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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-07-27 · Heft 30 (27.7.1869) · p. Seite 603

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 30 (27.7.1869)
Date
1869-07-27
Page
Seite 603 (sequence 11)
Language
German
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603 glaubte, offen zu Tage, und hatten auch insofern Erfolg, als zahlreiche Personen (darunter namentlich Joseph Koväcs, Moses Kovücs, Moses Nagy, Paul Nagy, Samuel Nagh u. s. w.) faktisch zum Judenthume übertraten und auch die mit diesem Uebertritte verbundenen Zeremonien überstanden." Zu Vorstehendem wollen wir blos bemerken, daß „Koväcs" und „Nagy" bei den Ungarn häufig vorkommende Familiennamen sind und ersterer „Schmied," letzterer „Groß" bedeutet, sowie daß die hier genannten Sabbathianer biblische Vornamen, wie Joseph, Moses. Samuel, haben. — Nun gehen wir zu den Mittheilungen unseres wakkeren Gewährsmannes, des bereits genannten Herrn Popper, über. Derselbe war vorige Woche in Zenta, einer mehrere Stunden von hier entfernten echt ungarischen Stadt, bei seiner an den dortigen Kaufmann Wolfinger verehelichten Tochter zu Besuch und traf daselbst den Bruder dieses seines Schwiegersohnes, den in der obigen Correspondenz des „Magyar Polgar" genannten Salomon Wolfinger, nebst seiner Frau, der Sabbathianerin, deren Gesichtszüge unverkennbar den jüdischen Typus bekunden, sowie auch einem ungefähr 50jährigen Sabbathianer, besten Physiognomie jedoch den Juden nicht verräth. Beide sprechen nur ungarisch, wie die übrigen Sabbathianer. Jener Salomon Wolfinger, der Sohn eines achtbaren, altfrommen Handelsmannes in Zenta, hatte das Seifensiederhandwerk erlernt und war vor 6—7 Jahren nach Siebenbürgen gewandert. Dort traf er eines Tages auf der Landstraße einen ungarischen Bauer, der eben seine Pferde tränkte. Sie knüpften ein Gespräch an und im Laufe desselben fragte ihn der Bauer, wohin er wandere. Nach Marosvüsarhely (Stadt im Szöklerlande, antwortete W. Der Bauer äußerte nun, daß er in Bözöd-Ujfalu, einige Stunden nur von der genannten Stadt entfernt, wohne und ihn bis dorthin auf seinem Wagen gerne mitnehmen wolle, welchen Antrag W. mit Freuden annahm. Unterwegs legte W. die Gebetriemen (Thefilin) an und verrichtete das Morgengebet. Als der Bauer dies wahrnahm, war er ganz überrascht und sagte zu W.: „Du bist Jude?" „Ja." „Run ich bin es auch; ich bin nämlich Sabbathianer." Hierauf erzählte ihm der Bauer Näheres über diese jüdische Secte, und als sie in sein Haus kamen, trug er ihm seine Tochter zur Frau an, und da diese dem W. wohlgefiel, ehelichte er sie. Sie war bereits Wittwe, und zwar war ihr erster Ehemann ebenfalls ein Jude, von dem sie sich aber scheiden ließ, weil er in der Ausübung der jüdisch-religiösen Satzungen und Ceremonien sehr lau gewesen. „Az sem zsidö, sem „goi“ nem volt" (Der war weder ein Jude, noch ein „Goi" —Christ—) äußerte sie in Zenta. Die Sabbathianer sollen nämlich alle streng religiös sein, welche Wahrnehmung Herr Popper, der ein eifriger Anhänger der religiösen Reform ist und sich über veraltete Observanzen hinwegsetzt, bei dieser Frau und dem Sabbathianer in Zenta auch wirklich wahrzunehmen Gelegenheit fand. So z. B. trägt die Frau das Haupthaar ganz unter einer sogenannten Haarhaube verborgen und genießt sie nichts im Hause ihrer Schwägerin, der Tochter des Herrn Popper weil diese das Haar frei trägt, also nicht in ihrem Sinne religiös ist, sondern sie speist nur im Hause ihres Schwiegervaters. *) Durch seinen Schwiegervater wurde W. mit den übrigen Sabbathianern seines neuen Wohnortes bekannt, und er erfuhr über ihren Ursprung folgendes: Als das, auch Ungarn umfassende mächtige Reich der Hunnen — dieses mit den Magyaren oder Ungarn verwandten scythischen Volksstammes — um das Jahr 409 vor der jetzigen Zeitrechnung zerfiel und die Hunnen wieder nach Asien zurückgedrängt wurden, ließ sich, wie geschichtlich erwiesen ist, ein Theil derselben in Siebenbürgen nieder, von denen die jetzigen Szekler — ein magyarischer Volksstamm — abstammen. Unter diesen in Siebenbürgen angesiedelt gewesenen Hunnen wohnten auch Juden, die einige und sechzig Gemeinden gebildet haben sollen. Als nun die Ungarn und stammverwandten Hunnen, namentlich durch den ersten ungarischen König Stefan den Heiligen, welcher um das Jahr 1000—1004 d. jetz. Zeitrech. Siebenbürgen erobert hatte, zum Christenthume bekehrt wurden, waren die dortigen Juden großen Verfolgungen ausgesetzt, und wer unter ihnen sich nicht zum Märtyrer seines Glaubens weihte, wurde gezwungen, das Christenthum anzunehmen und mußte es wenigstens äußerlich bekenne». Die meisten blieben im Geheimen Juden, gleich den durch die Inquisition verfolgten spanischen Juden — Marranen — *) Unter den Sabbathianern soll es verhältnißmäßig zahlreiche Hagestolze und alte Mädchen geben, weil sie sich seit jeher nur unter einander verheiratheten und sie vor der neuen constitutionellen Aera sich nicht als Juden geriren durften, also auch mit solchen nur höchst selten ein Ehebündniß eingehen konnten. 30*

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