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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-07-13 · Heft 28 (13.7.1869) · p. Seite 558

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 28 (13.7.1869)
Date
1869-07-13
Page
Seite 558 (sequence 10)
Language
German
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558 sinnte Männer der hiesigen Stadt"immer noch nicht zur Ruhe kommen, so daß man sogar sich soweit verging, den hochgeachteten Oberbürgermeister Hobrecht dahier, der in energischer Weise zur liberalen Lösung obiger Frage beigetragen hatte, zu verläumden und zu verdächtigen. Diesem fanatischen Treiben gegenüber, das hauptsächlich in katholischen Kreisen seinen Herd hatte, fühlte sich eine Anzahl hiesiger Bürger verpflichtet, mit einer Adresse an Herrn Hobrecht zu antworten. Und diese Adresse hat in wenigen Tagen nahezu 12000 Unterschriften gefunden. Eine Adresse in kurzer Zeit von einer so warmen Anzahl von Unterschriften, die alle Confessionen repräsentiren, bedeckt zu sehen, gehört nicht zu den alltäglichen Erscheinungen. Breslau hat eine imposantere Kundgebung der Gesinnung seiner Bewohner, wie sie, ungefälscht durch blinden Fanatismus, im Kreise der Bürger lebt, wohl noch nie gesehen. Und wie man es als Ehrenpflicht betrachtete, durch Unterzeichnung der Adresse dem Bürgergeiste einen wahren Ausdruck zu geben, so begrüßte man den von dem Festcomite gehegten Gedanken, die Ueberreichung der Adresse mit feierlicher Auffahrt nach dem Rathhause zu verbinden. Ein großartiger Equipagenzug bildete sich demgemäß, in welchem die Deputirten der Bürgerschaft, Vertreter aller Confessionen, den Vorrang einnahmen. Die Ueberreichung der Adresse erfolgte unter entsprechender Anrede eines Deputirten an den Herrn Oberbürgermeister, die dieser in geeigneter Weise erwiderte, wobei er unter anderem hervorhob, „daß die Segnungen der Kirche in ihr Gegentheil verkehrt werden, wenn wir die vorhandenen kirchlichen Gegensätze auch auf solche Gebiete übertragen, auf denen wir, Angehörige der verschiedensten religiösen Bekenntnisse und Richtungen, in Frieden und Eintracht den gleichen humanen Zwecken dienen." (Bravo!) Die Feier dieses Tages, des Ehrentages der Stadt und ihres Oberbürgermeisters, wird der Bürgerschaft noch lange in Erinnerung bleiben und ihres Eindrucks gewiß nicht verfehlen. Breslau, 29. Juni. (Privatmitth.) Heute wurden die Berathungen des jüd.-theol. Vereins, die bis zum 1. Juli dauern werden, begonnen. Die etwa 20 Mitglieder zählende Versammlung wurde von dem Vorsitzenden Herrn vr. Grätz begrüßt, worauf sogleich zur Tagesordnung übergcgangen wurde. Die Verhandlungen, welche wahrscheinlich die innere Leitung des Vereins betrafen oder vielleicht um der Sache einen gewissen Nimbus zu verleihen, gingen innerhalb des Vereins vor sich und werden vielleicht gar nicht, oder uur durch die „Monatsschrift" nach vorausgegangener Redattion Grätz' in die Oeffentlichkeit dringen. Auf 11 Uhr war ein öffentlicher Vortrag des Herrn Direktors vr. Z. Frankel angekündigt. Die Zuhörer bestanden größtentheils aus Seminaristen, außerhalb des Seminars stehende Laien waren nur schwach vertreten. Der xh ständige Bortrag des Herrn Directors verbreitete sich etwa über folgende Punkte: „Diese Versammlungen haben den Zweck, den hier zusammentretenden Mitgliedern Gelegenheit zu geben, die in ihren Stellen gemachten Erfahrungen einander mitzutheilen und gemeinschaftlich zu erwägen, was zur Hebung des religiösen Gefühls noth 'thut, ferner die Resultate ihrer wissenschaftlichen Forschungen auf dem Gebiete des Judenthums und der jüdischen Literatur darznlegen und zu besprechen und zu neuem Schaffen Anregung zu geben. Denn das Judenthum erkennt bloß das an, was durch wissenschaftliche Forschung gefunden und begründet ist. Die Schätze des jüdischen Wiffens sind groß und weitumfassend. Die jüdische Theologie baut sich auf aufnniri nasa u. nrobn. Der Text der Thora läßt sich allenfalls durch Lexikon und Grammatik lernen, nicht so der Talmud; es scheint diesem eigen zu sein, obgleich jetzt überall Druckausgaben erschienen, dennoch immer mündlich fortgepflanzt werden zu müssen; er spottet aller Versuche einer Uebersetzung und ausreichenden Lexicographie; Wörter wie: -sursa nan rc. lassen sich gar nicht wiedergeben, und so sei das Eindringen in den Geist des Talmuds nur unter Anleitung eines Lehrers möglich. Es sei aber noch viel, sehr viel am Talmud unbearbeitet; viel sei noch künftigen Geschlechtern, welche die Kraft und den Willen dazu haben, Vorbehalten zur Thätigkeit ernsten Forschens, Denkens und Schaffens. Es sei eine Einleitung in den Talmud, die bis jetzt nicht vorhanden, dringend nothwendig; Sprachliches, Geographisches, Historisches sei noch in Fülle zu eruiren. Theologisches und wissenschaftliches Studium sollen Hand in Hand gehen, das eine gewinnt durch das andere; so sei man erst in neuester Zeit auf bisher ganz unbeachtete Dinge im Talmud aufmerksam geworden, die selbst den Vertretern der modernen Wissenschaften neu waren und die größte Bewunder-

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