Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1869)
- Date
- 1869-08-10
- Page
- Seite 638 (sequence 6)
- Language
- German
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einem Menschenalter, einer Zeit, in welcher so viel für den Fortschritt der Menschen geleistet, für die Entwicklung des öffentlichen Lebens der Israeliten gekämpft und erobert wurde, bezüglich der Schulen wieder da angelangt sein, wo wir beim Auftreten des verstorbenen Oberraths Epstein waren: wir haben daun die christlichen Schulen, in welchen die israelitische Jugend sich die vorgeschriebenen Elementarkenntnisse erwerben kann, und daneben werden wir genöthigt sein, Religionsschulen zu errichten, welche wir aus Mangel an gebildeten Lehrern mit „Bachurim" neuesten Datums oder Vorsängern besetzen müssen, da wir nicht daran denken können, einen wirklich. gebildeten Lehrer für diese nur mangelhaft dotirten kleinen Stellen zu erhalten. Denn es wird wohl Niemand glauben, daß ein strebsamer junger Mann israelitischer Confession sich dem Schulfach widmen wird, jetzt, wo die Aussichten auf diesem Felde, eine ersprießliche Thätigkeit, eine angemessene Existenz zu gründen, sich so sehr vermindert haben. Nach dieser nur skizzenhaften Darstellung, fährt der Verf. weiterhin fort, drängt sich uns von selbst die Frage auf: können oder sollen wir Angesichts der geschilderten Thatsachen etwas thun, undwas? um Nachtheile, wie sie offenbar, wir sagen nicht die Schule, sondern die israelitischen Lehrer treffen, zu beseitigen, bez. hintanzuhalten. Es kann sich selbstverständlich, wie auch schon aus unsrer Eingangs ausgesprochenen Ansicht hervorgeht, nicht urn eine Opposition gegen das Schulgesetz und dessen Durchführung, etwa durch Hintertreibung der Einführung von gemischten Schulen, wo sie beantragt worden, handeln, um den jüngern Leuten, welche sich dem Schulfache widmen, mehr Aussichten zu bieten, sondern nach unserm Dafürhalten ist der einzige Weg der: daß wir alle gesetzlichen Mittel in Bewegung setzen, um allen Schulen den konfessionellen Charakter zu nehmen: daß die Volksschulen Staats-, beziehungsweise Kommunalschulen werden, daß man die konfessionellen Seminarien zu Staatsseminarien ohne konfessionellen Charakter macht. Nur dann ist es möglich, daß auch eine verhältnißuläßige Zahl junger Israeliten sich dem Schulfache widmet, mit der Aussicht und den Ansprüchen, Verwendung zu finden, und daß sie sich als Lehrer so gut vereigenschaften als die Angehörigen anderer Konfessionen, haben sie seit mehr als dreißig Jahren genügend bewiesen. Aber noch einen Punkt bringt der Berf. zur Sprache. Seit der Errichtung öffentlicher israelitischer Schulen ist jährlich eine gewisse Anzahl junger Leute — wir kennen die Ziffer nicht genau, etwa 10—12 — dem mit Recht oder Unrecht verpönten Handel entrissen worden und zwar fast ausschließlich aus der Klasse der ganz Unbemittelten. Diese jungen Männer konnten sich selbst eine ersprießliche Wirksamkeit, eine ehrenvolle Existenz gründen; sie haben ihre armen Verwandten moralisch und materiell gehoben, sie haben anregend und bildend auf ihre Heimathsgenossen gewirkt. Dies wird, fürchten wir, in Zukunft aufhören. Wir werden statt angehende Lehrer so viel mehr angehende Händler oder Kommis haben, oder ein noch größeres Kontingent zur Auswanderung nach Amerika stellen. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 29. Juli. „Bibliothek jüdischer Kanzelredner. Eine chronologische Sammlung der Predigten, Biographieen und Charakteristken von (werden die Namen der bekanntesten jüdischen Kanzelredner aufgeführt). Für Rabbiner, Prediger und Lehrer und als Erbaunngsbuch für die Familien herausgegeben vnn Dr. M. Kayserling, Rabbiner. Nebst einer homiletischen Beilage. 1. Jahrgang. Erstes Heft. Berlin, 1869, Julius Springer." Wir haben über dieses neue literarische Unternehmen bereits berichtet, und die erste Lieferung, die uns hier vorliegt, zeugt von dem richtigen Takte, mit welchem der Herausgeber zu Werke geht, und die Sachkenntniß, die ihn dazu befähigt. Wir wünschen daher diesem Werke die günstigste Aufnahme und eine weite Verbreitung, durch welche es eines dauernden Fortganges sich erfreuen könnte. Dann würde es eine fühlbare Lücke ausfüllen. Dieses erste Heft bringt außer einer Einleitung die Biographien, Bibliographien und Predigtproben von Joseph Wolf, Jacobson, Günsburg, I. L. Auerbach, Zunz, Kley und Wohlwill. Die homiletische Beilage giebt eine Uebersicht der spanisch-portugiesischen Kanzelredner und dann Kritiken über die jüngsten jüdisch-homiletischen Erscheinungen. Es ist eine wahre Pflicht des jüdischen Publikums, dieses, auch äußerlich schön ausgestattete Unternehmen