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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-08-24 · Heft 34 (24.8.1869) · p. Seite 678

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 34 (24.8.1869)
Date
1869-08-24
Page
Seite 678 (sequence 6)
Language
German
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Jetzt bleibt uns Juden in Norddeutschland nur noch Herrn v. Mühler scheiden zu sehen. Auch dessen Stündlein wird wohl in nicht allzuferner Zukunft schlagen. Breslau, 4. Aug. (Privatmitth.) Wie sehr'man sich selbst in Kreisen, bei denen sich eine gewisse Bildung und Aufklärung mit Recht voranssetzen ließe, noch immer dagegen sträubt, das Princip der confessionslosen Schulen als das unserer modernen Zeit einzig angemessene anzuerkennen, möge folgender Artikel beweisen, der einen Professor an der hiesigen Universität, Hrn. vr. Elvenich, zum Verfasser hat. Dieser hatte nämlich an die „Kölnische Zeitung" einen Artikel gegen die „Augsburger Allgem. Zeitung" in Bezug auf seine Stellung zur consessionslosen Schule gerichtet. In Köln war jedoch ein Theil dieses Artikels in den Schlund des Redactionspapierkorbs gewandert, wie es scheint, zum großen Mißvergnügen des Einsenders, der nunmehr für den unterdrückten Theil die Gastfteundschaft der „Kreuzzeitung" in Anspruch nimmt. Das mit einem stillen Segensspruch des feudalen Blattes in die Welt der Lebendigen geschickte Stück Artikel lautet: „Dieses Prinzip «nämlich fortan nur confessiouslose höhere Schulen zu gründen), welches man aufzwingen (?!) will, hat erstens in der preußischen Gesetzgebung keine Grundlage und ist zweitens bei allem verführerischen Schein durch und durch falsch. Eine Schuleinrichtung ohne einheitlichen Charakter ist vernunftwidrig und trägt in sich selbst den Keim des Zerfalls. Eine Schule, an welcher der eine Lehrer belächelt und verspottet, was dem andern heilig ist, läßt ein einmüthiges collegialisches Zusammenwirken nicht erwarten und kann namentlich in religiöser Beziehung auf die empfängliche Jugend, die scharfe Augen hat, im Allgemeinen nur einen verderblichen, die Pietät gegen Gott leicht abschwächenden oder ans tilgenden Einfluß üben. Dies ist die wirkliche Sachlage, welche von allen Eltern, sie mögen katholisch, evangelisch u. s. w. sein, wenn ihnen das Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt, ernstlich erwogen zu werden verdient." Ist dies genug? Wie finden Sie dieses Neuster von Kanzelberedsamkeit? . Sind wohl die philosophischen Vorlesungen, die der genannte Herr Professor an der hiesigen Leopoldina über Psychologie und Logik hält, auch von derartigen psychologischen Räthseln und aller Vernunft hohnsprechenden Verstandesschlüssen untermischt? — Ich denke, dieser Passus wird schwerlich die Gegner der confessionellen Schule in ihrer Ueberzeugung wankend machen. Eine Schule, an welcher der eine Lehrer belächelt und verspottet, was der andere für heilig hält, ist ein vollgiltiger Beweis gegen die Confessionellen, denn dieser Dualismus hätte seine Hauptnahrung eben aus der Confessionalität der Schule gezogen. — A$>. — Breslau, 7. Aug. Die „Brest. Ztg." enthält: „Der Magistrat hat die zu Michaelis dieses JahreS frei werdenden Räume des Johannes-Gymnasiums — von denen sich die Zimmer des Direktors zur fernerweiten Benutzung als Wohnung, die Classenzimmcr aber zu Geschäftslocalen eignen" — vom 1. October d. I. ab zur Vermiethung gestellt. Daß er auf eine baldige Sinnesänderung des Herrn v. Mühler nicht rechnet, geht daraus hervor. Unsere Geduld wird auf eine harte Probe gestellt." Breslau, 11. Aug. «Privatmitth.) In meiner obigen Corresp. brachte ich in Angelegenheit der konfessionellen Schule in hiesiger Stadt das Glaubensbekenntniß eines hiesigen Universitätsprofessors, worin sich derselbe ausdrücklich dagegen verwahren zu müssen glaubt, als sei er ein Freund und Verfasser der consessionslosen höheren Schulen. Wir wundern uns jedoch nicht mehr über die Glaubenstreue <!) des erwähnten Herrn Professors, nachdem wir heute einen Erlaß des Provinzialschulkollegiums, den wir den Lesern dieses Blattes in extenso mittheilen, zu Gesicht bekommen haben, welcher uns leider von neuem erkennen läßt, daß eben dem ganzen preußischen Schuluud Cultussystem in seiner gegenwärtigen Leitung ein nichts weniger als toleranter Charakter beizumessen ist. Das königliche Provinzialschulkollegium hat nämlich an den Magistrat hiesiger Haupt- und Residenzstadt eine erneute Kundgebung in der schwebenden Schulangelegenheit gerichtet, welche sich ziemlich wortgetreu einem neueren Erlasse des Cultusministeriums anzuschließen scheint. Das Schreiben lautet: „Auf den Bericht, mit welchem wir die Erklärung des pp. Magistrats vom 9. Mai laufenden Jahres über den religiösen Charakter der von Seiten der Stadt Breslau zu errichtenden höheren Schulen

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