Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-07-13 · Heft 28 (13.7.1869) · p. Seite 567

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 28 (13.7.1869)
Date
1869-07-13
Page
Seite 567 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226690-3226719--27391-3262968
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Soldaten und bekleideten Chargen. Schon vor dem Jahre 1848 war ein jüdischer Soldat, Simon Brisker, Major. Noch bevor der Judeneid in Oesterreich theilweise im Jahre 1846, und gänzlich im Jahre 1868 abgeschafft - wurde, bestand ein« gleiche Eidesformel für die Soldaten! der verschiedenen Confessionen. Bezüglich der Chargenverleihung heißt es im Dienstj reglement: „Sie muß gewissenhaft, ohne Parteilichkeit^ und nur mit Rücksicht auf das Verdienst, die Eigenschaften und die Conduite desjenigen, dem die Charge verliehen werden soll, ausgeübt werden." Bezüglich der Auswahl und der Bildung der Officiere heißt es: „Derjenige, welcher mit vorzüglichen Eigenschaften begabt und seine Talente zum großen Nutzen des Dienstes anwendet, muß allein ausgezeichnet und bei vorkommenden Beförderungen vorzüglich berücksichtigt werden." In der Thal ist die Zahl derjenigen israelitischen Soldaten, welche im österreichischen Heere Chargen bekleideten, verhältnißmäßig groß. Es giebt zahlreiche Rittmeister, Hauptleute, Oberlieutenants rc. israelitischen Glaubens in der österreichischen Armee. Im Jahre 1863 machte ich den Versuch, aus den Grundbüchern zu eruiren, wie viele jüdische Soldaten im österreichischen Heere sich befinden, doch mußte ich die Arbeit aufgeben, da ich keine anderen Anhaltspunkte für die Religion der betreffenden Individuen hatte, als die Namen, Kenn sie so zu sagen, jüdisch klangen, und das allein kann, wie sich von selbst versteht, nicht als Kriterium gelten. In welcher Weise die Juden ihre Pflicht als Soldaten in der österreichischen Armee erfüllen , sind wir nicht in der Lage zu beurtheilen. Wir fürchten jedoch nicht, dementirt zu werden wenn wir sagen, daß sie ihre Pflicht wie die andern Soldaten erfüllen. Die Schlachtfelder von Solferino, Custozza und Königgrätz haben die Wahrheit dieses Satzes neuerdings bestätigt, und wir glauben es aussprechen zu dürfen, daß, wenn Oesterreich wieder von einem Kriege heimgesucht werden sollte, so werden die israelitischen Soldaten sich wieder tapfer und muthig zeigen und den Beweis liefern, daß noch das Blut der Makkabäer in ihren Adern rollt. Hier sei es uns jedoch noch gestattet, eine Bemerkung zu machen. Man hat es den Juden öfters in früheren Zeiten zum Vorwurfe gemacht, daß sie Palästina als ihr eigentliches Vaterland ansehen; andererseits wieder hieß es, die Juden in den verschiedenen Ländern und Staaten halten zusammen. Die Kriege in unserem Jahrhunderte haben die Nichtigkeit dieser Beschuldigungen nachgewiesen. Zur Zeit der Kriege gegen Napoleon kämpften deutsche und französische Juden gegen einander, und in der Schlacht bei Königgrätz standen österreichische Juden gegen preußische Juden im Kampfe. Wer Zeuge dieser Kämpfe war, wird zugeben, daß hier und dort nicht Ju-, den gegen Juden, sondern Franzosen gegen Deutsche, Preußen gegen Oesterreicher standen. An Palästina und an Glaubensgemeinschaft dachte wohl Niemand. Eine Probe aus dem Schmuelbuche. (Schluß.) Der Verf. läßt aus dem „Zuchtspiegel" noch einige Proben folgen. Sein Exemplar ist 1680 in Frankfurt am Main gedruckt; die Vorrede ist unterzeichnet „Selikman Ulma von Genzburger Geschlecht". Das Buch ist so eingerichtet, daß den aus dem Talmud und anderen jüdischen Werken entnommenen alphabetisch geordneten Sprüchen eine deutsche gereimte Uebersetzung beigegeben ist. Will einer ein Sachar *) von der Deraschah2) hon, Soll er früh derzu gon, Und soll von Anfang bis zum End sein derbei, Und soll nit schlafen oder kommen, wenn sie schier aus sei. Willst du von Lernen haben Gewinn, So brauch dein Chochmah3) und Sinn. Lern, dass du es verstehst, und nit obenhin, Und wenn du aso zu lernen begehrst, So ist es dir min 4) Mizwah 5), als wenn du ein Deraschah zuhörst. Das sagen unsereChachamim6) gewiss und frei: Willst du, dass dein Fasten Gott angenehm sei, So thu andre Zedakoth7) und Frommkeit derbei; Denn Fasten und Theschubah8) ohn Reuen, Lieben ohne Treuen, Beten unbedacht, Hast du dem Satan ein Korban9 *) gebracht. Wo der Teufel nit hin kann, Da schickt er sein Boten an; Das ist der Malvasier und der gut Wein. Denn alle Unglück ingemein, Die in der Welt geschiecht, Werd gern durch den Wein verricht. Merk, was das Sprüchwort bedeut, Dass alle Ding auf dem Olam ,0) hat sein Zeit Und afille H) ein Melech 12) muss dem andern das Malchuth 13) Und den Anijim i4) die Reichen. ausweichend Oft verändert sich das Glück in grosser Eil, Denn all Ding gewährt nur ein Weil. Das Sprichwort ich oft gehört hab: Gezählt Schaf gehnen {gehen) gern ab, Darvon sagt man den Nichusch15): Der nit verlieren will, Der zähl das Geld nit über dem Spiel. Nach dem Menschen Thun Pflegt er ein Weib zu hon. Willst du nun sehn, ob der Mensch ist bös oder fromm, Da sich an das Weib das er bekomm. Das ist wahr, bewährt, fest und stärk: 1) Lohn. 2) Predigt. 3) Weisheit. 4) mehr. 5) eigentlich: Gebot; hier: so thust du deine Schuldigkeit besser als . . 6) die Weisen, Gelehrten. 7) Almosen, gute Werke. 8) Buße. 9) Opfer. 10) Welt. 11) sogar. 12) König. 13) königliche Herrschaft. 14) die Armen. 15) Spruch.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.