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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-07-27 · Heft 30 (27.7.1869) · p. Seite 604

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 30 (27.7.1869)
Date
1869-07-27
Page
Seite 604 (sequence 12)
Language
German
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604 und solche, der Religion ihrer Väter Jahrhunderte hindurch treu gebliebene Juden wären die Sabbathianer, welche von Kaiser Franz die Erlaubniß erhalten hätten, den Sabbath statt des Sonntag zu feiern, woher ihr Name. Dagegen die übrigen Festtage mußten sie mit den Christen feiern. Salomon Wolfinger, wie bereits erwähnt, im orthodox jüdischen Glauben erzogen, fing alsbald an, die Sabbathlaner seines Wohnortes, deren Religion im Laufe der Jahrhunderte zu einem Gemisch von jüdischen und christlichen Satzungen sich gestaltet hatte, in den ihnen abhanden gekommenen jüdischen Religionssatzungen zu unterweisen, und da sie von Seite der Regierung — bei der gegenwärtigen liberalen Strömung— kein Hinderniß zu besorgen zu haben glaubten, beschlossen sie, ihren uralten Glauben nunmehr wieder öffentlich auszuüben, sich demgemäß frei als Juden zu bekennen und als solche zu leben. Infolge dessen unterzogen sich die Mannspersonen auch der betreffenden Operation u. z. die Erwachsenen der Art, indem sie während derselben an die Wand des Zimmers gelehnt standen. Da aber die Bildung neuer Religionssecten bei der Regierung nicht beliebt ist,*) so wurde gegen die Sabbathraner, sowie gegen den als Proselytenmacher denunzirten W. eine Untersuchung eingeleilet. Die Sabbathianer erklärten jedoch, daß sie nicht durch W. zur Abjchwörung des Christenthums verleitet worden seien, sondern im Geheimen stets, gleich ihren Vorfahren, Juden gewesen und von nun an auch öffentlich sein wollen, auf welche Erklärung hin sie nicht weiter behelligt wurden. Sie faßten hierauf den Entschluß, sich zu einer eigenen Cultusgemeinde zu constituiren. Sammt den Sabbathianer-Familien einer benachbarten Ortschaft, welche ihre dortigen Eigenschaften veräußerten und nach Ujfalu übersiedelten, zählt diese Gemeinde gegenwärtig gegen 150 Seelen. Sie ließen gänzlich ab von dem Genüsse der verbotenen Speisen, stellten einen Vorbeter und Schächter an und begannen, den Gottesdienst nach altjüdischer Weise abzuhalten. Auch beabsichtigen sie den Bau eines Bet- und Schulhauses. Der Schwiegervater des W. schenkte zu diesem Behufe einen Bauplatz, wie auch außerhalb des Ortes ein Stück Feld zum Gottesacker. Die Handwerker unter ihnen, als Maurer, Zim¬ *) Die vor ungefähr einem Decennium [in hiesiger Umgegend entstandene christliche Secte der Nazarener oder Nachfolger Christi zählt noch gegenwärtig nicht zu den anerkannten Confessionen. merleute, erboten sich, die betreffenden Arbeiten beim Bau unentgeldlich zu liefern. (Die Nichthandwerker unter den Sabbathianern sind sämmtlich Ackersleute.) Zur je schnellern Ausführung des Baues appellirt nun diese Gemeinde auch an die Milhülfe der Glaubensgenossen, zu welchem Zwecke W. mit dem ihm beigegebenen Sabbathianer eine Rundreise nach den größeren Gemeinden Ungarns unternimmt. Herr Popper sah bei ihnen Zeugnisse vom Hermannstädter Oberrabbiner Siebenbürgen), von dem renommirten Oberrabbiner Steinhardt in Arad und Dr. Hirschfeld in Temesvar, sowie von andern angesehenen Männern. Von Zenta aus reisten sie nach Pest, um dort für den gedachten Zweck zu wirken. Die Pester israel. Religionsgememde hat ihnen übrigens bereits früher circa 100 St. hebräisch-ungarische Gebetbücher, Gebetmäntel, Gebetriemen und Arba Kanfoth zugesandt. Herr Popper sah bei W. und seinem Begleiter in Zenta ein geschriebenes sehr altes Gebetbuch der Sabbathianer in ungarischer Sprache, dessen Papier bereits ganz vergilbt ist und an dem vorn einige Blätter fehlen. Die in demselben enthaltenen Gebete sollen eine treue Uebersetzung jüdischer Gebetstücke sein. An die Pester Gemeinde haben sie vor einiger Zeck ein ebenfalls geschriebenes, gegen 400 Jahre altes und vollständig erhaltenes Buch der Psalmen Davids überschickt. Wenn ein Sabbathianer mehrere Söhne hatte, so vermachte er das, in der Familie von jeher als höchstes Gut geschätzte geschriebene Gebetbuch dem ältesten Sohne. Die Frau des W. lernte von ihm hebräffch lesen; die Sabbathianer sammt und sonders wollen es ebenfalls noch lernen. Dies sind die Details, welche ich der über allen Zweifel erhabenen Glaubwürdigkeit des wackern Herrn Popper verdanke. Ohne Zweifel wird das Dunkel, welches über diese jüdische Religionssecte oder diese getauften, aber im Geheimen ihre^ Religion treu gebliebenen Juden noch verbreitet ist, mit der Zeit mehr gelüftet werden. Vielleicht gelingt es dem Schreiber dieses, noch weitere Einzelnheiten über die Sabbathianer zu erfahren, welche auch alsdann den geschätzten Lesern dieser Blätter nicht vorenthalten bleiben sollen. Sal. Blum.

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