Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1869)
- Date
- 1869-08-03
- Page
- Seite 618 (sequence 6)
- Language
- German
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618 schlechts und ohne Unterschied des Glaubens. Sie wurde beinahe ganz mit lernbegierigen Juden gefüllt — aber die unselige Proselytenmacherei verdarb bald diese in der That wohlthätige und für die Zukunft viel versprechende Anstalt. Die voreilige Taufe eines Judenknaben brachte die ganze Judenheit in Harnisch; die Rabbiner verboten in den Synagogen unter Bannfluch die fernere Beschickung dieser Schule. Von dieser Stunde an blieb sie denn auch verödet, selbst die wenigen deutschen Kinder kamen nicht mehr. In Bukarest dagegen hat die Mission in ihrer Schule noch Judenkinder, ja selbst eine, wenn auch sehr geringe, Proselyten-Gemeinde aufzuweisen. Dies kommt daher, daß die nur wenige Tausend Seelen zählende jüdische Bevölkerung von Bukarest aus beinahe lauter sogenannten spanischen Juden besteht, welche dem Zeitgeiste mehr Rechnung tragen und sich in ihrer äußeren Erscheinung von den Christen überhaupt gar nicht unterscheiden, während die jüdische Gemeinde von Jassy, die an 36,000 Seelen zählt, zu den polnischen Altgläubigen gehört, mit ihren Brüdern in dem nahen Galizien und Rußland in steten Handels- und anderen Beziehungen lebt, auf ihre althergebrachten Sitten und religiösen Gebräuche mit großer Strenge hält — ja sich selbst durch ihre Tracht von der übrigen Bevölkerung wesentlich unterscheidet. Merkwürdiger Weise bildete sich in neuerer Zeit gerade in dieser Jassyer Gemeinde ein israelitischer Verein, der die soziale und politische Freiheit der Juden anstrebt und in seiner Propaganda der Welt die Ueberzeugung beizubringen sucht, daß die Juden die eigentliche Avantgarde der Freiheit in der Welt bilden. Moses, sagen die Stimmführer dieses Vereins, sei es vor Allem gewesen, der die Lehre von den Menschenrechten, von der Gleichberechtigung und der Freiheit ausgestellt, und die Mission der Juden sei es, nachdem sie ihr Vaterland verloren, diese Lehre durch die Welt zu tragen u. s. w. *) I-es extremes se *) Wir können uns nur freuen, daß gerade in mitten einer, noch so sehr auf dem alterthümlichen Standpunkte sich befindenden Gemeinde sich dieselben Ansichten und Grundsätze aussprechen, welche wir, und mit uns so viele erleuchtete Männer mitten in den Culturländern seit so vielen Jahrzehenden zum Ausdruck bringen. Einen stärkern Beweis dafür, daß sie das wahre Wesen des Judenthums sind, kann man wohl nicht fordern und leisten. Die Redaktion. tonebent: eine solche Manifestation einerseits und die englische Judenbekehrungs-Mission andererseits. Als nach dem letzten Krimkriege die Judenverfolgung in Fokschany und Umgebung ausbrach und immer größere Dimensionen anzunehmen begann, befand sich die Regierung den sie drängenden jüdischen Deputationen dieser Städte gegenüber in nicht geringer Verlegenheit. Es ist nämlich bekannt geworden, daß schon seit einiger Zeit judenfeindliche Hetzschriften in jenen Gegenden cirkulirten, und daß diese in der Druckerei des Metropoliten verlegt und zur Bertheilung an die Geistlichkeit von dort aus geschickt wurden. Nun ist Rumänien ein Wahlreich und die Stimmen der Geistlichkeit, namentlich der Bischöfe und insbesondere des Metropoliten, der beständiger Präsident der Landstände und Vorsitzer des fürstlichen Wahlkollegiums ist, sind von großem Gewicht. Man mußte schonend und doch bei der dringenden Gefahr peremptorisch zu Werke gehen, — man einigte sich endlich darüber, eine Pazifizirungscommission nach den aufständischen Orten zu schicken und ihr einen englischen Missionär beizugeben, von dessen Mitwirkung zur Besänftigung der aufgeregten Gemüther man sich das meiste versprach. Die Juden, welche der Regierung diesen Vorschlag selbst gemacht, um sie endlich zu einem Einschreiten zu vermögen, begaben sich nun zu diesem Missionär, ihn um seine Theilnahme an diesem Friedenswerke zu bitten. Der Missionär sagte zu, lud aber die Deputation und ihre dasigen Genossen auf den Abend ins Missionsgebäude ein, indem er ihnen einige wichtige Mittheilungen zu machen habe. Das Missionsgebäude war a>n Abend gedrängt voll, und ich war auch dabei. Der Missionär bestieg die Kanzel und hielt eine eindringliche Rede, worin er die Israeliten zu überzeugen suchte, daß allein ihre Hartnäckigkeit gegen das Christenthum alle Unruhe, alles Blutvergießen in der Welt Hervorrufe, und daß demnach Ruhe, Heil und Glück nur durch sie der Welt vorenthalten werde. Wie in Fokschany, so sei es in der Welt immer gewesen und so werde es bleiben, so lange die Juden nicht in sich gehen und sich nicht zum Christenthum bekehren. Hiernach aber wird das Paradies auf Erden sein! Weil es nun die Juden seien, die dieses Glück der Welt verhindern, sind die Menschen auf die Juden so erbost und gegen sie gereizt u. s. w. — Dem Missionär schien die Gelegenheit zur reichen Erndte günstig, — aber als er im besten Flusse seiner Rede war, erhob sich auf der Gasse ein Tumult, Steine flogen an die Fensterläden,