Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1869)
- Date
- 1869-08-10
- Page
- Seite 640 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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640 voraufgegangene klassische Periode erzogen, und wer z. B. einem niederrheinischen Musikfeste in Cöln, Aachen, Düsseldorf anwohnt, und sieht den Zudrang von Tausenden von Menschen bei sehr hohen Eintrittspreisen aus der Nähe und Ferne, und wie diese Tausende drei Tage hinter einander bei tropischer Hitze den Musikaufführungen beiwohnen und sich für das wahrhaft Große und Schöne enthusiasmiren, bei dem Mittelmäßigen aber, liege dies in der Composition oder in der Aufführung, gleichgültig bleiben, der kann diesem Publikum die Urtheilsfähigkeit nicht absprechen. Daß nun aber in diesem Wagner das Terrain, welches er durch Tannhäuser und Lohengrin gewonnen, durchaus nicht erweitert, Lißt aber, abgesehen von seiner Virtuosität, geradezu verloren har, ist Thatsache, welche nur ein verblendeter Wagneromane leugnen kann. Doch dies nur beiläufig. Herr Engel geht die Broschüre Wagner's Satz für Satz durch und widerlegt jsie in allen ihren Behauptungen. Es kommt ihm dabei so aus dem Herzen, daß seine lautere Wahrhaftigkeit von besonderem Eindruck ist. — Soeben kommt uns unter dein Titel: eine hebräische Uebersetzung des vom Institute herausgegebenen Romans: „Die Juden und die Kreuzfahrer in England von Eugen Rispart" zu. Dieselbe ist in Warschau soeben erschienen. Inter effant ist es hierbei, daß die Uebertragung von eiucr Dame verfertigt ist, nämlich von Frau Mirjam Marke! (geb. Wierzbolowskij zu Kowno. Die Uebersetzung ist vortrefflich, in flüssigem und korrekteni Hebräisch, das sich mit vielem Genüsse lesen läßt. — In einer bei Schletter in Breslau erschienenen Broschüre weist Herr Landrabbiner Dr. Julius Landsberger in Darmstadt nach, daß der Brauch zwischen Peßach und Wochenfest nicht zu heirathen, von dem gleichen Gebrauche bei den Römern, während des Monats Mai keine Hochzeit zu feiern, herrühre, also einen heidnischen Ursprung habe. Der Beweis ist mit Gelehrsamkeit und Scharfsinn geführt, scheint uns aber dennoch noch nicht ganz überzeugend. Das Analogon des gleichen Verbots während der drei Wochen, wo das Motiv völlig durchsichtig ist, scheint uns gegen die allzukünstliche Beweisführung zu sprechen, wie denn auch die Erklärung der Heirathen am 33. Tage der Sefira weit hergeholt ist. Denn daß er gerade hiernach, und nicht nach seinem Datum, dem 18. Jjar benannt ist, deutet auf einen engeren Zusammenhang mit der Sefira und nicht mit dem Monate. — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 2. Aug. (Privatmitth.) Die Gemeinde hat die halbfertige Synagoge der Schochre-hatob übernommen und läßt sie vollenden; schon an den hohen Feiertagen soll der Gottesdienst in ihr abgehalten werden, und dann täglich, wenn — Besucher sich einfinden. Versteht sich, nach unverändert altem Ritus mit Jekum-purkan, wahrscheinlich auch mit Mizwoth- Versteigerung. Es ist dies abermals eine Konzession an die äußerste Orthodoxie. Von Rabbinern ist jetzt nicht die Rede. Jndeß Juli und August sind die „sauren Gurken"-Monate, und im ganzen Thiergarten jetzt — kein Bankier zu Hause. Bonn, 30. Juli. Wir erhielten von einem Mitgliede des „Jüdisch-Theologischen Vereines" eine Berichtigung der in Nr. 28 enthaltenen Privatmittheilung aus Breslau über die Sitzungen des gedachten Vereins. Diese Berichtigung war aber in einem für unseren Correspondenten so injuriösen Tone abgefaßt, mit Schmähungen, die eines Rabbinen so wenig würdig sind, daß wir hier nur die in der Berichtigung aufgeführten Thatsachen aufführcn können. 1. Es waren nicht 20, sondern 27 Vereinsmitglieder erschienen. 2. 'Nicht Herr Dr. Grätz, sondern Herr De. Zuckermann ist zum Obmann des geschäftsleitenden Comitss gewählt und mit der Berichterstattung an die Oeffentlichkeit betraut worden. 3. An die Vorträge der Herren Dr. Freudenthal und Güdemann haben sich längere Debatten angeschlossen. Die Redaction. Crefeld, 25. Juli. (Privatmitth.) Wie in diesem Bl. berichtet worden, ist Herr Dr. Horowitz zum Oberrabbiner des hiesigen Sprengels, soweit dieser sich hierzu vereinigt hat, gewählt worden, und ward dieser nunmehr in diesen Tagen in sein Amt eingeführt. Dies wäre nun nichts Besonderes, da ich wohl weiß, daß es viel mehr auf die praktische Thätigkeit eines Geistlichen, als auf die bei seinem Amtsantritt geschehenen Festlichkeiten und gewechselte Reden ankommt.