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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-08-17 · Heft 33 (17.8.1869) · p. Seite 657

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 33 (17.8.1869)
Date
1869-08-17
Page
Seite 657 (sequence 5)
Language
German
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657 Zwecken seine Mittel zu berechnen und zu benutzen und mit wie wohlfeilen Phrasen es die Menge zu gewinnen weiß. Dem Judenthum ist das viel weniger zu verdenken, als denen, die noch christlicher Bildung sich rühmen und nicht sehen wollen, wohin sie zurückschreiten." Eine jüdisch-theologische Fakultät, auf welcher die Disciplinen der jüdischen Theologie für die angehenden Rabbine», Prediger und höheren Lehrer wiffenschaftlich gelehrt werden sollen, soll also den Juden die Herrschaft über die Tribüne und Schule verschaffen und den Staat und die Gesellschaft von den Juden geistig abhängig machen! Das ist zu lächerlich, und doch will die „Kreuzzeitung" sich den Schein geben, als glaube sie daran, denn sie nennt dies ein klug berechnetes Mittel für jenen Zweck. In der That geriren sich diese Leute doch, als ob sie eben berufen wären, dem Staat, der Gesellschaft, der Wiffenschaft, der Literatur, der Presse und der Schule ein Armuthszeugniß Mitleid erregender Art auf einmal auszustellen. Was sollen die Juden Alles vermögen! Was Alles erstreben, berechnen und ausführen! Und alles dies um einer prekären Herrschaft willen, die sie erträumen, und die doch in ihren Keimen schon von den getreuen Zionswächtern der „Kreuzzeitung" vor aller Welt denunzirt wird! Nun ich wünsche aufrichtig, die „Kreuzzeitung" stehe nicht blos vor einem Beschlüsse der Synode, sondern vor einer That der Juden, und die Mittel zur Gründung einer jüdisch-theologischen Fakultät wären wirklich vorhanden. Ich glaube nicht, daß die sämmtlichen theologischen, philosophischen, juristischen und medizinischen Fakultäten der Christenheit vor den paar Lehrern einer einzigen jüdisch-theologischen Fakultät, welche Bibelexegese, Talmud, jüdische Geschichte und Literatur re. vor einem Dutzend Jünger vortragen werden, erschrecken, sich fürchten und sich von diesen beherrschen lassen werden. Ein solcher Gedanke ist wirklich zu grotesk und dumm, und wir Juden überlassen ihn gern den Skribenten der „Kreuzzeitung" — ihn nur zu begreifen, sind wir wirklich zu klug. Das Ganze ist nur ein schwächliches Manoeuvrefür Schwächlinge der „Kreuzzeitungspartei." Selbst diese könnten sich beruhigen, denn, wenn sie genauer zusehen, gehört die Herrschaft in Europa noch immer den Kriegsministerien und den von klerikalem Geiste geleiteten Ministerien des Innern und des Unterrichts; von den Kriegsministerien hängen aber die Finanzministerien ab und für diese sind die großen Finanziers und unter diesen die jüdischen die gehorsamen Diener. Sie können gewiß sein, daß die jüdisch-theologische Fakultät gegen diese Mächte nichts ausrichten wird. Wir erhalten von Strehlen (Schlesien) ein ausführliches Schreiben, in welchem auseinander gesetzt wird, daß die Synode nicht blos hätte Lehrer einer gewissen Kategorie, sondern auch die Kantoren hätte zulassen müssen. Wir können nicht hierauf eingehen, da dies vielmehr vor das Forum einer zukünftigen Synode gehört. Die Äuswandervng von Juden aus den u»chrusftschen Provinzen. n. Die wiederholten, von der Schilderung erschütternder Scenen begleiteten Nothrufe haben die Anstrengungen wieder auf die augenblickliche Unterstützung der Nothleidenden gerichtet, und die Auswanderungspläne in den Hintergrund gedrängt. Aus Hamburg schreibt man uns daher, daß man mit Bildung eines Subkomit^s für die Auswanderung noch eine Zeit lang warten wolle, bis man wieder Unterstützungen für die augenblickliche Roth gesammelt habe. In Cassel hat sich das bisherige Unterstützungskomite zu einem solchen für die Auswanderung constituirt und ebenso bildete sich ein Subkomite in Aachen. Der durch seine Anstrengungen für die Unterstützung der Nothleidenden in Westrußland überaus verdiente israelitische Prediger Dr. R ülf in Memel hat eine Broschüre veröffentlicht, in welcher er seine Reise nach Kowno in vorigen Mai beschreibt. Derselbe ist durchaus allein für die Uebersiedelung in das Innere Rußlands, eine Ansicht, welcher Andere, wie Rabb. Dr. Treuenfels in Stettin, schnurstracks gegenüber stehen, welche das Wohl der Unglücklichen nur in der Auswanderung in andere Länder sehen. Dr. Rülf wünscht nichts weiter als Geldmittel, um die Familien oder Einzelnen, welche sich zur Uebersiedlung in das Innere Rußlands melden, mit Geld zu versehen. Aber auch

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