Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1869)
- Date
- 1869-07-13
- Page
- Seite 551 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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551 §• 7. Die Versammlung betrachtet endlich als höchste Aufgabe im Interesse der wissenschaftlichen Erkenntniß des Judenthums die Gründung einer oder mehrer höherer Lehranstalten für die Wissenschaft des Judenthums (theologische Facultätj und stellt sie sich selbst als einen ihrer wesentlichen Zwecke, die allgemeine Betheiligung an der Herstellung und Erhaltung derselben zu erwecken. Sie erklärt, daß deren Bedeutung vorzugsweise darin besteht, eine Pflegstätte der freien wissenschaftlichen Erkenntniß zu sein, berufen, das Judenthum in seiner geistigen Macht zu ergründen und ihm seinen berechtigten Einfluß auf die gesammte geistige Entwickelung zu gewinnen. Sie ernennt demnach eine Commission , welche sich mit den bereits hervortretenden Bestrebungen verbindet, um die Herstellung solcher höherer Lehranstalten zu verwirklichen. Die Wahl der Commission für die Facultät, so wie der in der Beschneidungsfrage wurde vertrauensvoll der Unparteilichkeit des Vorsitzenden von der Versammlung überlassen. Nunmehr trat man in die Verhandlung über die gottesdienstlichen Fragen ein. In der Vormittagssitzung war in dem Dr. Aub ein Referent bestellt worden, welcher die sämmtlichen eingegangenen den Cultus betreffenden Anträge ordnen sollte, derselbe entledigte sich dieser schwierigen Aufgabe in angemessener Weise. Es erhob sich aber auch hier sofort ein sehr lebhafter Kampf um die weitere Behandlung. Es hatte nämlich Dr. Geiger hierher bezügliche „Thesen" eingereicht, welche abermals die gottesdienstlichen Fragen nur in Form von principiellen Sätzen behandeln. Es wurde nun aber beantragt, daß Thesen nicht zu berücksichtigen, sondern sofort auf die in dieser Zeitung veröffentlichten Anträge der Commission einzugehen. Es kostete einen harten Kampf, um die letztere Ansicht durchdringend zu machen, welcher schließlich die große Majorität sich anschloß. Man hob mit Nachdruck hervor, daß diese principiellen Sätze, wenn sie nach endlosen Debatten schlüssig geworden, doch gar kein practisches und greifbares Resultat haben würden, daß die Gemeinden bestimmte Anordnungen erwarteten, und principiell die obschwebenden Fragen in der Literatur längst beantwortet seien. Hiermit schloß die Sitzung nach 9 Uhr Abends. An demselben Tage, in der Zwischenzeit der beiden Synodalsitzungen, hielt der Gemeindetag seine zweite Sitzung. Nachdem derselbe mehrere Vorberathungen gehalten, hatte es sich ergeben, daß der einzige Gegenstand seiner Berathungen die Bildung eines deutschisraelitischen Gemeindenverbandes sein solle. Schon am Abend vorher beschäftigte die Berathung über diesen Gegenstand eine erste Sitzung unter der trefflichen Leitung des zum Vorsitzenden gewählten Herrn MoritzKohner, Vorsitzenden des Leipziger Vorstandes. In derselben hatte Dr. Geiger, wenn auch nicht Mitglied des Gemeindetages, beantragt, der Gemeindetag möge sich zu einer Section der Synode constituiren. Dieser Antrag wurde fast einstimmig zurückgewiesen, da der Gemeindetag ein selbstständiges Institut sein solle. Es lagen drei Entwürfe vor, der des Herrn Kohner selbst; einer von Herrn Simon aus Hamburg, Vorsteher der dortigen Gemeinde, und von Herrn Dr. Honigmann, Syndikus der Gemeinde von Breslau. Aus der Verschmelzung derselben zu einem würdigen Ganzen ging in der zweiten Sitzung ein envgültiges Resultat hervor, das wir weiter unten mittheilen werden. Es herrschte auch in diesen Versammlungen eine sehr lebhafte Betheiligung, verbunden mit dem würdigsten Ernste und der besten parlamentarischen Ordnung, welche letztere Herr Kohner streng aufrecht zu erhalten verstand, sowie die Debatten nicht allzusehr in Weitläufigkeiten ausarten zu lassen. — Auf Antrag des Prof. Dr. Lazarus wurde einstimmig die Resolution gefaßt: In Erwägung daß der kräftige Gemeindebund Deutschlands die Zwecke der Alliance Israelite Universelle in Behandlung zu nehmen haben wird, erklärt der Gemeindetag, daß er der Alliance dankbare Anerkennung zollt. Nach dein Schluffe dieser Sitzungen fand ein glänzendes Festmahl statt, welches die Leipziger Gemeinde der Synode und dem Gemeindetage gab. Ueber 170 Gedecke in einem schön dekorirten Saale, gute Tafelmusik, eine Fluth von Toasten, an Speise und Trank Ueberfluß. Bis Nachts drei Uhr waren die Theilnehmer in würdigster Heiterkeit beieinander. 28*