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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-08-31 · Heft 35 (31.8.1869) · p. Seite 700

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 35 (31.8.1869)
Date
1869-08-31
Page
Seite 700 (sequence 8)
Language
German
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700 Jahrh. gebraucht wurden, unter denen kein Jude war. Oder, wir wollen gerecht sein, die Herren wußten dies selbst nicht, und wollten jene Bezeichnungen nur adeln, indem sie sie von Juden herrührend ausgaben. Die N. Fr. Pr. zeichnet die ganze Versammlung sehr treffend mit folgenden Worten: Fragen wir nach dem Zwecke und dem Ergebnisse der Versammlung. Hat sie sich, wie es von den Vertretern religiöser Vereine zu erwarten stünde, mit Fragen der Moral und der Wohlthätigkeit befaßt, war sie vom Geiste christlicher Liebe beseelt?' Ist auch nur ein Wort gefallen, welches Sanftmuth und milde Duldung athmete? Nichts von alledem. Die Redner schalten und tobten wider bestehende Gesetze und Staatseinrichtungen, machten die Gegner herunter, schlugen diese und jene Mittel vor, um die verlorne Macht wieder zu erlangen. Das war keine religiöse, sondern eine politische Versammlung, eine Parteiberathung gewöhnlicher Sorte. Der Religion ward kaum gedacht, sie hatte höchstens den Hintergrund zu liefern, von dem sich die stark beleuchteten lebenden Bilder besser abheben sollten. Kein Hauch der Versöhnung, des Friedens weht aus diesen feindseligen, haßerfüllten Reden; nur die Moderluft der Vergangenheit, der muffige Geruch des Mittelalters. Im Namen der Kirche erklären sie dem Staate, im Namen des Glaubens den Gesetzen den Krieg. Haß und Zwietracht unter die Bürger zu tverfen, ist der Zweck dieser Verhandlungen, ihr Ergebniß Null. Dafür aber verlangt die Partei noch eine besondere Rücksicht; sie erträgt nicht wie eine andere Partei Tadel und Angriff, sie verlangt vielmehr, man solle den Heiligenschein um die Häupter ihrer Führer achten, diese Aureole aus Rauschgold, mit herrschsüchtigem Sinne und habgierigen Händen zugeschnitten." Krakau, 16. Aug. Das aus Boguvice gewaltsam entführte und in ein Kloster zu Krakau gebrachte Judenmädchen ist von der Oberin des Klosters ausgeliefert und wieder zu seinen Eltern gebracht worden. Aus Ungarn, im August. Aus Kecskemet erhält Sz. folgende Mittheilung: Ein Israelit, dem in einem Civilprocesse ein Eid aufgetragen wurde, erklärte sich bereit, denselben abzulegen. Der Gerichtshof beschloß hierauf, daß der Betreffende den Eid „more judaico'' nach *den alten Formen in Gegenwart des Rabbiners im Tempel ablege. Herr Fischmann, Rabbiner der Kecskemeter israelitischen Gemeinde, weigerte sich jedoch, bei der Eidesablegung zugegen zu sein, weil er in den Formalitäten desselben eine Verletzung der Gleichberechtigung der Israeliten sah; denn die anderen Confessionen legen den Eid nicht in der Kirche ab. Aber das Krecskemeter Gericht sah in der Weigerung des Herrn Rabbiners einen Gesetzesbruch und trug ihm auf, der Eidesablegung beizuwohnen, widrigenfalls ihm eine Geldbuße von 50 fl. auferlegt würde. Dieser Bescheid wurde auch von den höheren Instanzen bestätigt. Es wäre endlich an der Zeit, das Stück Mittelalter, das noch im Eid more judaico besteht, abzuschaffen. Serbien. Belgrad, im Juli. Serbien hat eine neue Verfassung erlangt. Die Skupschtina (Nationalversammlung) hat sie votirt, sie ist proklamirt und mit Jubel ausgenommen. In derselben ist die Gleichberechtignng aller Serben ausgesprochen, also auch der dortigen Juden. Wir freuen uns dessen, aber wir haben genugsam erfahren, daß eine freisinnige Verfassung unter diesen Völkern des orientalischen Europa's noch keine Bürgschaft für die Ausführung derselben, namentlich in Bezug auf unsre Glaubensgenossen giebt. Warten wir daher zuvor das Weitere ab. Griechenland. Korfu, im August. Vor einigen Wochen besuchte der König von Griechenland bei seinem Aufenthalte auf unserer Insel den hiesigen israelitischen Tempel, der, wie man sich denken kann, glänzeno geschmückt war. Alan hilt einen feierlichen Dankgottesdienst für die Geburt des Thronfolgers, des Herzogs von Sparta. Der König wurde feierlich empfangen und zu einem Thronsessel geführt. Der Rabbiner, vor der geöffneten Lade stehend, hielt eine Ansprache an den König und erflehte den göttlichen Segen auf ihn, sein Haus und sein Vaterland. Zum Gastmahl, welches der König gab, wurden zwei Israeliten geladen, und der König sprach sich sehr günstig über die israelitische Gemeinde von Korfu aus.

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