Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1869)
- Date
- 1869-07-06
- Page
- Seite 531 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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531 Land, sondern das Band der Religion, flieht in die Ferne und läßt sich Hinreißen von dem Uebermaß, von der Ueberstürzung, bei der wir ihm nicht folgen können. (Bravo.) Und endlich, meine Herren, ist noch eine Schwierigkeit, die wir uns aber am wenigsten verhehlen dürfen. Wir werden uns, so sehr wir uns heute freuen, doch nicht verbergen können: die Zahl der betheiligten Gemeinden müßte eine viel, viel größere sein. Fragen wir uns, was die Ursache sein mag, warum diese Betheiligung nicht größer ist, so haben sich mir bei vielfachen Wahrnehmungen hauptsächlich zwei Gründe dargestellt: Einmal, daß es viele gibt, die für das, was wir wollen, gar kein Verständniß haben, dann aber auch Viele, die zwar das Verständniß haben, aber in ihren pessimistischen Anschauungen alle unsere Bestrebungen für erfolglos halten; sie zweifeln an dem Erfolg, und darum haben sie keinen Antheil genommen an der heutigen Versammlung. Meine Herren, ich habe von Männern, die auf einer höheren Stufe der Bildung stehen, die sonst wol Interesse am Judenthume nehmen, die Meinung aussprechen hören müssen: Was wird es helfen, es wird doch zu nichts führen! Meine Herren, mir ging ein Stich durch die Seele bei diesen Worten. Wie, das wofür unsere Vorfahren Gut und Blut geopfert, das, wofür sie gelebt und gestorben, wofür wir selbst gelitten haben und leiden würden, das wäre schon so heruntergekommen, daß alle Thätigkeit vergeblich und alle Fürsorge dafür nutzlos wäre? Nimmermehr, nein, nein. (Bravo). An uns ist es aber nun, meine Herren, daß wir in unserer Versammlung die Möglichkeit eines Erfolges zeigen, daß wir durch unsere Versammlung diese Furcht, diesen Kleinmuth beseitigen, daß wir einen Erfolg erzielen. Meine Herren, wie eine Mutter ihr Kind liebt und für das Kind alles thut, alles aufbietet, damit es heranwachse, gedeihe und seines Lebens Bestimmung erreiche, so lieben wir, die wir diese Versammlung zu Stande zu bringen gestrebt haben, so lieben wir diese Versammlung und wünschen, daß sie die Mutter sein möchte von der Tochter des nächsten Jahres und von Enkeln und Urenkeln bis in die spätesten Zeiten (Bravo). Ja, das muß unser Bestreben sein, daß Synodalversammlung an Synodalversammlung sich anreihe, daß wir uns nicht abschrecken und entmuthigen lassen, was auch kommen mag. Aber nehmen Sie mir es nicht übel, wenn zuletzt auch noch der Rabbiner seinen Stand nicht verleugnen kann, und wenn ich Ihnen mit dem Propheten zurufe (Emmes :c. : „Liebet die Wahrheit und den Frieden." Von der Wahrheit haben die Alten gesagt, sie sei der Abglanz Gottes, d. h. sie ist die Manifestation des Geistes, der über Zeit und Raum erhaben, ewig der unveränderliche Geist ist; von dem Frieden haben sie gesagt, er ist der Name Gottes, die Manifestation des göttlichen Willens, der in eine Form sich kleidet, der hervortritt sichtbar und wahrnehmbar, der darum auch in äußerer Gestalt erscheint. Wahrheit und Friede, sie sollen unter uns walten, wir wollen gemeinschaftlich ohne Scheu und ohne Furcht die Wahrheit aussprechen, aber wir wollen auch in unserem Streben den Frieden heilig halten, denn der Friede ist es ja, der den Einzelnen, wie die Gesammtheit beglückt, der Friede ist ja das Sinnbild dessen, was wir vorhin so schön, so herrlich als die Zukunft haben schildern hören; der Friede ist der Inbegriff des heiligen, des sehnsuchtsvoll von der Menschheit erwarteten Gottreiches. Mögen wir dazu beitragen, diesen Frieden immer näher zu bringen, möge der allgemeine menschliche Friede durch unsere Versammlung gefördert werden. Das walte Gott. (Bravo). Hierauf wurde die Geschäftsordnung, wie sie von der Commission entworfen (siehe Nr. 19), mit einiger Modifikation en bloc angenommen. Man schritt zur Wahl des Präsidiums, indem 1 Vorsitzender und 2 Stellvertreter durch Stimmzettel, ein Jeder in einem besonder» Wahlgang gewählt wurden. Unter 78 abgegebenen Stimmzetteln fielen 50 auf Professor vr. Lazarus aus Berlin, der also Vorsitzender wurde. Im zweiten Wahlgang fielen von 75 Stimmzetteln 25 auf vr. Geiger, der erste Stellvertreter, im dritten Wahlgang von 72 Stimmzetteln 31 auf Joseph von Werthheimer aus Wien als zweiter Stellvertreter. Die übrigen Stimmen zersplitterten sich. Nachdem die Gewählten ihren Dank für die Wahl ausgesprochen, wurde die erste Sitzung um 3 Uhr Nachmittags geschlossen. Der zweite Tag. Mittwoch, den 30. Juni. Nachdem das Protokoll vorgelesen war, beschäftigte man sich mit der Feststellung der Tagesordnung, ein bei der Mannigfaltigkeit der vorliegenden Anträge schwieriges Werk. Alster st er Antrag wurde der von l>r. Ludwig