Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1869)
- Date
- 1869-08-17
- Page
- Seite 656 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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656 um so bedeutender für das Verständniß der Geschichte des jüdischen Geisteslebens. Von dem einseitigen Standpunkte, aus dieser Geschichte die Zulässigkeit der gottesdienstlichen Reform zu erweisen, muß abgesehen werden. Dies ist die reife Frucht, die aus der völlig objektiv gehaltenen Arbeit von selbst in den Schoß fällt. 7) Eine Entwickelung der Ansichten über das Judenthum innerhalb der christlichen Welt. Wir meinen nicht die Ansichten über die Juden, über deren bürgerliche Berechtigung und soziale Stellung, sondern nur die Anschauungen über das Judenthum selbst und infolge deren über die weltgeschichtliche Mission des jüdischen Stammes. Wir haben es hier mit einer Geschichte von Vorurtheilen, von absichtlichen und absichtslosen Mißverständnissen zu thun, aber auch von Siegen über dieselben, vom Durchbruch reinerer und objektiverer Erkenntniß, von edlem und unparteiischem Streben nach wissenschaftlichem Verständniß. Gerade auf diesen letzteren Theil wünschen wir den Hauptaccent zu legen, und wie diese Periode besonders von Lessing und Herder zu datiren ist, müßten selbst ausführliche Auszüge aus den Schriften der nicht geringen Zahl erleuchteter Autoren gegeben werden. Eine solche Schrift würde einentheils Zeugniß für das Judenthum selbst und für dessen weltgeschichtliche Bedeutung abgeben, und Bielen aus unserer eigenen Mitte einen richtigeren Standpunkt der Beurtheilung verschaffen, anderntheils aber auch die beste Rüstkammer gegen die immer wieder auftauchenden Vorurtheile und Gehässigkeiten bereit halten, und mehr als etwas den Geist der Versöhnlichkeit stärken. Es versteht sich von selbst, daß hierfür nicht blos die deutsche, sondern auch die Literatur aller Völker heranzuziehen ist Corresponden; über die Synode II. Berlin, den 4. August. Die jüdische Synode und der Erfolg, den sie nach außen und innen sich erworben, läßt die „Kreuzzeitung" nicht schlafen. Der Contrast, welchen sie zu dem Geiste bildet, der in den jüngsten evangelischen Synoden in Sachsen und Preußen herrschte, ist zu auffällig und wird in der allgemeinen Welt zu sehr wahrgenommen, als daß sie ihn stillschweigend hinnehmen sollte. Man darf nicht übersehen daß es sich hierbei nicht um eine Versammlung von Freigemeindlern, Deutsch-Katholiken, des Protestantenvereins rc. handelt, sondern daß unsere Synode aus der Mitte einer positiven Glaubensgemcinde sich vereinigt hatte, und daß sie den wirklich positiven Boden mit keinem Schritte verlassen, vielmehr diesen Charakter überall betont hat, wo es sich um Erhaltung und Stärkung des Judenthums handelte. Daß eine solche Versammlung dennoch vom Geiste der Humanität und des allgemein menschlichen Rechtes, und zwar auf dem Boden der heiligen Schrift, sowie von der Würdigung der Wissenschaft durchdrungen war, das ist der Stein des Anstoßes, über den die Kreuzzeitungspartei zwar stolpert, aber nicht hinwegkommen kann. Auf welche Weise, durch welches verbrauchte Mittelchen diese Partei daher dem guten Prestige der Synode entgegenarbeiten will, ist schon aus dem Artikel der „Zeidlerschen Correspondenz" sichtbar gewesen, den die „Kreuzzeitung" wiedergab und den ich in der vorigen Nmnmer Ihres Blattes besprochen habe. In der gestrigen Nummer widmet die „Kreuzzeitung ihr erstes „Berlin" demselben albernen Gedanken, diesmal gegen den Beschluß über die jüdisch-theologische Fakultät gerichtet. Sie sagt: „Die jüdische Synode, welche zu Leipzig im Anfang dieses Monats stattfand, ist weniger beachtenswerth wegen der Erklärung „ihrer Uebereinstimmung mit den Principien des neueren Staates und der neueren Gesellschaft u. s. w." — als wegen ihrer Tendenz, das Judenthum als solches zusammen zu fassen und zu stärken durch „Gründung einer höheren Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums", durch „Einführung jüdischer Gemeindetage in periodischer Wiederkehr" u. s. w. Jenes ist die exoterische Seite, das Firmenschild, durch welches die öffentliche Meinung, namentlich von liberaler, protestantenvereinlicher, lichtfreundlicher Seite her gewonnen werden soll; dieses ist die esoterische, die praktische Seite, welche darauf ausgeht, durch vereinte und erhöhte Bemühung, durch möglichst geschloffene Genossenschaft die Herrschaft wie über die Literatur und Presse, so auch über die Tribüne und die Schule zu gewinnen und den modernen Staat und die moderne Gesellschaft geistig von sich völlig abhängig zu machen. Das ist wenigstens die Cousequenz der Bestrebungen. Die Erfolge, welche das moderne Judeuthum in dieser Richtung schon errungen hat iman sehe nur auf die Oesterreichischen Zustände), beweisen, wie klug es zu seinen