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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-07-06 · Heft 27 (6.7.1869) · p. Seite 532

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 27 (6.7.1869)
Date
1869-07-06
Page
Seite 532 (sequence 8)
Language
German
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532 Philippson (Bonn) gestellte Antrag auf die Tagesordnung gebracht. Die Versammlung wolle beschließen: *) Die jüdische Synode erkennt das Judenthum in Uebereinstimmung mit den Principien der neueren Gesellschaft und des Rechtsstaates, wie diese Principien im Mosaismus verkündet und in der Lehre der Propheten entwickelt worden, nämlich in Uebereinstimmung mit dem Princip der Einheit des Menschengeschlechts, der Gleichheit aller vor dem Gesetze, der Gleichheit aller in Pflichten und Rechten dem Vaterlande und dem Staate gegenüber, so wie der völligen Freiheit des Individuums in seiner religiösen Ueberzeugung und dem Bekenntniß derselben; die Synode erkennt in der Entwicklung und Verwirklichung dieser Principien die sicherndsten Bürgschaften für das Judenthum und seine Bekenner in der Gegenwart und Zukunft, die lebenskräftigsten Bedingungen für den uneingeschränkten Bestand und die höchste Entfaltung des Judenthums; die Synode erkennt deshalb in dem Frieden aller Religionen und Confessionen untereinander, in der gegenseitigen Achtung und in der Gleichberechtigung derselben, so wie in dem nur mit geistigen Waffen und in streng sittlicher Weise geführten Kampf um die Wahrheit Eines der großen Ziele der Menschheit; die Synode erkennt daher als eine der wesentlichen Aufgaben des Juventhums, diese Principien zu bekennen, zu fördern, zu vertreten und dafür zu wirken und zu schaffen.-" Der Vorsitzende gab nunmehr dem Antragsteller, l»r. Philippson (Bonn), das Wort zur Motivirung seines Antrages, dieser bestieg die Rednerbühne und sprach (nach dem stenographischen Berichte) folgendermaßen. Hochgeehrte Versammlung. Es ist ein beglückender Augenblick für mich, in welchem ich die Ehre habe, den ersten Antrag an diese verehrliche Versammlung zu stellen und vor ihr zu motiviren. Es ist mir eine gesegnete Stunde, möge sie auch Gottgesegnet sein für uns, für die Geschlechter nach uns, für das ganze zukünftige Israel! Allein weit über diese persönlichen Empfindungen ragt dieser *) Wir geben dm Antrag hier gleich so, wie er nach einer Vorderathung mit einigen kleinen redactionellen Veränderungen versehen worden. Moment in seiner allgemeinen Bedeutung hinaus; denn durch diesen Antrag scheint er mir ein noch nie dagewesener Moment in der ganzen Geschichte Israels, ja in der Geschichte der gesummten Menschheit zu sein. In der Geschichte Israels — denn bis zu unsrer Zeit war die israelitische Religion und mit ihr der israelitische Stamm bestimmt, unfreiwillig und wider Willen in der Opposition zu stehen mit der ganzen übrigen Welt. Der unbedingte Monotheismus, die Anbetung Gottes ohne Bild, nur im Geiste und die socialen Prinzipien des Judenthums setzten dies der gesammten antiken heidnischen Welt gegenüber, und wenn dadurch der Gegensatz der christlichen und mohammedanischen Welt nur ein theilweiser war, so traten diese gegen das Judenthum und seine Bekenner mit einer so energischen Ausschließlichkeit auf, daß über die letzteren das traurigste, schreckenvollste Schicksal kam, und es genöthigt war, seine Opposition zum Heile der Wahrheit und des Rechtes fernerhin aufrecht zu halten. Jetzt aber ist der Augenblick gekommen, wo das Judenthum hintreten kann zur Menschheit und zu ihr sprechen: ich bin in Uebereinstimmung mit dir, meine Lehre und meine Grundsätze sind die Einheit, das Recht Aller, die Freiheit Jedes, die gegenseitige Achtung und Duldung, der Friede, wie er auf der Erkenntniß, dem Rechte und der Liebe beruht — mein Gegensatz, meine Opposition ist zu Ende, wenn Ihr mir gestattet zu sein und zu werden, was ich bin und werde, wie ich euch gestatte zu sein, was Ihr seid und werdet. Und hierin liegt zugleich, daß dieser Moment auch in der Geschichte der Menschheit einzig ist. Denn zuvor mußte diese einen weiten Weg der Entwicklung zurücklegen und viele Stufen der Cultur übersteigen, welche Kämpfe durchringen und wie viele Stürme bestehen, bevor sie dahin kam, die Grundsätze der Gleichberechtigung und der Gewissensfreiheit zu begreifen, anzuerkennen und zu verwirklichen, bevor sie jene Ausschließung vom Bürgerrecht der Erde und Bürgerrecht des Himmels auszuscheiden und zu beseitigen vermochte, die ihr so lange gepredigt und die so lange in ihr vermittelst der Staatsgewalt aufrecht erhalten worden. So ist es ein Triumph Israels und ein Triumph der Menschheit zugleich, daß sie sich beide finden und begegnen dürfen und darum müssen. Bei dieser wahrhaft weltgeschichtlichen Bedeutung dieses Momentes gestatten Sie mir, hochgeehrte Herren, so sehr ich es scheue, Ihre kostbare Zeit in Anspruch zu nehmen, mit wenigen Worten die beiden Fragen zu

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