Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1869)
- Date
- 1869-08-31
- Page
- Seite 696 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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696 Standpunkte die Beschneidung die unumgängliche Bedingung des Eintritts in die Gemeinschaft der israel. Religion für alle männlichen Personen ist, und daß derjenige, welcher der Beschneidung nicht unterzogen worden, als außerhalb dieser religiösen Gemeinschaft zu betrachten ist, möge auch seine religiöse Ueberzeuguug der Lehre des Judenthnms zugewendet sein. Die Auswanderung von Luden aus den westrussischen Provinzen. IV. Wir haben es in voriger Nummer als das erste Erforderniß vor allen anderen weiteren Schritten hingestellt, daß sich zahlreiche SubcomitäS bilden, sowohl um die nöthigen Geldmittel zu beschaffen, als auch um das Ansehen nnd den Nachdruck für das Hauptcomite zu verstärken. Wir lassen es an den erforderlichen Bemühungen nicht fehlen, und haben außer vielen anderen Zuschriften auch an alle Mitglieder des Gemeindetages dessallsige Aufforderungen versandt. Wir hoffen, daß wir recht bald zahlreiche Mittheilungen darüber zu veröffentlichen im Stande sein werden. Man schreibt uns aus Bayern unter dem 16. August: „Die israelitische Gemeinde Nürnberg hat energisch die Idee einer nachhaltigen Hilfe für die nothleidenden russischen Israeliten durch Unterstützung der Auswanderung ».verfolgt. Es hat sich auf gegebene Anregung ein Comitä, bestehend aus angesehenen Gemeindemitgliedern der verschiedensten religiösen Richtung gebildet, deffen Mitglieder die Sammlungen selbst in die Hand nehmen, so daß es, wiewohl auch hier bereits für die russischen Juden viel geschehen ist, gelang, in Zeit von 8 Tagen nahezu 2000 fl. dem vom Leipz. Gemeindetage gewählten Hauptcomitö zur Verfügung zu stellen. Das Nürnberger Comits hat sich an die andern diesrheinischen Cultusgemeinde» in der Sache gewendet; hoffen wir, daß auch bei uns im Süden der schöne Zweck gefördert wird." Bon großer Bedeutung ist hierbei, daß sich alle die Männer, welche durch ihren edlen Eifer für diese große Angelegenheit, sowie durch die Stellung, die sie bereits zu ihr und für sie eingenommen, durch die Dienste, die sie ihr schon geleistet, und durch die Sachkenntniß, welche sie aus ihrer Nähe vom Schauplatze jenes großen Elendes haben, hervorragen, sich vereinigen. Wir wandten uns deshalb auch an Herrn Rabbiner vr. Bamberger in Königsberg, der sich jüngst in Hamburg aufhilt, und wir erhielten von Hort folgende Antwort, welche mehrere wichtige Punkte berührt. Hamburg, den 15. Aug. In ergebener Erwiderung Ihrer freundlichen Zuschrift vom 6. d. erkläre ich mich mit Vergnügen bereit, meine fernere Thätigkeit in der Unterstützungsangelegenheit unserer westrussischen Glaubensgenossen in den Dienst des vom Gemeindetage geschaffenen Comitss zu stellen und Ihnen meine Ansicht über den Nothstand und über die Mittel zur Abhülfe zu unterbreiten. Obgleich ich seit vielen Monaten für die Organisirung dauernder Institutionen zur Abhülse dieses grenzenlosen Elends in meiner Umgebung thätig gewesen, und mich namentlich für den Zweck einer überseeischen Auswanderung der Zustimmung und eventuellen Mitwirkung ebenso sachkundiger als thatkräftiger und einflußreicher Männer versichert habe, so ist doch die Nothwendigkeit eines einheitlichen Zusammenwirkens Aller so selbstverständlich, und der in Leipzig durch Ihre Initiative beschrittene Weg so zweckmäßig, wenn nicht der allein mögliche, daß ich es für die Pflicht eines Jeden, sich für die Sache Jnteressirenden erachte, dahin zu wirken, daß der in Leipzig geschaffene Centralpunct auch in Wahrheit die Gesammt-Leitung in Händen hält. Ich hoffe deshalb, daß auch meine Freunde an der Grenze, insbesondere die Herren Rülf und Silber mann, sich dieser Wahrnehmung nicht verschließen und mit Ihrem Comito recht bald in Verbindung treten werden, falls dies bis zur Stunde noch nicht geschehen sein sollte. Hüten wir uns vor einer Zersplitterung, die bei den ge-- ringen Mitteln, über die wir verfügen, und Angesichts eines Elends, zu dessen Beurtheilung es gegenwärtig immer noch jeden Maßstabes ermangelt, ein doppeltes Unglück sein würde. Ueber die muthmaßlichen Ursachen des Nothstandes, sowie über die zweckmäßigen Mittel zur Ahhülfe befinde ich mich nun, wie Herr Simon von hier Ihnen wahrscheinlich angedeutet haben wird, in vollem Gegensätze zu der von Kowno aus geltend gemachten Meinung; hiernach ist der gegenwärtige Nothstand in Westrußland die einfache naturgemäße Folge des culturfeindlichen