Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1869)
- Date
- 1869-08-10
- Page
- Seite 639 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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689 zu fördern. Wir unsrerseits verbinden damit noch ein besonderes Ersparniß für diese Zeitung. Wir haben nämlich bis jetzt ein möglichst genaues Referat über alle erscheinenden Predigtsammlungen und einzelne Predigten gegeben. Die „homiletische Beilage" der vorliegenden Bibliothek überhebt uns dieser Mühe;, und werden wir von jetzt ab dieses Geschäft der gedachten Beilage überlassen, so lange die Bibliothek fortgeführt wird. £ Außerdem, daß das größere Publikum sich wenig für solche Mittheilungen interessirt, bewegt uns dazu die Wahrnehmung, daß die jüdische Homiletik, so weit sie in die Oeffentlichkeit dringt, seit geraumer Zeit in starkem Rückschritt begriffen ist, während sie an äußerlicher Verbreitung sehr gewonnen hat. In den meisten dieser Publikationen herrscht ein horribler deutscher Styl, unlogische Disposition, ein Mischmasch von Bibel- und Talmudstellen, gezwungene Auslegung u. s. w. Wir sind aber durchaus nicht gewillt, hiergegen einen Feldzug zu eröffnen, da dieser voraussichtlich erfolglos sein und nichts als zahllose Eitelkeiten verletzen würde. So etwas auf jüngere Schultern wälzen zu können, ist eine wahre Besriedignng. — Hiervon ausgehend fühlen wir uns nur verpflichtet, die uns eben zugesandten Predigten ihrem Titel nach hier aufzuführen, mit der Bemerkung, daß das obige Urtheil eben nur im Allgemeinen gelten und nicht speziell auf die folgenden Predigten bezogen werden soll. Denn es versteht sich von selbst, daß auch glänzende Ausnahmen vorhanden sind, und daß z. B. die Predigten von Sachs, Jellinek u. A. Zierden unserer Literatur sind. — „Durch Kampf zur Versöhnung!" Predigt, am Sabbath, den 24. Thammus 5629 (3. Juli 1869) während der ersten israelitischen Synode in der Gemeinde-Synagoge zu Leipzig gehalten, von Rabb. Dr. A. M. Goldschmidt. Leipzig, Leiner, 1869. — „Trauungsreden für alle Wochenabschnitte des Jahres. Bon Elias Karpeles, Rabb. zu Loschitz. Breslau, Schletter, 1870." — „Predigten von Dr. N. Brüll, Rabb. in Bisenz.!. Sammlung. Leipzig, Leiner, 1869." — „Leichenreden von Benedict Hause, Lehrer an der öffentlichen israel. Schule in Neukirchen. 2. Bändchen. Frankfurt a.M. H. Kaufmann, 1868." — „Durch's Dunkel zum Lichte! Eine Gastpredigt in der Neusynagoge zu Prag, von Dr. Sam. Müh sam, Rabbiner. Wien, Herzfeld und Bauer, 1869." — „Rede und Personalien, gesprochen bei Beerdigung des sel. Konferenz- und Bezirks-Rabbiners Leopold Schott zu Bühl am 22. Jan. 1869 von B. Millstätter, Stadt- und Bezirksrabbiner in Karlsruhe. Malsch u. Bogel, 1869." — „Dein Licht und deine Wahrheit." Sieben Predigten, gehalten im Tempel der Ahawath- Chesed-Gemeinde zu New-?)ork, von Dr. Ad. Hübsch, Rabbiner. I. Mühlhäuser, New-Uork, 1868." — „Die Freiheit unserer Zeit und der Friede. Festpredigt am 1. Tage des Peßach-Festes in der Synagoge zu Austerlitz von Ludwig Lichtschein, Rabbiner. Brünn, 1869." — Bonn, 29. Juli. Das Unwetter, welches Richard Wagner mit feiner berüchtigten Broschüre zum Ausbrnch brachte, und das uns manches dunkle Gewölk da zeigte, wo wir lichten Himmel vermutheten, bringt noch immer seine Nachzügler. Das sind kleine Regenwolken, die ihren segensreichen Inhalt noch auf den Boden schütten So folgende Broschüre: Richard Wagner's „das Judenthum in der Musik." Eine Abwehr von Joseph Engel. Leipzig, Leiner, 1869. Dieselbe hat uns Freude gemacht, und zwar um des Standpunktes willen, welchen der Berf. einnimmt. Er ist für die Theorien und Schöpfungen Wagner's und Lißt's nicht blos eingenommen, sondern ein unbedingter Anbeter, und da die Musik sein Lebensberuf ist, ist sein Urtheil nicht ohne Bedeutung. Allerdings läßt er den Meisterwerken Mozart's, Beethoven's, Mendelssohn's Gerechtigkeit widerfahren, aber nichtsdestoweniger sind ihm Wagner und Lißt die genialen Reformatoren der Musik, die im unbedingten Rechte sind und unermeßlich Großes geleistet haben. Dies macht ihn allerdings ungerecht gegen Alle, ie diesen, doch von den bedeutendsten Köpfen bestrittenen und nach unserer Ansicht doch widerlegten Standpunkt nicht einnehmen. Aber er ist doch nicht so befangen, daß er die sittlichen Auswüchse, die niedrige Gesinnung , die aller Wahrheit widersprechenden Urtheile Richard Wagners und die gemeinen Motive, aus denen sie fließen, nicht erkenne, und sich gedrungen fühle, sein Veto nachdrücklich einzulegen. Dies ist eben, was uns freut, denn Gerechtigkeit, wo wir sie finden, ist eine trostreiche, alle Wunden heilende Erscheinung. Wir theilen die Ansichten des Vers, über die beiden Musikhelden nicht, und das große Publikum in seiner unermeßlichen Mehrheit auch nicht, und wir möchten es durchaus für ein veraltetes Vorurtheil ansehen, wenn man in unserer Zeit das Endurtheil des großen Publikums in musikalischen Dingen mit verächtlichem Achselzucken behandelt. Das Publikum unserer Zeit bedarf musikalisch der Erziehung nicht mehr; es ist durch die