Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1869)
- Date
- 1869-07-20
- Page
- Seite 580 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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580 ende Empfehlung verdient, bringt in Nr. 13 einen Artikel über die Anstellung der jüd. Lehrer in Ungarn, der gewiß auch viele Leser dieser Zeitschrift interessiren dürfte. Zunächst rügt der Berichterstatter die „abenteuerlichen" Ernennungen der Schulinspectoren und fährt sodann fort: „Während aber dies eine die gesammte Lehrerwelt Ungarns betreffende Angelegenheit ist, sind die armen jüdischen Lehrer, die in Ungarn ein wahres Zigeunerleben zu führen gezwungen sind, noch von einer besondern, sozusagen von einer confessionellen Plage bedroht. In dem Volksschulgesetze, das der Landtag zum Schluffe der letzten Session votirte, ist das Priucip der Simultanschulen ausgesprochen, und die jüdischen Lehrer, die in den meisten jüdischen Gemeinden als Dienstboten betrachtet und behandelt werden, freuten sich schon, daß ihnen die Einrichtung der Simultanschulen durch den Verkehr mit den Lehrern anderer Confesfionen die Mittel in die Hand geben wird, sich aus der socialen Erniedrigung emporzuarbeiten. Mit dem jüdischen Congresse sind ihre Hoffnungen zu Wasser geworden. Die sogenannte Fortschrittspartei des Congresses decretirte auf ministerielle Veranlassung die confessionclle Schule; der Schöpfer des israel. Congresses, Baron Eötvös, verleugnete den Schöpfer des Volksschulgesetzes, Baron Eötvös. Doch hieran noch nicht genug, nahm der jüdische Congreß in sein Schulstatut eine Bestimmung auf, wonach jeder Lehrer verpflichtet ist, vor seiner endgiltigen Anstellung drei Probejahre zu „dienen," während welcher Zeit der Lehrer „nach vierteljähriger Kündigung" von der Gemeinde fortgeschickt werden kann. Wer den Kulturzustand und Bildungsgrad der meisten jüdischen Gemeinden kennt, wird wissen, was diese Bestimmung zu bedeuten hat. — Sie bedeutet ein endloses Zigeunerleben der jüd. Lehrer, denen es der Congreß nicht gegönnt hat einmal schon zur Ruhe zu kommen. Die in Pest angestellten jüd. Lehrer begaben sich zum Cultusminister und ersuchten ihn, wenn er auch nicht ihrem Elende ein Ende machen will, doch dasselbe nicht noch steigern zu wollen; mit einem Worte, sie baten ihn, er solle im Interesse des Liberalismus, seines guten Rufes und ihres Schicksals das Schulstatut nicht bestätigen. Der Herr Cultusminister antwortete den Bittenden: „Es ist mir sehr leid, daß ich Sie, meine Herren, darauf aufmerksam machen muß, daß Sie nicht die theure Zeit vergeuden sollen. Während Sie hier sind, müssen Ihre Schüler des Unterrichts entbehren. Gehen Sie nach Hause und kümmern Sie sich nicht um die öffentlichen Angelegenheiten, von denen Sie ohnehin wenig verstehen." Nach diesem kurzen, aber sehr verständlich vorgetragenen Capitel über den beschränkten Unterthanenverstand verließen die armen jüdischen Lehrer den „liberalen" Cultusminister, und sie gingen an ihre Arbeit; dem Cultusminister aber sind an ihnen neue und wegen des ihnen bevorstehenden Elendes unerbittliche Feinde erstanden. Amerika. Washington, 22. Mai. Der „Hebrew Leader" theilt eine wahrhaft erfreuliche Correspondenz mit. Herr Simon Wolf hier, welchen der Präsident Grant zum Register of Deeds für den Distrikt Columbia ernannt hat, erhielt von einem jungen und braven Neger, einem Sohne des farbigen Redners und Agitators Frederick Douglaß, folgenden Brief: Washington, D. C., 21. Mai '69. Mein lieber Herr! Ich habe die Ehre, Sie um eine Anstellung als Clerk in dem Bureau zu bitten, dessen Chef zu sein Sie die ausgezeichnete Ehre haben. Ich gehöre zu jener verachteten Klasse, welche unter keiner der früheren Regierungen auf dem Felde der Bewerbungen um Aemter bekannt war. Während des Kriegs diente ich in meinem Lande unter den Fahnen meines Geburtsstaates Massachusetts; und ich bin der Sohn eines Mannes (Frederick Douglaß», der einst in einer Sklaverei schmachtete, welche durch die Gesetze dieser Nation beschirmt wurde — einer Nation, für deren Erhaltung ich nebst vielen Anderen von meiner Race gekämpft habe. Ich bin meines Handwerks ein Buchdrucker; aber in Folge von Verbindungen, welche von Buchdrucker-Unionen im ganzen Lande eingegangen wurden, vermag ich keine Beschäftigung auf meinem Handwerke zu erlangen. Darum hoffe ich, daß Sie dieser meiner Bittschrift die günstigste Berücksichtigung zu Theil werden lassen. Ich habe die Ehre, achtungsvollst und ergebenst zu zeichnen: Friederick Douglaß, Ir.