Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1869)
- Date
- 1869-07-20
- Page
- Seite 576 (sequence 8)
- Language
- German
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576 jetzt immer von Neuem den Ruf nach einem Schisma ertönen lassen. Aber, die Beschimpfungen, die Verleumdungen, die Verdächtigungen der niedrigsten Art lassen wir uns von unfern Gegnern gefallen, ohne zu erwiedern; wir sind eben die religiösen, sie die irreligiösen, wir sind die gebildeten, sie die ungebildeten, die rohen, wir sind es, und sie sind es, denn wir und sie erweisen sich also — aber ein Schisma dulden wir nicht, und haben hierbei die ganze Judenheit auf unsrer Seite, die ganze Geschichte des Jndenthums! — Also keine Hierarchie, aber lebendige, sich fortentwickelnde Tradition, kein Schisma, aber — Autonomie, Unabhängigkeit, Selbstständigkeit, Selbstbestimmung und Selbstverwaltung der Gemeinden! Denn fragen wir, wodurch hat sich das Judenthum das freie Lehramt, die nicht abgeschlossene, nicht verknöcherte Tradition und dennoch die Einheit erhalten? so antworten wir: außer der Fügung der göttlichen Vorsehung und außer dem Wesen der Gotteslehre selbst — allein durch die Autonomie der Gemeinden, die keine Hierarchie und kein Schisma zuläßt! Diese Selbstständigkeit war stets das Eigenthum der israelitischen Gemeinde, in ältester Zeit, wo der Ortsgemeinde selbst die Gerichtsbarkeit über Leben und Tod gehörte, im Mittelalter, wo jeder Versuch einiger Fürsten, z. B. jüdische „Hochmeister" zu creiren, zurückgewiesen ward. Erst der Zeit des Absolutismus gelang es, den jüdischen Gemeinden unjüdische Institutionen aufzudrängen, sei es eine hierarchische Verfassung wie in Frankreich, sei es ein Aufsichtsrecht der Staatsregierung, die bis zu den Anstellungen eines Schächters oder Steuerboten geht, wie in Preußen; woraus wieder andrerseits das Gelüste der jüdischen Vorstände fließt, die Bureaukraten zu spielen und mit der Regierung in jeder unbedeutenden Sache zu correspondiren, sowie das Gelüste des jüdischen Publikums, jede Streitfrage, und sei sie noch so eine innere, vor die Regierung zur — Entscheidung zu bringen. Das ist 'alles unjüdisch, und ich fasse, um zu schließen, alle meine Gedanken in das Wort zusammen: Der Glaubenszwang ist der Glaubenskrieg, die Glaub ensfreih eit ist der Glaubeusfriede! Rechnungsabschluß des Institutes z. Förderung d. israelitischen Literatur für dessen 13. Jahr, 1. Mai 1898 bis 1. Mai 186 9. A, Einnahmen: . . 4317 Thlr. 27 Sgr. 11 Pf. B. Ausgaben: Defizit .... 99 Thlr. 13 Sgr. ii Pf. Honorar, Subventionen 1289 - 25 - — - Verwaltung . . . 530 - — - — - Papier, Druck, Buchbinder, Correktur . 2220 - 12 - 8 - Diverse, Porto und Versendung . . . 369 - 14 - 8 - 4509 Thlr. 6 Sgr. 3 Pf. Einnahme: 4317 Thlr. 27 Sgr. 11 Pf. Defizit: 191 Thlr. 8 Sgr. 11 Pf. Den Jahresbeschluß richtig und sämintliche Belege mit den Rechnungen übereinstimmend gesunden. Magdeburg, den 17. Juli 1869. Karl Friedeberg. M. S. Kaufmann. Literarischer Wochenbericht. Fankfurt a. d. Oder, 4. Juli. Menke's Bibel-Atlas. Bekanntlich sind auch in neuerer Zeit die Forschungen in dem „Lande der Bibel" mit großer Energie fortgeführt worden. Sollten nun alle, auf die eine, wie auf die andere Weise „ob und unter der Erde" gewonnenen Forschungs-Resultate constatirt werden, — und zwar der Art, daß sie dem Auge des Lern- und Wißbegierigen in einem Bilde sich veranschaulichen, — so war hierzu, wie man sich leicht denken kann, die Arbeit von Jahren erforderlich, — und eben diese hat Herr Th. Menke nicht gescheut, um seinen „Bibel-Atlas in acht Blättern" (erschienen bei Perthes in Gotha) zu einem sehr nützlichen Werke zu machen. Es muß und wird dasselbe bei dem höchst interessanten Studium der Geographie von Palästina ein um so willkommeneres Hülfsmittel sein, als wir hier das, was in der topographischen Erforschung des heil. Landes von Männern, wie Krafft, Robinson, Sepp, Tobler rc. geschehen ist, bedeutend ergänzt und erweitert finden.