Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1869)
- Date
- 1869-07-20
- Page
- Seite 581 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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581 Herr Wolf beantwortete diesen Brief noch an demselben Tage folgendermaßen: Recorder's Office, Washington D. C., 21. Mai '69. Ihr Gesuch liegt mir vor und wird von mir hiermit in günstiger Weise berücksichtigt. Ich sehe in der Welt keinen Grund, warum Sie oder ihre Race in dem Ringen nach Fortschritt und Bildung nicht unterstützt und ermuntert werden sollten. Und ganz besonders freut es mich, daß es in meiner Macht steht, Ihnen eine Aufmunterung zu gewähren. Denn als Abkömmling einer Race, die eben so unter Verlästerung und Vorurtheilen litt wie die Ihrige, fühle ich, daß unsereSache eine gemeinsame ist; und dies Gefühl läßt mich vorhersehen, daß der Stein, den die Bauleute verwerfen, zum Eckstein unseres politischen und sozialen Baues werden mag. Mit größter Achtung: S. Wolf. Herr Wolf machte sein Wort sogleich wahr und fertigte dem jungen Douglaß seine Anstellung aus. (Nicht blos die That, sondern auch die Worte des Herrn Wolf gereichen diesem zu großer Ehre, und er handelte hierin so sehr als ein echter Vertreter des Judenthums, daß wir ihm auch diesseits des Oceans unfern Dank und unsere Anerkennung aussprechen. Redakt. d. A. Z. d. I.) Correspondenz. Monatsberichte aus Ungar». Neue Folge. III. Die Sabbathianer. Neu-Berbaß, im Juni 1869. Nach mchrwöchentlicher Dauer ist nun endlich die Adreßdebatte geschloffen, ohne daß jedoch in die Adresse jener Paffus der beiden Entwürfe der Opposition ausgenommen worden wäre, welcher den Wunsch nach Realisirung der vollständigen Religionsfreiheit ausdrückt. Es fragt sich nun, ob die Initiative in dieser hochwichtigen Angelegenheit vom Cultusminister, dem Baron Eötvös, ausgehen oder erst der Anregung von irgend einer andern Seite her bedürfen werde, um im Laufe der gegenwärtigen Reichstagssession ihre so dringende Lösung finden zu können. Außer den bereits früher erwähnten oppositionellen Rednern berührte auch der dramatische Dichter Ludwig Dobsa diese Frage und warf der Regierung vor, daß sie mit der politischen Gleichstellung der Israeliten in dieser Richtung noch nicht alles gethan habe, sondern daß sie die Religionsfreiheit hätte proklamiren müffen. Nun, lange wird wol weder die Regierung, noch der Reichstag mehr zögern, um dieses Grundprincip des wahren Liberalismus auch hierzulande zur Geltung zu bringen. Einen neuen eclatanten Beweis dessen, wie der Jude, selbst inmitten der drohendsten Verfolgungen, denen er durch die religiöse Intoleranz seiner Umgebung Jahrhunderte hindurch ausgesetzt war, seinem angestammten Glauben treu blieb, bin ich heute so glücklich, den geschätzten Lesern dies. Bl. liefern zu können. In Nr. 49 dies. Bl. vom v. Jahre war folgende Notiz zu lesen: „Im Dorfe Bözvd-Ujfaln (Siebenbürgen) ist dieser Tage, wie „Hon" meldet, die ganze den Sabbathianern angehörige Gemeinde, weil dieselbe als nicht recipirte Confession von den Geistlichen verfolgt wurde, zum Judenthume übergetreten. (Was sind das für „Sabbathianer?")" Auf diese Frage bin ich nun in der Lage, höchst intereffante Aufschlüffe geben zu können, welche ich dem «ackern und intelligenten Bicepräses der hiesigen israel. Cultusgemeinde, Herrn Leopold Popper, verdanke. Vorerst will ich jedoch hiehersetzen, was der „Pester „Lloyd" bei Gelegenheit der am 30. August v. I. stattgefundenen 300 -jährigen Feier der Unitarier über die Sabbathianer mittheilte, und da nach dem ebengenannten Blatte — entgegen den mir gewordenen mündlichen Angaben — die Entstehung dieser Secte mit der Stiftung der unitarischen Confession in unmittelbarem Zusammenhänge steht, so möge über die Unitarier folgendes hier einen Platz finden: „Siebenbürgen war ein vielbewegter Tummelplatz der Glaubenskämpfe sowie all' der mächtigen Erscheinungen des Reformationszeitalters, und die Keime des nnitarischen Glaubens, welche der italienische Arzt und Theologe Blandrata unter dem Fürsten Johann II. nach Siebenbürgen brachte, fanden da einen äußerst fruchtbaren Boden. Am 24. Februar 1564 wurde in einer Kirchenversammlung zu Karlsburg zum ersten