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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-08-03 · Heft 31 (3.8.1869) · p. Seite 621

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 31 (3.8.1869)
Date
1869-08-03
Page
Seite 621 (sequence 9)
Language
German
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621 ausgenommen hat. Und das ist dann eigentlich auch das Fundament, ohne das jeder Weiterbau ein Bau auf den Sand, ein Luftgebäude wird, und darum wird es nie früher angehen, ein den hohen Anforderungen der Sprachwissenschaft entsprechendes Lexicon zu schreiben, bis nicht das Sprachgut selber in möglichster Vollständigkeit, und was besonders wichtig ist, in der rationellsten Anordnung vor uns ausgebreitet liegt. Dieß ermöglichen aber erst recht die Particularlexica. Und nun sind wir beim Talmud angelangt. Der Talmud ist derart abgefaßt, daß sein Sprachinhalt gar nicht anders, als in einem Particularlexicon verarbeitet werden kann, sofern man nämlich die praktische Rücksicht im Auge hat, ein Werk zu liefern, das das Verständniß des Talmud wesentlich fördern soll. Jedermann weiß, welche polyglotte Färbung jedes Stück dieses großartigen und einzigartigen Literaturproduktes aufweist: reines biblisches Hebräisch, spätes gesetzessprachliches (Mischna), reines Babylon.-Chaldäisch, palästinisches Syr.-Chald., ein massenhafter Schatz von Fremdwörtern, theils eingebürgerter, bewußter, theils unbewußter Fremdwörter — nun denke man, es würden die einzelnen Sprachelemente in den Wörterbüchern der betreffenden Sprache ausgenommen (was selber schon eine fast unmögliche Voraussetzung) und es wolle nun einer mit Zuhilfenahme von diesen Wörterbüchern im Talmud Studien machen! Nein, der Talmud, wie er in allen Stücken eigenthümlich ist, ist er es auch hierein, er verlangt sein eigenes Lexicon, trotz des Sträubens der neuen Sprachgelehrten. Eine solche grundlegende Arbeit zum Verständnisse des Talmud verdanken wir dem Römer Nathan b. Jechiel aus der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts, dessen lexicographisch-encykloplädisches Werk ‘Arükh eine unerschöpfliche Fundgrube für Sprache und Alterthümer des Talmud ist. Wer aber nach dem Vers, des ‘Arükh für die lexicographische Bearbeitung des Talmud unstreitig das größte Verdienst hat, unter allen Arbeiten auf diesem Gebiete, — Herr Fischer spricht über dieselben in seiner lehrreichen Praefatio, die erst zu Heft 12 und 13 erschien — ist unstreitig der Baseler Theologie-Professor Joh. Buxtorf aus dem 16. Jahrhundert. (Eine biographische Arbeit „die Buxtorfe" von Dr. Kahserling soll eben im Druck sein). Man mag dem alten, ehrlichen Buxt. hie und da einen Schnitzer Nachweisen, daß man einen Augenblick stutzig wird — eine Mühe, der sich einmal Zunz unterzog —, aber Thatsache ist es, daß sein Lex. für Christen wie für Juden bisher wenigstens unentbehrlich, und neben dem ‘Arükh die Zuflucht ist, die Jeder aufsucht, wenn er sich über einen sprachlichen Punkt unterrichten will. Es war deshalb ein ebenso praktisches, als wissenschaftlich förderndes Unternehmen. daß der gelehrte Herr Dr. B. Fischer an eine neue Herausgabe des geschätzten Werkes ging, und daß er es dabei an Mittheilungen seiner eigenen Ansichten, an zahlreichen Zusätzen tfchlender Artikel), an Berichtigungen falscher Erklärungen, zumal aus den anderen semitischen Idiomen, die leider bisher so wenig herangezogen wurden — die talmud. Sprach - erklärung unter den Juden steckt noch bis über den Hals in Latinou. Gräkomanie, worinnen sie ersticken muß — überhaupt an den Nachbesserungen eines mit bedeutendem Wissen ausgestatteten Fachmannes durchaus nicht fehlen ließ. Wenn die Noten sich hie und da in Excurse verwandeln über geschichtliche (so p. 68 die lehrreiche Note über die Synhedrialhäupter und die Tannaiten- und Ammoraimreihe von Dr. Goldschmidt), oder archäologische (so über Engel im Judenthum p. 102) Dinge, so gehört dies zwar streng genommen nicht in ein Lex., aber wir denken uns lieber, „sieh nicht auf den Krug, sondern auf das, was darin ist.'' Wir heben heraus: Die Ableitung des schwierigen von i::' -n» (ähnlich wie rni?:r) p. 67, die Verbesserung von erpnv'i in ixpno'1“) (arab. und pers.l p. 286, als unhaltbar noi ----- cpacng oder gar usus p. 329, als annehmbar rP-naT ----- satmrra (syr. in Matt. 23, 25» mit den daran sich knüpfenden Erklärungsgründen p. 333 f., die Note zu sirc-np« p. 112 (gegen Lagarde» u. s. w. Wir müssen diesem Uilternehmen eine erfolgreiche und schnelle Fortsetzung wünschen, zumal da Herr Fischer einen besonderen Anhang über den Wortschatz des jerusalemischen Talmud verspricht, wozu ein Glossar geradezu ein Bedürfniß ist. Die talmud. Lexicographie nimmt jeden Beitrag dankbarst an, denn aus solchen Beiträgen wird sie zum ansehnlichen Gebäude erstehen. 31

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