Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1869)
- Date
- 1869-08-17
- Page
- Seite 655 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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655 Glaubensgenossen ergehen, und selbst innerhalb der einzelnen Familien ruft die Verschiedenheit der religiösen Richtung in der Regel keine dauernden Hindernisse hervor. Endlich ist nicht zu übersehen, daß in der großen Masse das religiöse Bewußtsein sich wenig zu prinzipieller Klarheit ausbildet, um von hier aus auf eine entschiedene Trennung zu wirken. Wir möchten daher an alle unsere Glaubensgenossen die Aufforderung richten, jenes Schreien und Toben, jenes Schimpfen und Verdächtigen, jenes Hetzen und Befeinden doch endlich verschwinden zu lassen, das so häßlich und erniedrigend seit zwei Jahrzehenden durch die Hallen des Judenthums ertönt. Wir sind uns bewußt, es niemals gefördert zu haben, und wenn wir dann und wann einige scharfe Auslassungen gaben, so geschah es nur zur unabweislichen Abwehr, und in einem Maße, das mit den Angriffen in gar keinem Verhältniß steht. Es war dies wahrlich keine Schwäche, denn wir glauben oft genug bewiesen zu haben, daß, wo es gilt, den Gegnern und Verleumdern des Judenthums entgegen zu treten, uns die Macht der Sprache wohl zu Gebote stand. Aber es wollte uns niemals in den Sinn, im eigenen Fleische zu wühlen, oder dem Charakter unserer heiligen Religion und ihren höchsten und bestimmtesten Vorschriften ins Gesicht zu schlagen, wie es unsere jüdischen Gegner täglich thaten und Lhun. Freilich wissen auch wir, daß unser Aufruf zu einen: friedlichen Nebeneinanderbestehen, zum Aufgeben des Schmähens, Verleumdend und Verketzerns bei den Wortführern der anderen Seite keine Wirkung thun kann, denn es scheint eben im Interesse dieser Leute zu liegen, immerfort Skandal zu machen, um ihr Häuflein bei einander zu halten. Aber an alle echt religiösen Männer der sg. orthodoxen Partei und der schwankenden und sich selbst unklaren Menge sind wir doch verpflichtet, eine solche Mahnung zu richten, und sich von den, jedes Gefühl des Anstandes und der Sittlichkeit tief verletzenden Schreibereien endlich los zu machen, wodurch diese von selbst aufhören und in das Grab der Vergessenheit versinken würden. Ihr betet täglich so oft um mbiö, und dieses schöne Wort kömmt Euch in den Gebeten täglich zahllose Male über die Lippen; Ihr preiset Gott als Libw twu' , Ihr betet, daß er Euch vibw verleihe — und nun sehet Euch die Blätter und Flugschriften an, denen Ihr Eure Unterstützung und Euer Ohr leihet, und fraget Euch, ob Ihr auf diese Weise gegen Gott nicht lästert oder Euch des Lnbw würdig macht! Vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. In Nr. 23 d. Z. haben die Leiter des Institutes eine Reihe von literarischen Aufgaben, die den gelehrten und geistreichen Autoren zur Bearbeitung empfohlen werden, aufgestellt. Unser Zweck ist dabei, einerseits für die stets auszudehnende Wirksamkeit des Institutes das weite Gebiet unserer Literatur immer mehr zu ebenen und für unsere Anstalt neue tüchtige Arbeiten hervorzurufen, andrerseits überhaupt den Blick in das große Material zu öffnen, das noch für die wissenschaftliche Forschung und die geistige Arbeit vorhanden ist. Unser Streben geht darin immer weiter, und sucht und fordert die Unterstützung anderer befähigter Männer auch hierfür. Sicherlich wird hierdurch auch das Vertrauen zu unserem Institute sich immer von feuern stärken und die Förderung desselben sich allen Theilnehmenden als eine Pflicht erhärten. Wir geben heute abermals einige Entwürfe. i>) Eine Geschichte des jüdischen Cultus. Es ist bekannt, wie für ein solches Werk bereits ein großer Schatz von Materialien, von kritischen Forschungen und aufgehäuften Notizen vorhanden ist, und zwar seit Erscheinen des meisterhaften Werkes „die gottesdienstlichen Borträge der Juden" von Zunz.*) Auch ist bereits ein Versuch einer solchen Geschichte des jüdischen Cultus gemacht worden, doch ohne befriedigenden Erfolg. Cs kann hier nicht allein auf die Beschreibung der äußeren Formen und auf die Feststellung ihrer Ursprungszeit und ihrer Urheber ankommen, sondern auch auf die Entwickelungsgeschichte der einzelnen Phasen und des religiösen und sittlichen Geistes und Charakters, der ihnen imprägnirt und durch sie zum Ausdruck gekommen ist, Momente, die wiederum ein tieferes Eingehen und Erfassen der geschichtlichen Um- und Zustände voraussetzen. Die Aufgabe ist dadurch um so schwieriger, aber auch *) Das Werk ist 1832 erschienen und längst völlig vergriffen. Die Leiter des Instituts gaben dem ehrwürdigen Verfasser schon vor Jahren den Wunsch zu erkennen, eine 2. Auflage durch das Institut zu geben; die Antwort lautete aber dahin, daß das Werk einer gänzlichen Ueberarbeitung bedürfe, und der Vers, zu einer solchen sich jetzt nicht bestimmen könne. 33*