Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1869)
- Date
- 1869-08-24
- Page
- Seite 677 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3226690-3226725--27509-3263092- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ffl zu Paris abgedruckt, die derselbe in der Generalversammlung der ged. Gesellschaft zu Würzburg am 2. Oktober 1868 gehalten, nämlich: „Die biblische Chronologie, festgestellt nach den assyrischen Keilschriften." Wir heben aus derselben die Resultate hervor. Die Chronologie der Affyrer durch die in den Inschriften vorkvmmenden Sonnen- und Mondfinsterniste festgestellt. Die Chronologie der beiden Bücher der Könige wird bis auf einige, sehr erkennbare Zahlenverstümmelungen als streng richtig bestätigt. Die Monate heißen in der assyrischen Form: diisauuu, Ai'ru, Sivanu, Duzn, Abu, Ululu, Tasritu, Arahsawua, Kisilivu, Tebitu, Sabatu, Addaru, zweiter Addaru. Die Jahresrechnung der Assyrer ist genau die des jüdischen Jahres. Die Affyrer hatten zwei Jahresanfänge, das religiöse Jahr fing mit Nisan an, das bürgerliche, nach welchem gezählt ward, mit Tischri. Durch Vergleichung der Synchronismen erweist es sich, daß der Tod Salomons in das Jahr 978, der Tod Ahabs in den Dezember 900 fällt. Die vorzüglichsten Daten der biblischen Königsgeschichte sind also so zusammenzustellen: 978 Tod Salomo's. 900 (Dezember) Tod Ahab's. 887 (Frühling) Thronbesteigung Äehu's. 825 Jerobeam's II Thronbesteigung. 810 Uzia, König von Juda. 798 Zehnjährige Herrschaft der Fremden in Samaria. 788 Jerobeam II zum zweiten Male. 774 Tod Jerobeam's II. 771 Menahem I von Israel. 760 Pekachja, sein Sohn. 759 Pekah, Mörder Pekachja's. 758 Jotham, Sohn Uzia's, König von Juda. 7 42 Ahas, König von Juda, u. Menachem II v. Israel. 7 33 Pekah zum zweiten Male; Feldzug Teglathphalasars. 730 Tod Pekah's; Hosea's Usurpation. 727 Tod des Ahas und Regierung Hiskia's. 724—721 Juni Belagerung Samarias. 714 Krankheit Hiskia's u. GesandtschaftMerodachbaladans. 700 Feldzug Sennacherib's. 698 Manaste, König von Juda. 643 Amon. 641 Josia. 610 Jojachin. 599 Jojakin; später Zedekia. 588 Zerstörung Jerusalems. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 13. Aug. (Privatmitth.) Heute bin ich in der erfreulichen Lage, Ihnen einige bedeutende Fortschritte in Hinsicht der religiösen Gleichheit, und zwar auf dem Gebiete der Rechtspflege, melden zu können. Es scheint, daß Herr Dr. Leonardt denn doch den Hoffnungen, die man auch in dieser Beziehung auf ihn gesetzt hat, Nachkommen will. Wie ich aus bester Quelle erfahre, liegen im Justizministerium die Patente, durch welche drei jüdische Assessoren zu ordentlichen besoldeten Richtern ernannt werden, bereit und sollen vollzogen werden, sowie — und das ist binnen kurzem — der Anciennetät nach die Reihe an die betreffenden Herren kommt. Oie bekannteren unter ihnen sind Herr Rubo, der schon längere Zeit als Hülfsarbeiter im Justizministerium beschäftigt ist, und Herr Joel, der bereits bei dem Hypothekenwesen in Stettin verwendet worden ist. Also endlich ist auch dieser Schritt nach vorwärts gemacht. — Zwei andere für uns Juden besonders wichtige Errungenschaften sind in dem Entwurf der neuen Civilproceßordnung enthalten, der übrigens auch sonst von kundiger Seite als vortrefflich bezeichnet wird. Erstens ist in den Vorbemerkungen zu demselben das Prinzip der freien Advokatur festgestellt: nur an das regelmäßige Studium der Rechte und an die gesetzlichen Examina ist die Advokatur noch gebunden. Dadurch ist diese so wichtige Richtung der juristischen Thätigkeit der administrativen Willkür ganz entzogen, es wird hier also nirgends mehr von irgend welcher Benachtheiligung aus konfessionellen Gründen die Rede sein können. Zweitens aber wird durch den, vom Reichstage unzweifelhaft in seinen Hauptsachen gebilligten Entwurf der n icht-konfessionelle Cid eingeführt, nicht nur für Juden, sondern für alle Staatsbürger: jede Besonderheit fällt weg. Paragraph 615 des Entwurfes lautet: Der Eid beginnt mit den Worten: „Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden!" Er schließt mit den Worten: „So wahr mir Gott helfe." —