, insbesondere der „Iudenmissiou." Bon Dr. B. Felseuthal, Prediger der Ziongemeinde ir Chicago- Chicago, Ed. Bühler." Der Berf. hat bereits schon ein Mal in offenster und kräftigster Weise gegen das christliche Missionsweseu protestirt, worüber wir damals in diesem Blatte ausführlich referirten. deicht der Bekehrungseifer der Christen an sich, sondern die ganze Art, wie, namentlich das protestantische Missionswesen, eingerichtet, gehandhabt und durchAeführt wird, ist es, welche die scharfe Berurtheilung des Verfassers trifft, und vor jedem parteilosen Forum finden wird. Die Personen, die Handlungsweise, die Motive und das ganze Gebühren der Mehrzahl der Missionäre tragen den Stempel des Unvernünftigen, Heuchlerischen und Unsittlichen an sich, daß es den Zorn nicht blos eines Juden, sondern jedes aufrichtigen Menschenfreundes erwecken muß. Die Beweise hierfür liegen in allen Ländern zu Tage und werden von den Missionsfreunden selbst in naivester Weise vorgetragen. Wir wollen nur eines Beispiels ans der Nähe erwähnen. In Leipzig erscheint unter der Redaction des Prof. Dr. Luthardt eine „Allgemeine Evangelisch-Lutherische Kirchenzeitung," die sich vorzugsweise auch mit dem Missionswesen beschäftigt. Man kennt den Zustand der evangelischen und besonders der lutherischen Kirche in Rußland und die bedrängten Verhältnisse derselben, so daß jährlich tausende zur griechisch-orthodoxen Kirche übergehen. Demungeachtet weiß die gedachte Kirchenzeitung nichts mehr zu lobpreisen und der Geldunterstützung zu empfehlen als die lutherische Mission unter den russischen Juden. Sie stößt in die Trompete und hebt einen Jubelhymnus an, wenn von den 2 Millionen Juden im Czarenreiche von der Mission irgend eine Seele ergattert ist, die natürlich sofort zu einem der hervorragendsten Rabbinen gestempelt wird. Man lese z. B. Nr. 32 vom 6. August, und die Erzählung, wie der Pastor Faltin kein Wort mit seinem zu gewinnenden Jünger über Religion sprach, aber immerfort um seine Seele betete, ja zuletzt zu Gott schrie, bis dieser die ganze Missionsarbeit übernahm und aus das Geschrei des Pastors den Geist des Jüngers von selbst erleuchtete, um wirklich die Naivetät des Pastors wie des Prof. Luthardt zu bewundern, wenn nicht hinterdrein doch wieder nichts weiter als die Bettelei um Unterstützung für die aus der größten Arrnuth sich taufen lassenden Juden käme. Ebenso naiv ist es, wenn darüber geklagt wird, daß die Juden mit den vom Judenthume abgefallenen armseligen Menschen nichts mehr zu thun haben und ihnen die früher gespendeten Gaben nicht mehr reichen wollen. Die Missionäre erzählen dies weitläufig, glücklicher Weise können sie aber von etwaigen Verfolgungen seitens der Juden nichts hinzufügen. Das Ganze ist ein Treiben mit der Religion, das jeden wahrhaft Religiösen abstößt. — „Lessing's Verdienste um das Judenthum. Eine Studie von Samuel Mödling er. Frankfurt a. M. August Osterrieth. 1869." Die Lessings-Literatur vom jüdischen Standpunkte wächst zusehends. Wir haben hier eine