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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-08-31 · Heft 35 (31.8.1869) · p. Seite 697

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 35 (31.8.1869)
Date
1869-08-31
Page
Seite 697 (sequence 5)
Language
German
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697 Widerspruches, in welchem sich das dortige polnisch-jüdische Leben seit Jahrhunderten bewegt; jeder Schritt, der Rußland moderner Cultur und Civilisation näher führt, raubt der polnisch - jüdischen Bevölkerung eine Stütze ihrer Existenz; sie ist ein Anachronismus, sowohl von religiösem als socialem Standpuncte aus betrachtet, muß sie sich entweder europäischer Bildung und Gewohnheit erschließen — oder sie ist rettungslos verloren. Die vorjährige Mißernte hat die traurige Krisis nur beschleunigt, nicht hervorgerufen, und deshalb ist es auch Thorheit auf den Segen einer bester» Erndte zu vertrösten. Vielmehr sind es durchgreifende religiöse und sociale Umwandelungen, deren unsere dortigen Glaubensgenosten bedürfen. Freilich nicht der von der russischen Regierung schon oft versuchten Reformen von Außen nach Innen, vielmehr umgekehrt von Innen nach Außen; ein solches Werk kann nur durch langjährige Arbeit erreicht werden, ist aber, wenn es mit Besonnenheit und Energie unternommen wird, keineswegs unausführbar. Unumgänglich ist aber hierzu, daß die Schäden, an denen das dortige Leben krankt, offen dargelegt werden, ohne Rücksicht auf krankhafte Empfindsamkeit, und ich glaube Sie recht verstanden zu haben, wenn ich annehme, daß Sie gerade Mittheilungen in dieser Richtung von uns, den nächsten Nachbarn, erwarten, doch wollen Sie freundlichst entschuldigen, wenn ich erst von Königsberg aus, wohin ich im Laufe dieser Woche zurückkehre, Ihrem in dem Schreiben vom 6. geäußerten Wunsche entspreche, da es mir darum zu thun ist, die von mir ausgesprochenen Behauptungen und Meinungen, mit denen ich keineswegs allein stehe, auch zu begründen, wozu es mir hier an Muße und auch in gewistem Sinne an Material gebricht; namentlich gilt dies von dem Projekte der Transportation nach dem Innern Rußlands, deren Unmöglichkeit und Heillosigkeit nachzuweisen ich mir getraue. Ich bemerke noch, daß die Angabe meines Freundes Rülf, daß ich ein Counts gründe, insofern einer Berichtigung bedarf, als dastelbe nur eine Auswanderung aus Rußland, keineswegs aber eine Einwanderung in das Innere bezweckte. vr. Bamberger. Auch Herr vr. Rülf in Memel hat sich in einem trefflichen Schreiben vom 9. August v. bereit erklärt, in das Haupt-Comits einzutreten, dem, wenn es constituirt und organisirt sein wird, die 24,000 Frcs. der Familie James von Rothschild und andere erhebliche Summen zu Gebote gestellt werden sollen. So läßt sich Gott sei Dank! Alles zu einem vereinigten Streben an, und mit solchem ist der göttliche Segen! Psalm 133, 3! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Breslau, 16. Aug. Der Erlaß des Provinzialschulkollegiums an den Magistrat in unserer Schulangelegenheit, den wir den geehrten Lesern dieser Blätter bereits mitgetheilt Haben, wird in fast allen bedeutenderen Organen der Presse einer strengen Beurtheilung unterworfen. Am meisten Aufsehen hat, wie vorauszusehen war, die Stelle des Erlasses gemacht, wo es heißt, „eine Schule, an der Christen, Dissidenten und Juden gleichmäßig als Lehrer wirken, noch eine christliche zu nennen, ist zum mindesten ein leeres Spiel mit Worten." Die „Breslauer Zeitung" läßt sich darüber also vernehmen: „Einen Fortschritt haben wir doch in dem letzten Vierteljahrhundert d.h. seit der Zeit gemacht, in welcher ein preußischer Minister des Innern die Lehre vom beschränkten Unterthanenverstande erfand. Zwar treffen wir auch in der Antwort des Provinzialschulkollegiums vom 8. d. M. an den hiesigen Magistrat Anklänge an jene vormärzliche Periode, insofern uns mitgetheilt wird, „daß der Herr Unterrichtsminister unter den in Breslau bestehenden Verhältnissen die Errichtung auch von Simultanschulen dem wohlverstandenen Interesse der Bevölkerung für keineswegs entsprechend hält." Wir haben bisher gemeint, daß die städtischen Behörden einer Stadt und noch dazu der zweiten Stadt des Reichs das Interesse der Bevölkerung doch auch einigermaßen verstehen und sogar wohl verstehen müßten, um so mehr als sie ja an Eides Statt gelobt, dieses „wohlverstandene Interesse der Bevölkerung nach Pflicht und Gewissen allseitig zu fördern;" ja noch mehr, gerade in dieser streitigen Angelegenheit haben sich

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