Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1869)
- Date
- 1869-07-13
- Page
- Seite 568 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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568 Jedermann weibt nach sein Werk, Wie auch das Sprichwort thut bewähren : Gleich und gleich gesellt sich geren. Kein Gefangener kann sich selbst helfen von sein Band und Kein Ropheh *) kann sich selbst heilen. Seilen, Drum mancher Ghacham 2) hat sich nit zu schämen, Wenn er sich selbst nit kann aus einer Sach ernehmen. Ein Mensch allein thut itliches gering Unglück betreffen, Denn er kann sich nit allein helfen. Aber ihrer zwei, Wenn schon ein schlimm Masal3) ist derbei, Doch können sie sich mit ihre selbst Ezoth4) hüten, Vor allem Unglück sie können entritten. Aber ihrer drei Seinen aller Sorgen frei, Denn sie sehn als so weit, Afille ein Unmasal5) vor seiner Zeit Können sie betrachten, Drum we-hachut liamschullasch6) ist nit zu verachten. Ei du närrischer Mensch mit deinen Sorgen, Es thut dir doch Niemenz weder Heller noch Pfennig drauf Und anders du nit erübrigen lut (thust), borgen. Nur Sorg, Angst und Noth, Schneidet dir selbst dein Tag ab, Vor deiner Zeit legt man dich ins Grab. Wenn du schon läufst und schlägst den Kopf wider die Wand, Derweil ist dein Unglück nit gewandt. Hundert Sorg wägen nit ein Quentel schwer, Drum folg meiner Lehr: Nit tracht nach verloren Gewinn. Gedenk: hin ist hin. Die best Red zu beschehend Sachen: Du kannst doch nit anderst machen. Das Bös, as du leidest itzund In dieser Stund, Dran nit verzag, Denn es in die Läng nit bestehen mag. Es kommt eppes Neues itliches Blick des Äg,7) Mikkol sche-ken8) itlichen Tag. Ist dein Weib kurz und klein, Bück dich zu ihr zu hören, was sie mein. Aber hab den Verstand nit in allen Sachen gemein, Neiert9) in Haushalten allein. Lass ihr die Eh allzeit die best sein; Sonst dein andre Asakim ,0) halt vor ihr still, Willst du anders sein überhoben Ungemach viel. Ein Mensch ohne Geld Gilt nicks in der Well, Wie Sprichwort sagt: Hast du Geld, bist du ein Herr, Hast du keins bist du ein Narr (Narr). Ei du vergängliche närrische Welt, Dass mancher klagt über sein verloren Geld, l) Arzt. 2) ein weiser Mann. 3) schlimm Glück Unglück. 4) Rathschläge. 5) Unglück. 6> „auch der dreifache" lalso starke) „Faden", mit Bezug auf Prediger 4,12. "/) jeden Augenblick. 8» um wie viel mehr. 9) nur. 10) Geschäfte. Und nit über sein Tag, die ihm entrinnen; Dass er doch verloren Geld kann wieder gewinnen. Aber nach den verloren Tag brich dir nit den Sinn Sie wieder zu bekommen, denn hin ist hin. Kleine Mittheilungen. Wie wir bereits mehrere Male bemerkten, gehört jetzt in Wien der Uebertritt zum Judenthume zu den täglichen Erscheinungen. Die „N. fr. Pr." vom 14. vor. Mts. erzählt Folgendes: Gestern hat im israelitischen Stadttempel wieder die Trauung eines vom Christenthume zum Judenthume Uebergetretenen mit der Tochter eines hiesigen jüdischen Fabrikanten stattgefunden. Ein der Trauung vorhergegangener und ebenso ein Akt, welcher derselben folgt«, gaben dem in Rede stehenden Uebertritte ein ungewöhnliches Gepräge. Herr E., ein Wiener von Geburt, wählte nämlich den seiner Trauung vorhergehenden Tag, um im Tempel angesichts der versammelten Gemeinde sein jüdisches Glaubensbekenntniß abzulegen, und benützte die Gelegenheit, um den Armen Wiens unter der ausdrücklichen Beifügung: „ohne Unterschied der Confession", 50 Gulden zu spenden. Und eine Stunde nach der Trauung versammelten sich in einer israelitischen Restauration 20 arme Paare, 10 dem christlichen, 10 dem jüdischen Ritus angehörig, um dort auf Kosten der Eltern der Braut gespeist zu werden. Braut und Bräutigam servirten den armen Gästen, während der Prediger Dr. Jellinek den zahlreichen Anwesenden gemischten Glaubens in einer stylvoll gehaltenen Sprache als den Segen der fortschreitenden Aufklärung die Thatsache hinstellte, daß der Glaube nicht mehr zum trennenden, die Gemeinsamkeit der Menschenliebe störenden Elemente werden könne. Ein passender Choral schloß diese jedenfalls intereffante Feier. Notiz. Wien, 13. Juni. Gestatten Sie mir zur Ergänzung deS Artikels: „Ueber die Abstammung des Wortes Ghetto" Nr. 19 der A. Z. d. I. einige Worte. Mit Recht wird auf die Definition von Temanza hingewiesen, daß ghetto von getto Kanonengießerei, abstamme. In dem Dekrete der Republik, welches die Juden eben in einen besonderen Stadttheil verweist, heißt es auch et debbino andare in getto und nicht in ghetto, wie ich dieses in meiner Correspondenz der A. Z. d. I. aus Venedig Nr. 39 des Jahres 1857 und in meinen: „Judentaufen in Oesterreich" angab. G. Wolf. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirfchstld. Verantwortlicher Redakteur Dr, H. Lotze.