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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-08-03 · Heft 31 (3.8.1869) · p. Seite 629

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 31 (3.8.1869)
Date
1869-08-03
Page
Seite 629 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudcnthums. Feiiilleton-Eeilage M Ar. 31. Leipzig, den 3. August. 1869. Ein Musikant. Erzählung aus der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, i Fortsetzung.) 8. Ein Zusammenstoß. Der leidenschaftliche Wirth und Meister unseres Jakob kümmerte sich wenig oder garnicht um dessen Aussehen und Gebühren. Er war zu sehr in sein System und seine Methode verrannt und glaubte in Jakob so sicher das ihm von Gott gesandte Werkzeug zur Verwirklichung seiner Pläne zu haben, als daß er auf Nebendinge, und als solche betrachtete er alles Andere, aufmerksam gewesen wäre. Nach den Phantasien unseres Geigers fragte er auch garnichts mehr; er hatte durch sie und deren Anreizung zu immer wilderer Leidenschaftlichkeit Jakob nur die Richtung angeben wollen, die er für musikalische Schöpfungen als die allein wahre und wirksame anzusehen habe. Zeitweise Abspannung konnte ihn nicht irre machen, sondern erschien ihm vielmehr als eine innerliche Sammlung des Genius seines Schülers. Nach einiger Zeit erschien ihm daher der Augenblick gekommen, wo Jakob die erste Probe seines Unterrichts und seines Talentes geben solle. Er hatte ihm nun lange genug sein System auseinandergesetzt, ihn mit den äußeren Satzungen der musikalischen Cowposition, soweit er sie überhaupt gelten ließ, bekannt gemacht, und trat daher eines Morgens mit feierlicher Haltung auf Jakob zu, und sagte zu ihm: „Nun, Jakob, bist du lange genug Schüler gewesen: du mußt zeigen, daß du zum Meister geboren worden, und den ersten Schritt in der Erlangung der Meisterschaft thun. Ich hoffe, du wirst sogleich einen so großen thun, daß du die Mehrzahl deiner Vorgänger hinter dir läßt. Dein Stern wird aufgehen an dem noch so dunklen Himmel der Musik, leuchtend, glänzend und in kurzer Zeit zur Sonne werden." Wäre Gerschom nicht allzusehr in seine eigene aufgeregte Einbildung versunken gewesen, hätte er einen prüfenden Blick auf die Gesichtszüge und die Gestalt des armen Jungen geworfen: seine Zuversicht hätte etwas an ihrer Sicherheit verloren, sein Muth wäre schwächer geworden. Denn von diesen beiden Eigenschaften, welche die ersten Bedingungen jedes bedeutenden Schaffens sind, trug Jakob garnichts mehr in sich. Er hatte jetzt Ansichten über die Musik bekommen, aber diese waren so wirre und widersprechend, so chaotisch und unsicher, daß es ihm besser gewesen, er hätte sie nicht erhalten. Gerschom nahm die gebeugte, eingesunkene Gestalt, nahm das bleiche verfallene Gesicht und die niedergeschlagenen Augen für die natürliche Bescheidenheit des jungen, in Armuth und Noch erwachsenen Mannes, und mehr noch für die Demuth des Jüngers vor seinem großen Meister, und schöpfte in seiner Hoffahrt nur die Ueberzeugung heraus, daß ihm dieser sein Schüler in aller Zukunft aufs Wort folgen würde. Seine eitle Seele jubelte, daß sich hier die Einsicht des Lehrers mit der Schöpferkraft des Schülers zu einem unzertrennlichen Paare zusammengefunden, vor deren Vereinigung die Welt sich beugen und zu ihren Füßen liegen müsse. Staune nicht, Leser. Nicht blos in das Innere der Natur, schon in das Innere eines Menschenherzens dringt der Blick des Sterblichen nicht und die Wände des Brustkastens scheiden zwei Seelenreiche mit so hohen Mauern von einander, daß auch diejenigen, die am nächsten zusammengrenzen, wenig von einander zu schauen und zu erkennen vermögen. Es bleibt hier nur Alles Ahnung und Voraussetzung; und wenn du noch so innig selbst den, den du am meisten liebst, umarmst und an dich drückst, und er den Druck deiner Hand und deiner Lippen erwidert, weißt du doch nicht, was in diesem Augenblicke in seinem Herzen vorgeht. Gerschom fuhr fort: „Wirklich, Jakob, du sollst nun deine erste Arbeit machen. Du bist nun genugsam eingeweiht, jetzt zeige, was du kannst. Ich hoffe, es wird etwas Bedeutendes, und was Fehlerhaftes und Schwaches darin sein wird, wollen wir schon hinausschaffen. Ha, Friedemann Bach, du sollst doch noch erfahren, was Gerschom vermag, und daß er allein Recht hat! . . . Nimm dein Psalmbuch, Jakob, ich habe dir eine schöne Stelle ausgesucht, wo du alles Mögliche anbringen kannst, die saftigsten Farben, die schärfsten Contouren. Schlage den 104. Psalm auf und lies Vers 19—23,

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