Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1869)
- Date
- 1869-07-27
- Page
- Seite 602 (sequence 10)
- Language
- German
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602 Geistlichen bestehenden Convent in Klausenburg, welcher beschloß, die ganze Sache der polnischen unitarischen Kirche zur Entscheidung anheimzustellen; und David versprach, sich diesem Bescheid fügen zu wollen. — Ehe jedoch der Bescheid kam, berief er auf den 24. Febr. 1579 eine Kirchenversammlung nach Torda ein; weshalb Blandrata ihn dem Fürsten Christoph Bäthori als Glaubensneuerer denunzirte. In Folge dessen wurde David vom Karlsburger Landtag am 2. Juni deffelben Jahres zu lebenslänglichem Gefängniß verurtheilt. Der Fürst ließ ihn nach D6va bringen und da starb der Gefangene am 6. Juni im Alter von 69 Jahren. (Blandrata selbst wurde von seinem Neffen, welcher der katholischen Kirche anhing, 159V ermordet.) So viel über die Anfänge der unitarischen Konfession, die vom Tordaer Landtag im Jahre 1568 gesetzlich anerkannt wurde und daher in diesem Jahre ihren 300jährigen Jahrestag feiert." (Die Unitarier besitzen ein geordnetes Kirchen- und Schulwesen und zählen in Siebenbürgen circa 50,000 und in der Militärgrenze 50 Seelen.) Weiter heißt es im „P. L.": „Es ist hier am Orte, zu erwähnen, daß die unitarische Konfession in der ersten Zeit ihres Bestandes selbst wieder die Mutter eines neuen Glaubens wurde. Sie beruhte auf der strikten Auslegung der heiligen Bücher, die stets nur von einem Gott sprachen, und unter denjenigen, welche sich auf diese Art an den Wortlaut der Bibel hielten, fanden sich dann Einige, welche in dieser Beziehung einen Schritt weiter gingen. So entstand eine Secte, welche, sich auf das alte Testament berufend, den Sabbath anstatt des Sonntags als den von Gott gebotenen Ruhetag feierte und, wie es heißt, auch die Gebote über die erlaubten und die unreinen Speisen hielt. Es waren dies die „Lzombatosok" — „Sabbathianer". Als der erste Urheber dieser Sekte wird Andreas Eösi in St. Erzsobet genannt, der seine Lehre im Jahre.1588 zu predigen begann. In einer Strophe eines Gebetes dieser Sabbathianer hieß es: „Die alten Heiligen vor Christus, Die Dich gekannt, Haben das Wort Dreieinigkeit Durchaus nicht gehört; Haben sie also, o Herr, Dich bis dahin nicht gut gekannt? Du hättest es gleich bei der Schöpfung gesagt, Wenn Du mehr gewesen wär'st." Außer dem Sabbath scheinen sie auch, was die übrigen Festtage anbelangt, sich an den biblischen Kalender gehalten zu haben. So hieß es in einem ihrer Lieder: „Uj esztendöt, a nagy Urnak, ki szentel igazän, Tisri hönak törveny szerint tartja elsö napjän." «Wer dem großen Herrn wahrhaft dient, hält das Neujahr dem Gesetze gemäß am ersten Tage des Monats Tischri.) Die Sabbathianer wurden bald unterdrückt, ihr Bekenntniß wurde gesetzlich verboten und mit Grausamkeit verfolgt. Es soll aber trotzdem selbst heute noch im Szoklerlande einige Ortschaften geben, in welchen die verpönte Sekte noch heimlich fortexistirt. Gelegentlich der Erwähnung dieser judaistrenden Confesston möge auch die judaisirende Philologie erwähnt werden, mit welcher Szökely Sandor seine Geschichte der siebenbürgischen Unitarier einleitet. Er erwähnt große jüdische Kolonien, die schon zur Zeit des Dakoromanischen Reichs in Siebenbürgen existirt, und Berg- und Weinbau getrieben haben sollen, und führt zum Beweise besten nebst einigen alten jüdischen Inschriften auch noch Namen und Dialektwörter an, in welchen er Ueberreste der hebräischen Sprache findet. Im Januar d. I. brachte ferner der in Siebenbürgen erscheinende „Magyar Polgar" (Ungarischer Bürger) über den auch in diesen Blättern mitgetheilten Uebertritt zahlreicher Sabbathianer aus B. Ujfalu zum Judenthume nachstehende ausführlichere Daten: „Vor Kurzem hat sich in der genannten Ortschaft ein Jsraelite Namens Salomon Wolfinger niedergelassen, dort ein Geschäft eröffnet und ohne Hinzutreten irgend einer geistlichen Person sich mit der Tochter eines dortigen Landwirthes Namens Paul Kovacs vermählt. In Bözödujfalu zählten bereits damals zahlreiche Einwohner im Geheimen zu den Sabbathianer»; der erwähnte Jsraelite hatte sich jedoch schon in der Absicht in Bözödujfalu niedergelaffen, die Sabbathianer daselbst zum Uebertritt zum Judenthum zu bewegen, und er hatte sich auch aus diesem Grunde mit der Tochter des Sabbathianers Kovacs vermählt. Seit dieser Zeit gewann er einen immer wachsenden Einfluß in der Gemeinde und während vorher die Agitationen nur im Geheimen betrieben wurden, traten sie später, da man sich zu denselben durch den 53. G.-A. vom Jahre 1868 berechtigt